Opfermann Zetsche F-CELL

Andreas Opfermann: Je nach Fahrweise und Streckenprofil erzielen Brennstoffzellenfahrzeuge heute bereits Reichweiten von 400 bis 750 Kilometer. - Bild: Daimler

Genau: Per Wasserstoff in die Zukunft – oder in eine Sackgasse?

Wer eine Automesse besucht, könnte meinen, gleich mit dem nächsten Elektroauto davonfahren zu können. So ausgereift lässt die Branche ihre Prototypen gerne erscheinen.

Dabei ist noch längst nicht klar, welche Technik auf lange Sicht das Rennen macht – das Elektroauto mit Batterie oder doch das Wasserstoffauto mit Brennstoffzelle?

Wobei auch das Wasserstoffauto eigentlich ein Elektroauto ist, nur dass der Strom aus Wasserstoff gewonnen wird. Klar ist nur: Vor allem Daimler macht Druck in Sachen Brennstoffzelle. Doch über die Aussichten wird eifrig gestritten.

Batterie und die Brennstoffzelle werden sich ergänzen

“Wir gehen in die Zukunft mit den elektrischen Antrieben”, betont der Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer. Dabei werden sich die Batterie und die Brennstoffzelle seiner Ansicht nach ergänzen – “wobei langfristig die Bedeutung der Brennstoffzelle stark steigt”. Die “richtigen Serien” erwartet Dudenhöffer erst etwa 2025, wobei Daimler, die Opel-Mutter General Motors (GM) und Toyota führend seien.

Doch es könnte auch alles viel schneller gehen: Denn Daimler steigt immerhin ein Jahr früher als vorgesehen in die Serienproduktion von Brennstoffzellenautos ein – nämlich schon 2014.

Tatsächlich behebt die Brennstoffzelle das entscheidende Manko der Elektroautos mit Batterie: “Je nach Fahrweise und Streckenprofil erzielen Brennstoffzellenfahrzeuge heute bereits Reichweiten von 400 bis 750 Kilometer”, erklärt der Innovationschef des Münchner Technologiekonzerns Linde, Andreas Opfermann. Mit Batterie kommen die E-Mobile gerade einmal auf etwa 150 Kilometer. Aber auch bei der Wasserstoff-Betankungstechnik hat sich viel getan. “Eine Betankung ist heute in nur drei Minuten möglich – was absolut im Rahmen konventioneller Fahrzeuge liegt”, sagt Opfermann.

Langfristiger Standard Elektroauto?

Zudem sinkt der Ausstoß des klimaschädlichen Kohlendioxids – um so stärker, je mehr Wasserstoff mit Hilfe erneuerbarer Energie gewonnen wird. Bislang wird Wasserstoff überwiegend aus dem fossilen Rohstoff Erdgas erzeugt. Doch Linde will den Treibstoff künftig etwa aus Biomasse – wie schon heute in einer Pilotanlage in Leuna – herstellen. Und dann ist das Brennstoffzellenauto laut Dudenhöffer genau dies: “Die Lösung für die nächsten 5000 Jahre.”

Oder doch nicht? Nach Einschätzung des Autoexperten Frank Schwope von der Norddeutschen Landesbank (NordLB) kommt der Brennstoffzelle grundsätzlich keine Bedeutung zu. Verschiedene Autobauer hätten sich aus der Entwicklung weitgehend zurückgezogen. Langfristig werde sich nur ein neuer Standard durchsetzen, sagt er. Nämlich das Elektroauto. Und weil es parallel den Verbrennungsmotor zunächst weiter geben werde, sei für eine dritte Technologie schlicht kein Platz.

Ohnehin dürften Autos mit Brennstoffzelle um eine fünfstellige Summe teurer sein als Autos mit Verbrennungsmotor, schätzt Schwope. Der Autofachmann Stefan Bratzel sagt, Schätzungen gingen von 15.000 bis 20.000 Euro an Mehrkosten aus – nicht zuletzt deswegen, weil in den Brennstoffzellen Platin enthalten ist. Aber: Laut Dudenhöffer werden die Preise für Brennstoffzellenautos bis 2025 bei 20.000 bis 25.000 Dollar liegen.

Immense Investitionskosten in die Infrastruktur notwendig

Stefan Bratzel

Stefan Bratzel: Ich rechne nicht damit, dass in den nächsten fünf bis acht Jahren eine Infrastruktur bei Wasserstofftankstellen aufgebaut wird. - Bild: CAM

Ein weiteres Problem sind Wasserstofftankstellen. Bislang gibt es rund 30 in Deutschland, davon sind sieben öffentlich zugänglich – in Ballungsgebieten wie Berlin, Hamburg oder München. Anfang 2012 sollen acht weitere hinzukommen. Und auch Daimler will zusammen mit Linde in den kommenden drei Jahren 20 zusätzliche Stationen einrichten – für etwa eine Million Euro pro Station. Doch Experten gehen davon aus, dass bundesweit ein Netz von rund 1.000 Tankstellen notwendig wäre. Dies würde Investitionen von 1,5 bis zwei Milliarden Euro bedeuten.

Bis es so weit ist, wird es dauern – bis zu 20 Jahre, meint Dudenhöffer. Bratzel sagt: “Ich rechne nicht damit, dass in den nächsten fünf bis acht Jahren eine Infrastruktur aufgebaut wird.”

Ob die erfolgreiche Weltreise dreier Wasserstoffautos von Daimler dem Antrieb zum Durchbruch verhilft? Bis jetzt stellt der Autobauer nur eine Kleinserie von 200 Fahrzeugen mit Brennstoffzelle her. Doch auf Deutschlands Straßen rollen insgesamt rund 42 Millionen Autos – der Abstand bleibt gewaltig.

dpa/Guido Kruschke