Daimler macht keinen Hehl daraus, dass es die USA zu seinem Lieblingsspielplatz für neue Technologien gemacht hat. "Hier lassen sich die Geschwindigkeiten und Verkehrsflüsse besser einschätzen als in Europa", erläutert Martin Daum, CEO von Daimler Trucks and Buses, "wir finden hier einfach gute Rahmenbedingungen." Vor vier Jahren stellte Daimler mit einem gewaltigem Showevent am Hoover Dam, unweit von Las Vegas, den Freightliner Inspiration Truck als Schwerlastwagen der Zukunft vor. Viele seiner Technologien gehen mit dem auf der CES 2019 erstmals gezeigten Freightliner Cascadia nunmehr in Serie. Der Lastwagen der Zukunft wurde Realität und ist teilautomatisiert immerhin in der Stufe zwei unterwegs; heißt, er kann unter anderem Spur halten und vollautonom Notbremsungen einleiten.

Gleichzeitig erteilt Daimler mit seinen verschiedenen internationalen Nutzfahrzeugfirmen dem lange Jahre gehypten Thema des Platoonings (Verkettung von mehreren Lastwagenzügen) eine Absage und will die Fahrerassistenzstufe drei bei seinen Entwicklungen komplett überspringen. "Wir haben das Platooning in den letzten Jahren mit tausenden von Kilometern getestet", erläutert Martin Daum, "doch die Ersparnis bei den Kraftstoffkosten durch die Verkettung und das Hinterherfahren mehrerer Gespanne mit einem Abstand von weniger als 40 Fuß funktioniert nur unter idealen Bedingungen, die es in der Realität kaum gibt. Zudem muss sich Automation bei der Fahrerassistenz auch mit den Anforderungen unserer Kunden und einem Geschäftsmodell hinterlegen lassen. Daher lassen wir die Stufe drei aus und gehen in der kommenden Dekade gleich auf die hochautomatisierte Stufe vier."

Tests und spätere Serienumsetzungen sollen dabei in erster Linie in Nordamerika erfolgen, wo es größere Strecken zurückzulegen gibt und die Rahmenbedingungen besser als in Europa oder in Asien sind. Daimler investiert dafür 500 Millionen Euro. Mit einer hohen Automatisierung wie der Stufe vier ist der Lastwagen auf langen Highwaystrecken ohne Zutun des Fahrers unterwegs, der dann komplett am Steuer abschalten kann. Die US-Trucks können dann rund um die Uhr fahren und unabhängig von Lenkzeiten besonders nachts größere Strecken bei weniger Verkehr zurücklegen. Daimlers Truck-CEO Martin Daum: "Die Technologie selbst ist jedoch hoch komplex. Daher dauert es seine Zeit und die Technik wird nur etappenweisen Einzug halten." Bis zum Jahre 2040 soll sich der internationale Güterverkehr auf der Straße mehr als verdoppeln. Da gilt es, Unfallgefahren zu reduzieren und Effizienzen zu steigern.

Autonomes Fahren der Stufe vier

Mit dem Active Drive Assist in den Modellen Mercedes Actros / FUSO Super Great bzw. Detroit Assurance 5.0 mit aktivem Spurhalte-Assistenten (neuer Freightliner Cascadia) bringt Daimler Trucks nun erstmalsteilautomatisierte Fahrfunktionen in seine Serienlaster. Das neue System kann selbständig bremsen, beschleunigen und lenken. Im Gegensatz zu anderen Systemen, die erst ab einer bestimmten Geschwindigkeit eingreifen, ermöglichen Active Drive Assist / Detroit Assurance 5.0 teilautomatisiertes Fahren in allen Geschwindigkeitsbereichen in einem Serien-Lkw. Neu sind dabei die aktive Querführung und die Verbindung von Längs- oder Quersteuerung durch eine Verknüpfung von Radar- und Kamerainformationen in allen Geschwindigkeitsbereichen. Hierfür übernimmt Daimler Trucks auch Entwicklungen aus dem Geschäftsfeld der Mercedes-PKW, die auch für die Anforderungen von Transportunternehmen geeignet sind. Die schon jetzt verfügbaren Level 2-Systeme werden durch Innovation und die Neujustierung vorhandener Systeme auf Level 4 gehoben.

Trotz aller Gemeinsamkeiten unterscheiden sich die Anforderungen an das hochautomatisierte Fahren bei Pkw und Lkw erheblich. Die schiere Größe eines Lastwagen stellt höhere Anforderungen an die Technik als bei Pkw, nicht zuletzt beim Fahrverhalten in Kurven oder beim Abbremsen. Auch bewegliche Systeme wie an Sattelzügen stellen höhere Anforderungen und d die Einsatzbedingungen in der Transportbranche sind deutlich härter. Die Fahrzeuge müssen so lange wie möglich einsetzbar sein, um effiziente Abläufe zu ermöglichen, Kosten zu reduzieren und die Kundenwünsche nach termingerechter Lieferung zu erfüllen.