Audi connect breit

Als erster Automobilhersteller der Welt hat Audi vom US-Bundesstaat Nevada die Lizenz für den Betrieb von computergesteuerten Fahrzeugen erhalten. - Bild: Audi

Pilotiertes Fahren mit dem Computer. Auf der CES, der wichtigsten Elektronik-Messe der Welt, präsentiert Audi seine Technologien für morgen – als einziger deutscher Automobilhersteller.

Als erster Automobilhersteller der Welt erhielt Audi vom US-Bundesstaat Nevada die Lizenz für den Betrieb von computergesteuerten Fahrzeugen. Die Genehmigung erlaubt dem süddeutschen Hersteller mit seinen Testfahrzeugen das “pilotierte Fahren” in und rund um Las Vegas zu erproben.

Voraussetzung bleibt allerdings, dass ein Fahrer im Auto sitzt und dieser auch einen gültigen Führerschein besitzt ? um bei Bedarf eingreifen zu können. Der Bundesstaat Nevada hatte bisher eine solche Lizenz nur an Google vergeben. Die dritte Lizenz hat inzwischen Automobilzulieferer Continental bekommen.

Anlässlich einer Pressekonferenz auf der Consumer Electronic Show (CES) in Las Vegas kündigte Audi-Entwicklungschef Wolfgang Dürheimer an: “Das pilotierte Fahren halte ich noch in diesem Jahrzehnt für technisch realisierbar”. Als weiteres Projekt stellte Dürheimer einen Stau-Piloten vor, der den Fahrer künftig im zähfließenden Verkehr entlasten kann. Allerdings nur auf Autobahnen und nicht im Stadtverkehr.

Pilotiertes Fahren im öffentlichen Verkehr

Es ist die Weiterentwicklung der beiden Audi-Systeme ACC Stop&Go sowie Lane Assist. Im Geschwindigkeitsbereich zwischen null und 60 km/h übernimmt das Bremsen, Lenken und Gas geben eine Art “Autopilot-Funktion”. Das System wertet kontinuierlich die Geschwindigkeit des eigenen Autos und der Fahrzeuge im Umfeld aus. Aus Sicherheitsgründen muss entgegenkommender Verkehr ausgeschlossen sein, daher zunächst die Autobahn-Erprobung. Während die Funktion aktiv ist kann sich der Fahrer – in Grenzen – anderen Tätigkeiten widmen. Löst sich beispielsweise der Stau auf, wird der Fahrer via Signalton zur Übernahme aufgefordert. Das Einschlafen des Fahrers ist jedoch tabu. Eine Kamera beobachtet die Augen des Fahrers und warnt dann entsprechend.

Smartphones, Computer und Autos wachsen zusammen

In einer weiteren Ausbaustufe arbeiten die Ingenieure von Audi an einem System, das Fahrzeuge selbsttätig in Parkhäusern und Tiefgaragen ein- und wieder ausparken lässt. Aktiviert wird die Funktion durch den Fahrer nach dem Aussteigen via Smartphone-App. Der Zentralrechner im Parkhaus lotst das Fahrzeug anschließend per WLAN zum nächsten freien Parkplatz, wo das Fahrzeug selbst einparkt. Möchte der Fahrer wieder nach Hause, aktiviert er die App erneut und das Fahrzeug fährt ohne fremde Hilfe wieder vor. Voraussetzung hier ist eine digitalisierte Karte vom Parkhaus sowie eine Belegungserkennung.

Dürheimer erwartet, dass derartige Technologien sich wohl zuerst in Japan durchsetzen werden, wo der Verkehr von Stausituationen und der Suche nach einem Parkplatz geprägt sind. Derzeit arbeiten etwa 100 Audi-Experten an den Projekten. Ein Fahrzeug soll in Kürze auch in China in die Erprobung gehen.

Das pilotierte Fahren benötigt keine weiteren Komponenten, sondern vernetzt die bereits vorhandenen Assistenzsysteme mit entsprechender Software.

Nach Angaben von Ricky Hudi, Leiter Entwicklung Elektrik/Elektronik bei Audi, basieren in Zukunft 90 Prozent aller Innovationen in der Automobilindustrie direkt oder indirekt auf Fortschritten in der Elektronik.

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Bettina Mayer/Guido Kruschke