"Wir haben stets beide Säulen unserer Arbeit im Blickfeld: Umwelt und Sicherheit", sagte Matthias Wissmann, Präsident des VDA.

Zu diesen Themen nahmen anlässlich des 13. Technischen Kongress in Ludwigsburg namhafte Experten aus Industrie, Politik und Wissenschaft Stellung.

“Die deutsche Automobilindustrie liegt weltweit an der Innovationsspitze, wenn es um die Senkung von Verbrauch und Emissionen bei Pkw und Nutzfahrzeugen geht. Wir setzen alles daran, um unseren technologischen Vorsprung noch weiter auszubauen”, sagte Matthias Wissmann, Präsident des Verbandes der Automobilindustrie (VDA), zum Auftakt des 13. Technischen Kongresses in Ludwigsburg. Allein in den letzten fünf Jahren haben die deutschen Hersteller und Zulieferer den durchschnittlichen Kraftstoffverbrauch ihrer neu zugelassenen Pkw um 15 Prozent reduziert.

“Und der Verbrennungsmotor ist noch längst nicht am Ende seiner Erfolgsgeschichte angekommen: In diesem Jahrzehnt können wir durch Optimierung der klassischen Antriebe bis zu 25 Prozent weniger Kraftstoffverbrauch erzielen ? und entsprechend CO2-Emissionen einsparen”, unterstrich Wissmann.

“Als einzigem westeuropäischen Land ist es Deutschland gelungen, die CO2-Emissionen im Straßenverkehr unter den Wert von 1990 zu senken ? und das, obwohl die Verkehrsleistung des gesamten deutschen Straßenverkehrs in den letzten 20 Jahren um rund 35 Prozent gestiegen ist”, betonte der VDA-Präsident. Die Emissionen klassischer Schadstoffe ? Stickoxide, Kohlenwasserstoffe oder Feinstaub ? konnten im gesamten Straßenverkehr seit 1990 um bis zu 94 Prozent reduziert werden, bei Pkw lag die Minderungsrate sogar bei durchschnittlich 97 Prozent.

Auf dem 13. Technischen Kongress des VDA stehen zwei große Themenblöcke auf dem Programm: “Umwelt, Energie und Elektromobilität” einerseits, sowie “Fahrzeugsicherheit und Elektronik” andererseits. “Wir haben stets beide Säulen unserer Arbeit im Blickfeld: Umwelt und Sicherheit”, sagte Wissmann.

So werden am ersten Kongresstag die “Potenziale der Verbrennungsmotoren” (Clean Diesel und Ottomotor) ausgelotet, während in der Parallel-Session “Sichere Elektromobilität” Fragen des Elektroantriebs umfassend behandelt werden. Gerade aufgrund seiner stets aktuellen und umfassenden Themenwahl zähle der Technische Kongress “europaweit zu den wichtigsten Technologietreffen der Automobilindustrie”, so der VDA-Präsident.

Um die Verkehrssicherheit weiter zu steigern, müsse das Zusammenspiel zwischen Mensch, Straßeninfrastruktur und Fahrzeugtechnik weiter optimiert werden. Dazu habe die EU-Kommission strategische Ziele definiert, die von einer Verbesserung der Verkehrserziehung über sicherere Infrastrukturen bis hin zur Entwicklung intelligenter Fahrzeuge reichten. Wissmann betonte: “Moderne Fahrerassistenzsysteme und intelligente Transportsysteme bilden einen Schwerpunkt zukünftiger Sicherheitsanwendungen.

Der Informationsaustausch zwischen intelligenten Systemen von Fahrzeug zu Fahrzeug oder mit der Verkehrsinfrastruktur könnte in Zukunft Leben retten.” So könnten sich z. B. Autos gegenseitig darüber informieren, wo Staus sind, ob hinter einer Kurve plötzlich ein Hindernis steht oder ob überraschend Eisregen droht. Die nachfolgenden Autofahrer könnten sich damit im Vorfeld auf die Gefahren einstellen. Ein zukünftiger “Kreuzungsassistent”, der “um die Ecke sieht”, könnte Abbiegeunfälle vermeiden und zu einer deutlichen Verringerung von Unfällen mit anderen Verkehrsteilnehmern beitragen. Wissmann: “Was heute noch wie Zukunftsmusik klingt, eröffnet morgen eine völlig neue Dimension des vorausschauenden Fahrens.”

Zum Kongress-Schwerpunktthema Elektromobilität sagte Wissmann, die Voraussetzungen zum Erfolg seien aus deutscher Sicht gut: “Die deutsche Industrie ist führend in Schlüsselbranchen wie Automobil, Elektronik, Elektrotechnik, Energieversorgung, Maschinenbau und Chemie.” Die Nationale Plattform Elektromobilität habe konkrete Arbeitspläne vorgelegt und Forschungsvorhaben in Höhe von 4 Milliarden Euro definiert. Dabei gehe es vor allem um Forschungsförderung im vorwettbewerblichen Bereich ? “also nicht nur im Bereich der Automobilindustrie, sondern in allen beteiligten Branchen, wie Chemie und dem Maschinenbau”.

Um das Ziel der Bundesregierung von einer Million Elektrofahrzeugen in 2020 zu erreichen, müssten nach einer Prognose der Nationalen Plattform Elektromobilität im Jahr 2014 rund 100.000 Fahrzeuge im Markt sein, im Jahr 2017 etwa 500.000 Autos, so Wissmann. Bei einem derzeitigen Bestand von rund 11.000 Fahrzeugen mit Elektro- oder Hybridantrieb in Deutschland sei dies eine “ambitionierte Prognose“, zumal die Kosten für ein Elektroauto noch deutlich über denen eines vergleichbaren Pkw mit Verbrennungsmotor lägen. “Nachhaltige Wirtschaftlichkeit kann nur durch geeignete Rahmenbedingungen, die eine gute Basis für den Marktaufbau bilden, erreicht werden. Sie entscheiden darüber, wo Investitionen lohnenswert sind und wo die Märkte für Elektromobilität entstehen werden”, betonte Wissmann.

Der Wettbewerb um die Entwicklung und den Einsatz von Hochenergiezellen für batteriebetriebene Fahrzeuge sei noch offen: “Hier können die deutschen Unternehmen die Chance wahrnehmen, in der Weltspitze zu konkurrieren”, sagte der VDA-Präsident. So bestünden gerade bei den so genannten Post-Lithium-Ionen-Technologien große Potenziale ? hier sei ein Quantensprung in der Energiedichte möglich.

Zur aktuellen Energiediskussion führte Wissmann aus, eine dauerhaft sichere Energieversorgung sei “für unser Land und die deutsche Automobilindustrie von entscheidender Bedeutung und ein wichtiger Standortfaktor“. Nach den tragischen Ereignissen in Japan sei es verständlich, dass die Bundesregierung ihre bisherige Energiepolitik überdenke. “Die Strom- und Gaspreise in Deutschland gehören jedoch schon heute mit zu den höchsten in Europa, nicht zuletzt durch staatliche Abgaben. Eine internationale Wettbewerbsgleichheit existiert in Bezug auf die Energiekosten schon heute nicht”, mahnte der VDA-Präsident.

Wissmann äußerte sich auch zu den Perspektiven der Automobilkonjunktur. Er geht davon aus, dass der Welt-Pkw-Absatz 2011 nochmals um 7 Prozent auf rund 66 Millionen Einheiten zulegen werde. Die deutschen Marken seien in wichtigen Regionen “hervorragend positioniert”. Für den Pkw-Inlandsmarkt ? die Neuzulassungen waren in den ersten beiden Monaten um 16 Prozent gestiegen ? erwartet Wissmann 2011 ein Volumen, “das die 3,1-Millionen-Marke überschreiten wird.” Das gelte jedoch unter der Voraussetzung, dass sich die Weltwirtschaft ohne Störungen entwickelt, so Wissmann weiter. “Wir dürfen aber die Augen nicht vor den Risiken verschließen. Die Krisen in Nordafrika und Japan sind hier nur zwei Beispiele.”

Redner aus Industrie, Politik und Wissenschaft wie u. a. Prof. Henning Kagermann, Präsident acatech und Vorsitzender der Nationalen Plattform Elektromobilität; Dr. Rudolf Krebs, Generalbevollmächtigter der Volkswagen AG; Helmut Matschi, Vorstandsmitglied der Continental AG; Klaus Meder, Mitglied des Bereichsvorstands Automotive Electronics, Robert Bosch GmbH; Dr. Matthias Ruete, Director-General for Mobility and Transport, European Commission oder Dr. Thomas Weber, Mitglied des Vorstands, Daimler AG, nahmen zu den wichtigen Herausforderung der Branche Stellung.

Einen Hintergrundbericht können Sie auch in der kommenden Ausgabe der AUTOMOBIL PRODUKTION lesen, die am 18. April 2011 erscheint.