Daimler Vision EQXX

Mit der Konzeptstudie EQXX gibt Mercedes-Benz einen Ausblick auf die Zukunft der Elektromobilität. (Bild: Daimler)

Die Macher der Technik-Messe CES wollten mit der diesjährigen Auflage ein Zeichen für die Rückkehr großer Branchen-Events setzen. Doch auf der Zielgeraden machte ihnen die Omikron-Variante einen Strich durch die Rechnung. Die Tech-Show in Las Vegas findet zwar immer noch statt - aber viele Schwergewichte bleiben den Messehallen der Wüstenstadt fern.

Rund um Weihnachten fiel ein großer Name nach dem anderen Weg: Intel, Google, Amazon, Lenovo und Harman verwiesen auf Corona-Risiken für ihre Mitarbeiter. Auch die starke Präsenz der Autoindustrie - der Stolz von CES-Boss Gary Shapiro - schmolz dahin. So wollte der US-Autoriese General Motors in Las Vegas mit einem Auftritt von Konzernchefin Mary Barra ein neues Modell vorstellen - abgesagt. Zu groß war das Risiko auch BMW und Mercedes, der Google-Tochter Waymo sowie Continental. Dennoch stellen viele Unternehmen auch jenseits der Tech-Messe nun im Rahmen eigener Präsentationen die Exponate vor, die eigentlich in Las Vegas hätten gezeigt werden sollen.

Mercedes-Studie verspricht 1.000 Kilometer Reichweite

Die eigene Vorstellung von der Elektromobilität der Zukunft präsentiert Daimler mit der Fahrzeugstudie Vision EQXX, die laut Simulationen des Autobauers auf eine Reichweite von mehr als 1.000 Kilometern kommen soll. Möglich werden soll dies durch die Verbesserung von Antriebskomponenten, Leichtbauwerkstoffe, rollwiderstandsarme Reifen, effiziente Software-Systeme und eine Optimierung der Aerodynamik bis hin zu einem cw-Wert von 0,17. „Das Technologieprogramm, das hinter dem Vision EQXX steht, wird zukünftige Modelle und Fahrzeugfunktionen von Mercedes-Benz neu definieren und ermöglichen“, sagt Markus Schäfer, Mitglied des Vorstands der Daimler AG und der Mercedes-Benz AG, Chief Technology Officer verantwortlich für Entwicklung und Einkauf. Entwickelt wurde der Technologieträger innerhalb von 18 Monaten von einem interdisziplinären Team des Autoherstellers, das unter anderem Experten aus dem Rennsportbereich umfasste.

Im Rahmen der Entwicklung sei etwa zusammen mit den Formel-1-Experten von Mercedes-AMG High Performance Powertrains (HPP) ein neues Batteriepaket konzipiert worden, dass eine Energiedichte von 400 Wh/l erreicht. Die Batterie im EQXX habe so die gleiche Energiemenge wie der Akku des EQS, sei allerdings nur halb so groß und 30 Prozent leichter. Die Batterie verfüge außerdem über ein System zum aktiven Zellbalancing, das gewährleisten soll, dass die Zellen während der Fahrt gleichmäßig entladen werden. Gleichzeitig könne das Konzeptfahrzeug über 117 gemeinsam mit dem Fraunhofer ISE entwickelte Solarzellen auf dem Dach Energie beziehen.

„Hohe elektrische Reichweiten zu erreichen, klingt einfach, ist aber eine komplexe technische Herausforderung. Der einfachste Weg ist, eine größere Batterie zu verwenden. Dies führt jedoch aufgrund von Größe und Gewicht zu schlechteren Effizienzen“, erklärt Jörg Bartels, Leiter Direktion Vehicle Integration bei der Mercedes-Benz AG. Mit dem Projekt habe man neue Wege gefunden, die Reichweite von E-Fahrzeugen zu erhöhen.

Bei der Bedienung von Fahrzeugfunktionen soll ein neues Infotainmentsystem helfen, das sich über ein nahtloses 8K-Display in der gesamten Breite des Cockpits erstreckt. Neben dem Sprachassistenten „Hey Mercedes“, der sich auf Basis von Machine Learning weiterentwickeln und auf den Fahrer anpassen soll, verfügt der EQXX zudem über ein 3D-Navigationssystem mit Echtzeitinformationen. Durch über 3.000 lokale Dimmzonen soll das Display möglichst energieeffizient arbeiten, kontextabhängige Informationen sollen zudem die Fahrerablenkung reduzieren.

BMW feiert im Umfeld der CES mit einer eigenen Präsentation die Weltpremiere des neuen E-Fahrzeugs iX M60. „Anfang Dezember haben wir einen Meilenstein unserer Transformation erzielt und das einmillionste elektrifizierte Fahrzeug ausgeliefert“, erklärt Vertriebsvorstand Pieter Nota mit Blick auf das neue Modell. „Mit dem BMW iX M60 stellen wir im Rahmen der CES das leistungsstärkste und schnellste Elektro-Fahrzeug unseres Produktportfolios vor.“ Das Modell mit 619 PS und einem Drehmoment von maximal 1.100 Nm ist das erste von Beginn an für die Elektromobilität entwickelte Fahrzeug von BMWs Perfomance-Marke M.

Gleichzeitig werde das digitale Erlebnis im Fahrzeug immer wichtiger für Kunden, so Nota. Daher stellte BMW unter anderem den Theatre Mode für das eigene Infotainmentsystem ebenso vor wie das System My Modes, das eine auf die Situation abgestimmte Kombination der Fahrzeugeigenschaften und des Innenraum-Ambientes ermöglichen soll. Der Theatre Mode soll den Fond des Fahrzeugs mit Hilfe eines 31 Zoll großen Ultrawide-Displays zu einer privaten Kino-Lounge inklusive Surround-Sound und 5G-Connectivity machen. Eine entsprechende Content-Partnerschaft hat BMW bereits mit Amazon abgeschlossen.

E-Ink macht das Fahrzeug zum Chamäleon

Doch nicht nur das Interieur ist verstärkt in den Blick der BMW-Entwickler gerückt, auch für das Exterieur zeigt der Münchener Autobauer einen echten Hingucker: Mit BMW iX Flow featuring E-Ink zeigt der Hersteller eine Technologie, die es erlauben soll, das Äußere des Fahrzeugs unterschiedlichen Situationen und Wünschen des Nutzers anzupassen. Auf Anforderung des Fahrers lässt sich damit der Farbton des Fahrzeugs variieren. Ermöglicht wird dies durch eine speziell entwickelte und den Konturen des Fahrzeugs angepasste Karosserie-Folierung. Angeregt durch elektrische Signale, bringt die elektrophoretische Lackierung jeweils unterschiedliche Farbpigmente an die Oberfläche, durch die das Karosseriebild die gewünschte Kolorierung annimmt.

Hyundai macht Objekte mobil

Hyundai zeigt hingegen gemeinsam mit dem Tochterunternehmen Boston Dynamics eine auf Robotik-Technologien basierende Plattform namens Plug & Drive, die die Fortbewegung von unbelebten Objekten ermöglichen soll. Die modulare Plattform bündelt unter anderem eine intelligente Steuerung, Radaufhängung, Bremsen sowie einen Elektro-Radnabenmotor. Ein Lidar-System soll zudem Geschwindigkeits- und Abstandsmessungen vornehmen, ein zusätzliches Kamerasystem die autonome Fortbewegung sichern.

Das PnD-Modul ist anpassbar und erweiterbar, um verschiedene Bedürfnisse der Nutzer zu erfüllen, erklärt Dong Jin Hyun, VP und Head of Hyundai Motor Group Robotics Lab. “Denn in der zukünftigen Welt werden Menschen nicht länger Gegenstände bewegen – stattdessen werden sich die Dinge um sie herumbewegen. PnD macht unbelebte Objekte mobil. Damit lässt sich praktisch auch jeder Raum nach Bedarf verändern und konfigurieren.“ Durch die hohe Flexibilität des Konzeptes sei eine Vielzahl von Anwendungen auch außerhalb des Mobilitätsbereichs möglich, heißt es beim koreanischen Hersteller: Unter anderem könne die Plattform genutzt werden, um Bürokonzepte stetig den Bedürfnissen der Nutzer anzupassen.

GM setzt auf E-Mobilität und autonomes Fahren

GM Chevrolet Equinox
Der Chevrolet Equinox EV ist eines von drei neuen GM-Modellen mit Elektroantrieb. (Bild: GM)

Einen Fokus auf das Thema Elektromobilität legt auch General Motors in der eigenen Keynote. Mit dem Wandel der Mobilität wolle man sich selbst zunehmend vom Autohersteller zu einem Plattform-Innovator entwickeln, erklärt etwa CEO May Barra. Zentraler Bestandteil sei dabei die eigene EV-Plattform Ultium, auf der unter anderem das neu vorgestellte Modell Chevrolet Silverado EV des Modelljahres 2024 aufbaut. Mit dem Chevrolet Equinox EV und dem Chevrolet Blazer EV sollen zwei weitere Elektro-SUV folgen.

Weiterhin kündigt der US-Hersteller weitere Schritte bei der gemeinsamen Entwicklung autonomer Fahrzeuge mit dem Tochterunternehmen Cruise an. Gemeinsam wolle man bis zur Mitte der Dekade erste Fahrzeuge anbieten. Das Assistenzsystem Super Cruise soll bis zum Jahr 2023 in 22 Modellen zum Einsatz kommen, während im selben Jahr die Lösung Ultra Cruise, die autonomes Fahren door-to-door ermöglichen soll, im selben Jahr in die Produktion gehen soll. Als erstes Modell soll der Cadillac Celestiq mit dem System angeboten werden. Den eigenen Anspruch im Bereich des autonomen Fahrens unterstreicht GM weiterhin mit einer Partnerschaft mit Qualcomm und dem Einsatz der Plattform Snapdragon Ride des Tech-Unternehmens.

Mitsubishi Electric setzt beim Konzeptträger auf Sicherheit

Mitsubishi hatte im vergangenen Dezember für die CES eine Art Technologieträger für Sicherheitstechnologien angekündigt, die reale Vorstellung in Las Vegas aufgrund der zunehmenden Verbreitung des Coronavirus nun aber in letzter Minute zurückgezogen. Nichtsdestotrotz haben die Entwickler im Konzeptfahrzeug Emirai xS drive ein Technologie-Paket zur Fahrerüberwachung und Lichtsteuerung geschnürt, das zu mehr Sicherheit und Komfort beitragen soll. Das System nutzt dazu eine eingebaute Nahinfrarotkamera, um Müdigkeit oder plötzliche Übelkeit des Fahrers anhand von Gesichtsausdrücken und anderen Körperinformationen wie der Puls- und Atemfrequenz zu erkennen.

Konzeptfahrzeug Mitsubishi Emirai xS drive
Mit dem Fahrzeugkonzept Emirai xS drive legt Mitsubishi den Fokus auf den Bereich Sicherheit. (Bild: Mitsubishi Electric)

Dem OEM zufolge erkennt die Technologie zur Gesichtsverfolgung und Bildverarbeitung selbst bei Fahrzeugvibrationen oder sich änderndem Umgebungslicht leichte Schwankungen des Hauttons aufgrund von Veränderungen des Herzschlags. Um die Anwesenheit von Passagieren im Fahrzeug exakt zu definieren, kombiniert Mitsubishi Electric Informationen einer Nahinfrarotkamera mit Radiowellen, wodurch etwa auch Kinder im toten Winkel der Kamera identifiziert werden können.

Eine weitere Kombination aus internen und externen Sensoren soll mehr Individualisierung des Scheinwerferlichts bieten. Eine gemeinsam mit Stanley Electric entwickelte Scheinwerfersteuerung nutzt dazu den High-Definition Locator (HDL) und das Driver Monitoring System (DMS), wodurch sich den Japanern zufolge das Licht sowohl den Kurven, der Neigung des Fahrzeugs sowie der Blickrichtung des Fahrers anpasst. Zusätzlich kommen die Kameras und der Radar des Fahrzeugs zum Einsatz, um Warnungen vor Gefahren via 3D-Ton und Straßenprojektion auszugeben.

Qualcomm kooperiert mit Renault und Volvo

Renault und der Chiphersteller Qualcomm kündigten derweil eine Vertiefung der gemeinsamen Kooperation an. Konkret werde Renault das Snapdragon Digital Chassis einsetzen, um die Vernetzung der nächsten Fahrzeuggeneration voranzutreiben. Die Plattform umfasst eine Reihe cloudbasierter Funktionen im Bereich digitales Cockpit, Fahrerassistenz, Telematik, Connectivity und soll unter anderem den Rollout von Over-the-Air-Updates erleichtern. Die gemeinsamen Aktivitäten erweitern eine bereits im vergangenen September angekündigte Zusammenarbeit im Infotainment des Megane E-Tech. Im Fokus steht hier die Snapdragon Cockpit Platform, für die Qualcomm auch Volvo als Partner gewinnen konnte. Der schwedische Hersteller möchte mit Hilfe des Tech-Unternehmens das eigene Android-Infotainment weiter verbessern.

Qualcomm Snapdragon Chassis
Connectivity-Lösungen von Renault werden in Zukunft Qualcomms Snapdragon Digital Chassis einsetzen. (Bild: Qualcomm)

Gleichzeitig verkündete Qualcomm die Eröffnung eines neuen Standorts in Berlin, in dessen Fokus vor allem die Softwareentwicklung für den europäischen Automotive-Markt steht. Unter anderem umfasst das geplante Produktportfolio hier Lösungen für die Bereiche Infotainment, Fahrerassistenz und autonomes Fahren.

Mobileye partnert mit Ford, VW und Geely

Die Intel-Tochter Mobileye nutzt die CES um neue strategische Kooperationen mit wichtigen OEMs zu verkünden. Gleichzeitig stellt das Tech-Unternehmen den ersten AV-on-chip für selbstfahrende Autos auf Level 4 vor. Zu den Premieren zählt überdies ein autonomes Lieferfahrzeug, der sogenannte Udlev-Transporter, der ohne Fahrerkabine auskommt. Udlev setzt beim Antrieb auf Mobileye-Drive und plant Mobileye zufolge ab dem Produktionsstart 2023 bis zum Jahr 2028 die Fertigung von mehr als 35.000 Transportern.

Volkswagen wird Mobileye zufolge für seine auf der MEB-Plattform basierenden Fahrzeuge auf die crowd-basierte Cloud-Datenbank Mobileye Roadbook setzen. Dabei handelt es sich um eine Anwendung von Schwarmdaten für Fahrerassistenzsysteme. Die Mobileye-eigene Road Experience Management-Technologie bündelt und generiert dazu automatisch AV-Karten in der Cloud und bietet so eine globale und skalierbare Kartenlösung für automatisierte Fahrzeuge.

Ford wird mit Blick auf das freihändige Steuern seiner Fahrzeuge die sogenannte REM-Technologie (Road Experience Management) von Mobileye in künftigen Versionen von Ford BlueCruise, einem hands-free driver assist, einsetzen. Die Technologie soll es Fahrern erlauben, das Fahrzeug freihändig zu steuern, während sie von einer Kamera erfasst werden, die erkennen kann, ob sich der Fahrer hinreichend auf die Straße konzentriert. Gleichzeitig arbeite man mit dem Ford an einer gemeinsamen offenen Plattform des Autoherstellers, die es ihm ermöglichen soll, eigene Lösungen für das Fahren der Zukunft zu entwickeln und zu integrieren.

Mit Zeekr, der E-Mobilitätsmarke der Geely Holding, will Mobileye seine Partnerschaft ebenfalls weiter ausbauen. Im Rahmen des CES kündigt das Unternehmen den Bau eines vollelektrischen Fahrzeugs auf Level 4-Basis mit der sogenannten Drive-Technologie an. Zu den Bestandteilen zählen etwa die True Redundancy-Sensorik, die REM-Kartierungs-Technologie sowie die RSS-basierte Fahrstrategie (Responsibility-Sensitive Safety), wie auch die redundante Brems-, Lenk- und Stromversorgungs-Systeme der Geely SEA-Architektur. Mobileye zufolge handelt es sich um das erste L4-Privatfahrzeug. Dieses soll ab 2024 zunächst in China verfügbar sein.

Sony zeigt zweiten Auto-Prototypen und gründet Mobilitäts-Firma

Sony macht Ernst mit dem Einstieg ins Autogeschäft: Der japanische Elektronik-Riese hat auf der CES einen zweiten Elektroauto-Prototypen vorgestellt und gründet im Frühjahr eine Mobilitäts-Tochterfirma namens Sony Mobility. Eine kommerzielle Markteinführung des eigenen Autos werde unter anderem durch die Experten des neuen Tochterunternehmens geprüft, sagte Konzernchef Kenichiro Yoshida. Zudem soll sich Sony Mobility künftig auch in den Bereichen KI und Robotik engagieren.

Sony hatte den ersten Prototypen eines eigenen Fahrzeugs mit dem Namen Vision-S bereits Anfang 2020 vorgestellt. Damals ließ der japanische Elektronikkonzern noch ausdrücklich offen, ob das Fahrzeug jemals in Serie gefertigt werden soll. Der damalige Prototyp trägt jetzt die Bezeichnung Vision-S01. Das neue Modell Vision-S02 ist ein etwas höherer Kompakt-SUV.

Sony Vision S
Sony stellt nach der Elektro-Studie Vision-S01 nun den Nachfolger Vision-S02 vor. (Bild: Sony)

Continental zeigt Digital-Lösungen für Sicherheit und Komfort

Continental wirft einen Blick in die Zukunft und präsentiert Lösungen für einige der heutigen Mobilitätsherausforderungen. „Die Zukunft der Mobilität bedeutet sicherere, vernetzte und umfassendere Transportsysteme. Auf der CES zeigen wir Möglichkeiten, um unser Ziel vom unfallfreien Fahren zu erreichen und den Komfort in der Mobilität für alle zu optimieren“, sagte Gilles Mabire, Chief Technology Officer bei Continental.

Mit der elektrischen ID.-Baureihe von Volkswagen hat Continental als nach eigenen Angaben erster Zulieferer einen Body High-Performance Computer (HPC) auf den Markt gebracht. Neben Plattformen für domänenspezifische HPCs für Fahrzeugcockpit, Datenmanagement und Fahrzeugvernetzung, Fahrsicherheit und -dynamik oder automatisiertes Fahren bietet der Hannoveraner Zulieferer nun auch modulare Plattformlösungen für domänenübergreifende HPCs an. Ein erster domänenübergreifender HPC von Continental, in dem Funktionen aus den Bereichen Karosserie- und Fahrzeugsteuerung stecken, wird in künftige Elektrofahrzeuge eines großen chinesischen Fahrzeugherstellers integriert.

Außerdem zeigt Continental, wie Software und eine leistungsfähige IT-Infrastruktur auf Basis des eigenen Automotive Edge Frameworks neue Funktionen ermöglichen. Die modulare Hard- und Softwareplattform verbindet dabei das Fahrzeug mit der Cloud und bietet verschiedene Möglichkeiten zur Entwicklung, Bereitstellung und Wartung softwareintensiver Systemfunktionen.

Continental ShyTech-Display
Continentals ShyTech-Display lässt sich in verschiedene Oberflächen im Interieur integrieren. (Bild: Continental)

Auf der CES stellt der Zulieferer erstmals auch sein schaltbares Privacy-Display vor, das dem Beifahrer Unterhaltung bietet und zugleich die Ablenkung des Fahrers verringern kann. Mit dieser Technologie können Fahrgäste Multimedia-Inhalte wie Videos oder das Infotainment-System genießen. Im Privatmodus sorgt eine stark gerichtete Hintergrundbeleuchtung dafür, dass der Inhalt nur aus dem Blickwinkel des Beifahrers vollständig sichtbar ist. Wenn die Verkehrssituation es zulässt, kann das Display in den öffentlichen Modus umgeschaltet werden, so dass Fahrer und Beifahrer die ausgewählten Inhalte erleben können.

Gemeinsam mit dem Partner AEye präsentiert der Zulieferer zudem den Fernbereichs-LiDAR HRL 131. Der HRL 131 ist ein auf einem mikroelektromechanischen System (MEMS) basierender adaptiver LiDAR für assistiertes und automatisiertes Fahren (Level 3 und 4) und ermöglicht verschiedene Funktionen in Pkw und Nutzfahrzeugen – von Hochgeschwindigkeitsszenarien auf Autobahnen bis hin zu dicht befahrenen Straßen im urbanen Raum. Das System soll 2024 in Produktion gehen und wird nach Unternehmensangaben der weltweit erste hochauflösende Festkörper-LiDAR sein, der für den Automobilmarkt in Serie produziert wird. Er folgt auf den Nahbereichs-LiDAR von Continental, der sich bereits in Serienfertigung befindet.

ZF arbeitet mit Vinfast zusammen

Auch ZF zeigt im Rahmen der CES seine Aktivitäten im Bereich der zukünftigen Mobilität. „ZF hat die einmalige Chance, die Mobilität der nächsten Generation zu gestalten – und zwar jetzt“, sagt der ZF-Vorstandsvorsitzende Wolf-Henning Scheider. „Wir müssen die großen Probleme unserer Welt unverzüglich angehen, denn sie sind entscheidend für unser Überleben und eine Lebensqualität, die alle Menschen verdient haben.“

Dafür kooperiert der Zulieferer unter anderem mit dem vietnamesischen Autobauer Vinfast. Durch die Zusammenarbeit sollen in den nächsten Jahren automatisierter Fahr- und Einparkfunktionen der Stufe 2+ eingeführt und die Zusammenarbeit für Stufe 3 und höher in Zukunft verstärkt werden. ZF wird dabei zu einen wichtigen Systempartner, der mehrere Kamera-, Radar- und LiDAR-Sensoren sowie die intelligente Fusion der Sensoren liefert, die in einer zentralen Steuereinheit der Friedrichshafener vernetzt werden.

ZF hat die Systeme für VinFast mit seinen internationalen Entwicklungsteams in China, Deutschland und Nordamerika realisiert. Vinfast wird die Lösungen für automatisiertes Fahren und die entsprechenden Assistenzfunktionen der Stufe 2+ stufenweise ab Mitte 2022 auf den Markt bringen.

Valeo setzt auf hohe Präzision für die künftige Mobilität

Das Portfolio von Valeo reicht von Systemen für kleine Stadtautos bis hin zu Lösungen für die Premiumklasse. So präsentiert der Zulieferer auf der CES auch den neuen Mercedes EQS, für den der OEM auf das sogenannte eAutomotive-System von Valeo-Siemens setzt. Zwei elektrische Achsen, ein Wechselrichter und ein Untersetzungsgetriebe sind Teil des elektrischen Antriebsstrangs. Für Zweiräder stellt das Unternehmen eine 48 Volt-Lösung als kostengünstige Lösung zur Elektrifizierung vor.

Im Bereich der Assistenzsysteme feiert ein Lidar-Scanner der dritten Generation in Las Vegas Premiere. Das System soll für das menschliche Auge schwer deutbare Objekte in bis zu 200 Meter Entfernung präzise erkennen können. Als Datum für den Markteintritt nennt Valeo das Jahr 2024. Eine weitere Lidar-basierte Neuheit ist der Near Field-Lidar (NFL), der im Zuge der Automatisierung des Fahrens für die 360-Grad-Visualisierung zuständig ist und den toten Winkel eliminieren helfen soll. Die Valeo-Experten sprechen mit Blick auf das System von einer „Sicherheitsblase“, die um das Fahrzeug herum entsteht.

Valeo Lidar
Die neue Generation des Lidar-Scanners von Valeo soll hohe Präzision beim Erkennen von Objekten in bis zu 200 Meter Entfernung bieten. (Bild: Valeo)

Eine 360-Grad-Ansicht des fahrenden Autos quasi aus der Perspektive einer Drohne soll VoyageXR Panorama erzeugen. Auf dem Bildschirm erstellt das System eine 360 Grad-3D-Ansicht. Für das Interieur kombiniert das sogenannte Valeo Safe Insight mehrere Technologien, um Passagiere zu identifizieren und gegebenenfalls zu alarmieren. Im Rahmen der Nutzung von Fahrzeugen in Pandemiezeiten verweist Valeo auf die eigene Expertise bei der Reinigung der Innenraumluft. Ein UV-Reiniger soll Covid-19 innerhalb zwei Minuten nachweisen können und so genau wie ein PCR-Test sein.

John Deere zeigt autonomen Traktor

Das autonome Fahren auf privaten Geländen gestaltet sich regulatorisch deutlich einfacher als auf öffentlichen Straßen. Der weltgrößte Landtechnikhersteller Deere & Company hat im Rahmen der CES angekündigt, noch in diesem Jahr einen vollautonomen Traktor auf den Markt bringen zu wollen. "Das ist keine Vision oder eine Demo, sondern ein fertiges Produkt", sagte Technologie-Chef Jahmy Hindman. Im Sommer hatte der US-Konzern das Roboter-Start-up Bear Flag Robotics übernommen, das auf die Automation von landwirtschaftlichen Arbeiten spezialisiert war.

Der Traktor verfügt über sechs Stereokamerapaare, die eine Rundumsicht zu Erkennung von Hindernissen ermöglichen. Die Informationen aus den aufgenommenen Bildern werden durch ein System geschleust, das vom biologischen neuronalen Netz inspiriert ist, das auch das menschliche Gehirn verwendet. "Jedes Pixel wird in etwa 100 Millisekunden klassifiziert. Das System entscheidet dann, ob die Maschine weiterfährt oder anhält, je nachdem, ob ein Hindernis erkannt wird", sagte Hindman. Die künstliche Intelligenz sei mit mehr als 50 Millionen Bildern trainiert worden.

Der Traktor überprüft außerdem ständig seine Position in Bezug auf ein vorab festgelegtes Einsatzgebiet. Das Geofencing soll sicherstellen, dass das Fahrzeug dort arbeitet, wo es soll, und zwar mit einer Genauigkeit von 2,5 Zentimetern. Um den Traktor zu nutzen, müssen ihn die Landwirte nach Firmenangaben lediglich aufs Feld bringen und konfigurieren. Dann können sie sich anderen Aufgaben widmen. Die Maschine könne auch aus der Ferne per Smartphone, Tablet oder Personal Computer aus überwacht werden.

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dpa