Fiat Chrysler betreibt modernsten Fahrsimulator in Nordamerika

Der neue Simulator kann um Subsysteme wie Bremse und Lenkung, ABS (Antiblockiersystem) und ESC (elektronische Stabilitätskontrolle) erweitert werden, um einen Hardware-in-the-Loop-Prüfstand zu schaffen. Bild: Fiat Chrysler Automobiles

| von Christian Klein

Der neue Vehicle Dynamics Simulator (VDS) wird von Fiat Chrysler Automobiles (FCA) in deren Automotive Research and Development Centre, ARDC in Windsor / Ontario betrieben. Er repräsentiert laut FCA eine Spitzentechnologie, die die Fahrdynamik eines Fahrzeugs auf virtuellen Teststrecken in Echtzeit darstellt. Die Anlage bildet das Fahren und das Handling eines Fahrzeugs auf einer Vielzahl von simulierten Fahrbahnoberflächen und Landschaften ab.

Die meisten Fahrsimulatoren arbeiten mit sechs „Freiheitsgraden“. Um die Fahr-, Handlings- und Beschleunigungseigenschaften eines Fahrzeugs exakt zu reproduzieren, verwendet das VDS-System jedoch neun Freiheitsgrade. „Die zusätzlichen Bewegungsbereiche kommen dem Fahren in einem realen Fahrzeug so nah wie nie zuvor“, heißt es. Als besonderes Merkmal des neuen VDS gilt ein extrem dünnes Luftpolster.

Durch diese besondere Konstruktion schwebt die gesamte Bewegungsplattform wie ein Luftkissenfahrzeug über dem Boden und ermöglicht eine ruhige, reibungslose Bewegung durch die leistungsstarken Elektromotoren.

 

Der neue Simulator kann um Subsysteme wie Bremse und Lenkung, ABS (Antiblockiersystem) und ESC (elektronische Stabilitätskontrolle) erweitert werden, um einen Hardware-in-the-Loop-Prüfstand zu schaffen. Die realitätsnahe Gestaltung der Simulation ermöglicht eine valide Beurteilung der Funktionen, verkürzt die Entwicklungszeit und damit die Kosten.

„Die Möglichkeit, ein Fahrerlebnis mit HiL (Hardware-in-the-Loop) zu simulieren, ist der Schlüssel für die Engineering-Leistungen unserer Kunden. Außerdem hilft uns das System dabei, notwendige Veränderungen der Konstruktion viel früher im Entwicklungsprozess zu erkennen“, sagt Guido Bairati, VP Sales und Marketing, VI-grade.

„Durch unsere Simulatoren schaffen wir eine virtuelle Testumgebung für eine Vielzahl von Prüfkriterien. So lassen sich beispielsweise das Fahrverhalten und das Handling eines Fahrzeugs beurteilen, Tests und Validierung der Sensortechnologie für Advanced Driver Assistance Systems (ADAS)-Anwendungen durchführen, verschiedene Human Machine Interface (HMI)-Konfigurationen bewerten und auf Fahrerablenkungen und entsprechende Manöver testen.“

Der Simulator kann jede Fahrzeugkarosserie, Straße und Umgebung nachbilden. Die entsprechende Umgebung wird gescannt und die erstellten Daten bilden die Teststrecke auf den fünf Bildschirmen ab. Ein vorhandenes Beispiel ist das Gelände von FCA in Chelsea, Michigan. Alle Daten werden schließlich zu einer virtuellen Echtzeit-Umgebung zusammengefügt, die alle Höhenänderungen, Nebenstraßen und Schlaglöcher beinhaltet.

Der VDS wird zunächst zur Entwicklung der Fahrdynamik eingesetzt. Künftig soll er jedoch auch bei der Entwicklung von ADAS- und HMI-Systemen eine Rolle spielen.