Der Porsche 911 Carrera 4S ist seit der Generation 996 der Geheimtipp. - Bild: Porsche

Der Porsche 911 Carrera 4S ist seit der Generation 996 der Geheimtipp. - Bild: Porsche

Auf diese Zahl wartete die Sportwagenwelt: in 4,1 Sekunden sprintet der neue Porsche 911 Carrera aus dem Stand auf 100 Stundenkilometer. Wie schon seine Vorgänger, wollte man den neuen 991 nicht neu erfinden, sondern ein bewährtes Konzept verbessern. „Der Porsche 991 ist ein wirklich neuer 911er“, betont Entwicklungsleiter Bernd Kanau, „der 997 basierte zu großen Teilen auf seinem Vorgänger 996. Das ist beim 991 völlig anders.“ Der Sportwagen sollte gleichermaßen komfortabler und bissiger werden. Mit knapp 4,50 Metern Länge hat der 991 um sechs Zentimeter zugelegt. Da die Überhänge des Autos vorn und hinten aber verkürzt wurden und es dazu etwas niedriger ist, wirkt der neue 911er optisch genauso knackig und kompakt wie bisher. Die breitere Spur, die kräftig ausgestellten Radhäuser, die 20-Zoll-Räder und ein leichter Feinschliff an den Linien des Sportwagens runden die dezenten Änderungen am 911er-Rezept ab. Die Heckleuchten sind schmaler geworden. Die Außenspiegel sind jetzt an der Türbrüstung angebracht und nicht mehr im Dreieck an der A-Säule.

Auch auf dem Firmengelände sind die Prototypen der neuen Elfer-Baureihe im Tarnanzug unterwegs. - Bild: Porsche

Wie schon seine Vorgänger rollt der neue Porsche 911 in einer Reihe von Modellvarianten zu den Kunden. Den Auftakt bilden die Grundmodelle Carrera und Carrera S – beide mit bewährtem Sechszylinder-Boxer im Heck. Beim Carrera hat er 3,4 Liter Hubraum und 350 PS (bisher: 3,6 Liter Hubraum und 345 PS), beim Carrera S ist es ein 3,8-Liter-Boxer mit 400 PS (bisher: 385 PS). Den Sprint von 0 auf 100 km/h absolviert der Carrera S mit Doppelkupplungsgetriebe (PDK) in 4,3 Sekunden. Mit dem optionalen Sport-Chrono-Paket an Bord vergehen bei gedrückter Sport-Plus-Taste nur 4,1 Sekunden. Der normale Carrera benötigt als Coupé-Version 4,6 Sekunden. Im Frühjahr folgen die offenen Cabrio-Versionen, die nahezu identische Fahrleistungen bieten. Doch das ist erst der Anfang.
Wie immer bei Porsche kann man davon ausgehen, dass die Zuffenhausener hoch einiges in der Pipeline haben. Allerdings sind die Schwaben in diesem Punkt sehr schweigsam. Auch das hat Tradition.

Auch wenn der 911er all seinen klassischen Werten treu bleibt, soll er beim Thema Effizienz einen großen Sprung nach vorne machen. Er ist das weltweit erste Serienauto mit einem Siebengang-Schaltgetriebe, was nicht zuletzt dem Verbrauch zu Gute kommt. Alle Versionen des Wagens kommen laut Porsche mit deutlich weniger als zehn Litern Kraftstoff auf 100 Kilometern aus. Im Vergleich zum Vorgänger sinken Verbrauch und Emissionen um bis zu 16 Prozent. Dazu tragen auch eine Start-Stopp-Automatik und die Bordnetzrekuperation bei. Der 350 PS starke Carrera begnügt sich im Normverbrauch nach NEFZ-Zyklus mit 8,2 Litern pro 100 Kilometern, wenn das Doppelkupplungsgetriebe an Bord ist. Damit unterschreitet der Basis-911er beim CO2-Ausstoß auch die Grenze von 200 g/km. Der Vorgänger schluckte im Schnitt noch 10,3 Liter Super Plus. Beim Carrera S lautet der offizielle Durchschnittsverbrauch 8,7 Liter pro 100 Kilometer (Vorgänger: 10,6 Liter).

530 PS, Allradantrieb, Doppelkupplungs-Getriebe und Fahrleistungen wie ein Rennwagen: Der Porsche 911 Turbo S thront über der Elfer-Reihe wie ein Übervater, der die besten Gene nur Stück für Stück an seine Nachfahren weitergibt. Als der 911 Turbo in der Baureihe 996 Anfang des dritten Jahrtausends seine dicken hinteren Backen und seinen Allradantrieb nach unten weitergab, war über Nacht eine zweite Ikone geboren. Seither avancierte der 911 Carrera 4S zum Liebling derer, die ihren Porsche im harten Alltagsbetrieb bewegen – in Frühling, Sommer, Herbst und Winter. Mit Allradantrieb und leicht veränderter Optik hebt er sich von den anderen Elfern gekonnt ab. Mit dem Doppelkupplungsgetriebe ist er die Idealbesetzung für die, die auf einen Turbolader verzichten wollen, können oder müssen. Während der Porsche 996 Carrera 4S in erster Linie durch seine grandiose Optik begeisterte, perfektionierten die Modellvarianten 911 4S und 911 GTS 4 der Baureihe 997 die vergleichsweise junge Tradition. Auch der neue Porsche 911 wird wieder als Carrera S mit Allradantrieb auf den Markt kommen.

Der geschlossene Porsche Carrera ist das Kernmodell der Stuttgarter Marke. Matthias Müller konnte den neuen Elfer erstmals auf der Internationalen Automobilausstellung in Frankfurt der Öffentlichkeit präsentieren

Beim 996er war der Unterschied zwischen normalem Carrera/Carrera 4 und dem Carrera 4S besonders groß. Neben dem breit ausgestellten Turboheck zierte die Rückansicht des Porsche 911 Carrera 4Seine eigens entwickelte rote Reflektorspange zwischen den Leuchten. Die machte die ohnehin sehenswerte Rückseite des Zuffenhausener Sportwagens noch schmucker und dynamischer als ohnehin. Und nicht nur von hinten war ein 911 Carrera 4S auf den ersten Blick für jedermann zu erkennen. Auch die Front des Vierers bekam die gewaltigen Kühlöffnungen der damals 420 PS starken Turboversion. Die vergleichsweise filigranen Einlässe eines normalen Carrera konnten den Angst einflößenden dunklen 4S-Höhlen seinerzeit nichts entgegensetzen. Wer einmal auf der Autobahn bei 220 km/h die Unterschiede im Rückspiegel hat auftauchen sehen, wird es wohl kaum vergessen.

Musste der erste echte Porsche 911 Carrera 4S der 996er-Baureihe noch mit 320 PS auskommen, so wurde im Laufe der Jahre deutlich nachgelegt. In der letzten 997er-Ausbaustufe wurde der Porsche 997 Carrera 4S von einem 3,8 Liter großen Boxermotor mit 385 PS befeuert; der GTS 4 bekam gar 408 PS. Die Symbiose aus Carrera-S-Power, Allradantrieb und dem schnell schaltenden Doppelkupplungsgetriebe PDK ist für immer mehr Kunden eine Idealbesetzung. Die optischen Unterscheidungsmerkmale zwischen Carrera und Carrera 4S fielen mit dem 997 zwar nicht mehr ganz so ins Auge wie beim 996er, doch zumindest kam mit der Modellpflege des aktuellen 997 im Jahr 2008 die rote Spange auf dem Motordeckel zurück .

Geht es auf der Rennstrecke um Lenkpräzision, Bremsverhalten und Fahrdynamik, hat der Hecktriebler nach wie vor spürbare Vorteile. Doch im Alltagbetrieb bringt der Carrera 4 mit 4×4-Antrieb kombiniert mit dem Porsche-Traction-Management sehr deutliche Vorteile. Viele fahren ihren Elfer schließlich als Ganzjahresauto und hier zeigen die Allradmodelle ihren Heckantriebsbrüdern oft die LED-Rückleuchten. Nicht nur im Winter ist es gut zu wissen, dass man Motorleistungen von 350 PS nicht nur auf zwei Antriebsräder jonglieren muss. Selbst bei Regen oder schlechten Straßenverhältnissen lernt man den 4×4-Vortrieb als Plus für Vortrieb und Sicherheit schnell zu schätzen.

Die lange Jahre verbaute Lamellen-Visco-Kupplung ist Geschichte. Die Kraft wird mittlerweile über eine elektronische Momentenverteilung geregelt, die in 100 Millisekunden entscheidet, wo die üppig anliegende Motorleistung am sinnvollsten eingesetzt werden sollte. Sebastian Viehmann/Stefan Grundhoff