Chrysler_Messring_Dummy

Chrysler will ein neues Kapitel der Analyse-Qualität seiner Crashtests aufschlagen. Bild: Messring

Partner auf Seiten der Anlagentechnik ist die Münchner Messring Systembau. Am Standort Chelsea testet Chrysler alle Modelle des breitgefächerten Portfolios, vom Fiat 500 bis zu den schweren SUVs und Pickups der Marke Dodge. Der Auftrag an Messring umfasst das moderne MicroTrack Schienensystem inklusive eines Antriebs mit Elektromotor, M=LIGHT LED-Scheinwerfer, eine Vorrichtung für Curb-Tests mit einem Spezialschlitten und zwei neue Filmgruben. Zuerst wurde das bestehende Schienensystem zum Beschleunigen von Testfahrzeugen durch das bewährte MicroTrack System ersetzt.

Der Vorteil dieses System besteht darin, dass der Führungskanal sehr viel schmaler als bei üblichen Lösungen ist und dadurch mehr Details bei Crashaufnahmen des Fahrzeugs von unten aus der Filmgrube sichtbar werden – ein Schlüsselkriterium bei der Bewertung des Crashverhaltens von Fahrzeugen. Bei älteren Schienensystemen verdeckt die Breite der Führungsschiene meist wichtige Einzelheiten. Der Betrieb des Schienensystems ist bei Chrysler in zwei Richtungen im gleichen Schienenkanal möglich: Zum Aufprallblock innerhalb der Halle und in Richtung des Außenbereichs der Anlage.
Wie Messring betont, garantiert die engere, nahezu spielfreie Führung des neuen Seilwagens eine bessere Kontrolle des Versuchsfahrzeugs sowie eine höhere Präzision bei Geschwindigkeit und Trefferlage. Durch die hohe Variabilität von MicroTrack ist es möglich, das System auf einer Länge von wenigen Metern (Anlagen für niedrige Geschwindigkeiten wie z.B. RCAR-Versuche) bis hin zu mehreren hundert Metern zu installieren, unabhängig davon, ob sich das Schienensystem in einer Halle befindet oder im Freien. Die Leistung und die Genauigkeit der Anlage hat sich durch den neuen Antrieb wesentlich verbessert. Auf der 220 Meter langen Bahn in Michigan können nun Fahrzeuge mit einem Gesamtgewicht von 4,6 Tonnen auf bis zu 120 km/h beschleunigt werden.

Spur _ Länge von 220 Meter

Die MicroTrack-Spur in Chelsea, Michigan hat eine Länge von 220 Metern. Bild: Messring

Um den exakten Moment des eigentlichen Crashs eines Testfahrzeugs perfekt zu dokumentieren, braucht man für die Hochgeschwindigkeitskameras eine perfekte Ausleuchtung der Aufprallzone. Eine erfolgreiche Formel hierfür ist relativ simpel: viel Licht ermöglicht hohe Schärfentiefe und kurze Belichtungszeiten und damit mehr Details für spätere Auswertungen. Besonders die für Testingenieure wichtigen Verformungen der Fahrzeugkarosserien sind dadurch besser einsehbar. Aus diesem Grund entschied sich Chrysler für die M=LIGHT LED-Scheinwerfer.
Die insgesamt 46 LED-Scheinwerfer wurden komplett in die zwei Filmgruben des Testzentrums eingebaut. Die Heckaufprallgrube und die Frontgrube am Aufprallblock befinden sich beide innerhalb der 43 x 26 Meter großen Testhalle des Crashtestcenters in Michigan und werden jeweils von einer Plexiglasscheibe geschützt.

Eine Spezialität des amerikanischen Marktes ist der sogenannte Curb-Test, für den der Crashtestspezialist aus München den kompletten Versuchsaufbau an den amerikanischen Autobauer lieferte. Die Crash-Variante dient dazu, die Funktion von Rückhaltesystemen wie Seitenairbags beim Überschlag nach dem Auftreffen auf einen Bordstein zu testen. Die Komponenten des Versuchs umfassen vor allem einen Spezial-Schlitten, der das zu testende Auto trägt. Dieser Schlitten mit dem quer zur Schussrichtung positionierten Fahrzeug wird über das MicroTrack Schienensystem beschleunigt und seitlich über hydraulische Spezialdämpfer gezielt abgebremst. Ein Gurtsystem verhindert den eingeleiteten Überschlag, so dass sich der simulierte Kontakt mit dem Bordstein nicht zerstörend auf das Testfahrzeug auswirkt. Das Produkt ist eine Spezialanfertigung für Chrysler.

Redaktion: Christian Klein