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Die ersten Fahrzeuge werden die Diesel-Version im Laufe des nächsten Jahres erhalten. Der Benziner folgt 2016. Bild. Jaguar Land Rover

Die in den Jaguar Land Rover Entwicklungszentren Whitley und Gaydon tätigen Ingenieure wählten als Basis für die neuen Vierzylinder-Benzin- und Dieselmotoren extrem steife und zugleich kompakte Motorblöcke aus Aluminium. Um die Entwicklung der zukünftigen Motoren auch im Whitley Engineering Center zu erweitern und zu verbessern hat JLR zusätzlich 40 Millionen Pfund investiert.

Bohrung, Hub und Zylinderabstand bei allen Motoren identisch

Bei den Ingenium-Triebwerken sind die Maße für Bohrung und Hub ebenso identisch wie der Zylinderabstand und das Zylindervolumen von 500 ccm. Die modulare Architektur fördert die Konfigurierbarkeit und Flexibilität, um auch künftige neue Gesetzesvorschriften oder Wettbewerbskriterien schnell erfüllen zu können. Alle Ingenium Motoren kommen in den Genuss moderner Abgasturbolader. Die Verdichter steigern speziell im unteren Drehzahlbereich die Leistungsabgabe und senken parallel Verbrauch und CO2-Emissionen.

Die modulare Architektur erlaubt einen hohen Anteil an Gleichteilen und gemeinsame Kalibrierungen, was eine geringere Komplexität zur Folge hat, wie auch eine vereinfachte Montage und kürzere Reaktionszeiten bezüglich Änderungen bei der weltweiten Nachfrage. Sobald neue Technologien fertig erprobt und erhältlich sind, können sie sofort adaptiert werden und in die Motorenfertigung einfließen. Aber auch für schärfere Abgasgesetze oder weitere Steigerungen der Leistung sind die Triebwerke vorbereitet.

Jaguar land Rover Motorenwerk

Produktionsstart ist Anfang 2015 in Wolverhampton. Bild: JLR

“Weltweit wünschen sich immer mehr Kunden abgasärmere und effizientere Fahrzeuge, jedoch werden nach wie vor dieselben Attribute für robuste Geländewagen oder leistungsstarke Sportwagen erwartet. Unsere Ingenium Motoren erfüllen diesen Performance-Anspruch und heben ihn zugleich auf ein neues Niveau”, ist Wolfgang Ziebart, Direktor Engineering bei Jaguar Land Rover überzeugt. “Indem wir unsere Motoren in Eigenregie entwickeln und fertigen, können wir schneller auf Schwankungen in der Nachfrage, neue Gesetze und die Verfügbarkeit neuer Technologien reagieren”, ergänzt Ziebart.

Interne Reibung beim neuen Diesel um 17 Prozent reduziert

Ganz oben auf der To-Do-Liste der Antriebsstrangexperten von Jaguar Land Rover stand die Verringerung der internen Reibung. Beim ersten in die Großserienfertigung gehenden Ingenium-Motor – dem 2,0-Liter-Diesel mit internem Code AJ 200D – sank die Reibung im Vergleich zum aktuellen Selbstzünder um 17 Prozent.

Sechs Technologien sorgen im Verbund dafür die Reibung zu reduzieren, die Laufkultur zu verbessern und zugleich die Performance zu steigern. Sie umfassen im Einzelnen: Rollenlager für die Nocken- und Ausgleichswellen anstelle maschinell bearbeiteter Auflageflächen; variabel und computergesteuerte Ölpumpen, die in Abhängigkeit von Drehzahl, Motorlast und Temperaturen nur die jeweils optimale Menge an Schmierstoff fördern, variabel arbeitende Wasserpumpen, die je nach Fahr- und Belastungszustand den Durchfluss des Kühlmittels bedarfsgerecht dosieren. Ein zweigeteilter Kühlkreislauf eröffnet zwei Vorteile: Reduzierte CO2-Emissionen dank kürzerer Aufwärmphase nach dem Kaltstart und schnelleres Aufheizen des Innenraums an kalten Tagen; mit Blick auf den modularen Einsatz vereinfachter Nockenwellenantrieb; zur Mittelachse des Motorblocks versetzt angebrachte Kurbelwellen; elektronisch gesteuerte Kühlung der Kolben zur Steigerung der Effizienz im Ölkreislauf. Die dazu benötigten Düsen werden bei nicht erforderlicher Kühlung abgestellt. Das System hilft auch beim schnelleren Erreichen der optimalen Betriebstemperatur des Motors – und somit bei der Reduktion von CO2.

Jaguar C-X17 SUV

Die neuen Motoren könnten auch im kommenden Crossover-Modell von jaguar zum Einsatz kommen, so Experten von IHS. Bild: Jaguar

Alle Ingenium Motoren werden neben den Turboladern neuester Bauart mit Hochdruck-Direkteinspritzung, variabler Ventilsteuerung und Start-Stopp-Technologie ausgerüstet. Vor Auslieferung des ersten Modells wurde das Aggregat den härtesten und unbarmherzigsten Tests unterzogen. Die über 72.000 Stunden auf Prüfständen und 3,2 Millionen Kilometer in der “realen” Straßenwelt malträtierten die Prototypen so hart wie acht Jahre eines normalen Auto- und Motorenlebens. Die Einführung der Ingenium-Reihe führt nun die Erfahrungen der Chassis- und Motor-Ingenieure zusammen und bietet die Chance, die Gewichtsspirale noch weiter zurückzudrehen.

Gewichtsreduktion um durchschnittlich 80 Kilogramm

Trotz zusätzlicher Funktionen und angehobener Leistung seien die neuen Ingenium Triebwerke im Schnitt 80 Kilogramm leichter als vergleichbare Motoren aus heutiger Produktion. “Wir hatten die Gelegenheit, das ganze Ingenium Projekt mit einem weißen Blatt Papier beginnen zu können. Es gab keinerlei Restriktionen, die zu Kompromissen bei der Entwicklung geführt hätten. Denn wir mussten weder auf existierende Werkzeuge zurückgreifen noch vorhandene Motorarchitekturen übernehmen. Und erst recht nicht Bänder eines bestehenden Werkes für die Montage der Ingenium Motoren umrüsten”, betont Ron Lee, Direktor Powertrain Engineering bei Jaguar Land Rover. Das neue Motorenwerk für die Ingenium-Familie bei Wolverhampton ist die erste von Grund auf neu aufgebaute Fertigungsstätte von Jaguar Land Rover. Der mit Investitionen in Höhe von 630 Millionen Euro errichtete Standort sichert beim Erreichen der vollen Kapazität fast 1.400 neue Arbeitsplätze.

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Gabriel Pankow/JLR/IHS