Special Innenraum BMW Display Sport

Je nach gewähltem Fahrmodus verändert das Display Aussehen und Informationsgehalt. Bei "Sport" und "Sport Plus" reduzieren sich die Anzeigen auf Geschwindigkeit und Drehzahl. - Bild: BMW Group

Wer bei der Modellüberarbeitung des Siebener BMW nach optischen Änderungen sucht, muss schon ganz genau hinschauen: Die Front kommt etwas frischer, eine Chromumrandung ziert die Niere, die nun neun statt zwölf Streben hat und wer mag, kann seinen Status auch mit Voll-LED-Scheinwerfern manifestieren.

Unter der Haube schaut die Sache schon anders aus: “Die Überarbeitung der aktuellen Siebener-Baureihe ist eine der technisch umfassendsten, die wir jemals vorgenommen haben”, erklärt Dr. Robert Kahlenberg, Projektleiter für die Modellüberarbeitung des F01. Ein sichtbares Zeichen ist das neue multifunktionale Display des Cockpits. Das passt sich mithilfe des TFT-Displays der gewählten Fahr-Einstellung an (Eco Pro, Comfort, Sport und Sport Plus).

Wählt man also eine der beiden sportlichen Einstellungen, werden die Instrumente rot hinterlegt, die Skalierung des Tachos verschwindet und der Drehzahlmesser wird deutlich stärker betont. Ganz anders bei der Eco-Pro-Einstellung: Die vorherrschende Farbe ist blau und statt Umdrehungen pro Minute wird der Fahrer über die Energiebilanz informiert.

Die wechselfähige Instrumententafel ist optional erhältlich. Eine aktuelle Produktion muss der Kompatibilität der gewählten Ausstattungsvariante Rechnung tragen. So auch beim neuen Siebener: Die Schnittstellen und die Anbindungen zum Kabelbaum sind bei der Standard-Variante und beim Multifunktionalen Display identisch.

Leistungsstarke Head Unit

Das Gehirn hinter dieser individuellen Inszenierung ist die komplett neue Head Unit. Die Hauptplatine nutzt jetzt die vorhandene Sensorik stärker. Das Navigationssystem agiert vorausschauend: Anhand von Tempolimits, Ortseinfahrten, engen Kurven, Steigungen, Gefällen, Abbiegungen und der vermuteten Bremseingriffe berechnet das System den optimalen Zeitpunkt, ab wann der Fahrer vom Gas gehen und das Fahrzeug effizient rollen lassen kann. Auch die schnellere Bediengeschwindigkeit ist ein Resultat der gesteigerten Rechenpower der neuen Prozessoren. Statt eines Renesas SH4-A 600 MHz tut jetzt der Intel Tunnelcreek 1.3 GHz Dienst und der Arbeitsspeicher wurde auf ein Gigabyte RAM verdoppelt.

Als Betriebssystem kommt, wie bei den höherwertigen Modulen von VWs modularem Infotainment-Baukasten, QNX zum Einsatz. Die Vorteile des Unix-ähnlichen Echtzeitbetriebssystems liegen auf der Hand: Es kann Multi-Kernel-Prozessoren verwalten, ist skalierbar und dabei effizient. Da einzelne Prozesse nicht komplett ausgeführt, sondern in kleinere Aufgaben unterteilt werden, konnten die BMW-Ingenieure die Software genau auf ihre Bedürfnisse anpassen. Die Fortschritte sind erkennbar: Die graphische Darstellung kommt deutlich frischer und moderner daher. Angefangen von der 3-D-Anmutung bis hin zur Menüführung, die kontextorientierter ist.

Der Funktionsumfang hat ebenfalls zugenommen. BMW nimmt für sich zwei Alleinstellungsmerkmale in Anspruch: Zum einen können via Freisprechanlage E-Mails bis zu zwei Minuten Länge per Spracheingabe aufgenommen und dann verschickt werden. Die Sprachnotiz wird im Auto hinterlegt (Festplatte 200 GB) und an einen externen Server gesendet (Provider: Nuance). Dort wird sie decodiert und zurück an das Fahrzeug gesendet, bevor sie verschickt werden kann. Diese Backend-Sprachverarbeitung benützt übrigens die gleiche Technologie wie Apples “Sprachwunder” Siri.

Zwei Telefone gleichzeitig

Zum anderen können jetzt zwei Bluetooth-fähige Mobiltelefone parallel gekoppelt werden. Dazu musste der Bluetooth-Stack mehrgerätefähig gemacht werden. Zum Beispiel mussten ausgehende Nachrichten eindeutig dem jeweiligen Gerät zugeordnet werden, ebenso wie ein- und ausgehende Gespräche. Als Protokoll kommt das HFP 1.5 zum Einsatz. Mittelfristig plant BMW, beim F01 auf das HFP 1.6 Protokoll aufzurüsten. Dazu wird ein neuer Chip implementiert, der bereits auf wenigen Endgeräten seinen Dienst verrichtet. Die Adaption für die automotive Architektur wird gerade erprobt.

Der Produktionsstart des neuen Steuergerätes findet zeitgleich an drei Standorten auf drei Kontinenten statt. Das muss ebenso konzertiert ablaufen wie die internationale Projektarbeit, bei der über 13 Zeitzonen kommuniziert wurde.

Wolfgang Gomoll