Die Bundesregierung hält bislang an dem Ziel fest, dass es bis 2020 eine Million Elektroautos geben

Die Bundesregierung hält bislang an dem Ziel fest, dass es bis 2020 eine Million Elektroautos geben soll. Für diese Zahl E-Autos wären laut einer Empfehlung der EU-Kommission etwa 100.000 Ladepunkte nötig. Bild: Petair - Fotolia.com

Mit einem Projekt entlang der Autobahn 9 will man Fahrer von Autos mit Elektroantrieb nun auch auf lange Strecken schicken – doch auch dies ist nur ein kleiner Baustein im großen Puzzle Elektromobilität. Experten kritisieren, dass hierzulande der Blick aufs große Ganze fehle.

Es sieht alles so einfach und komfortabel aus in dem Imagefilm für die Schnellladestrecke entlang der A9 von München nach Berlin. Ein Pärchen fährt darin mit dem BMW i3 von der bayerischen Landeshauptstadt nach Nürnberg. Während die beiden an einer Raststätte einen Kaffee trinken, wird das Auto in einer halben Stunde zu etwa 80 Prozent aufgeladen.

Im Rahmen des Schaufenster-Projektes “Bayern-Sachsen Elektromobilität verbindet” haben BMW, Siemens und Eon acht Schnellladesäulen aufgebaut – sie stehen an Rastplätzen oder bei Partnern direkt an der Autobahn in Schweitenkirchen nördlich von München, in Ingolstadt, nahe den fränkischen Städten Lauf, Himmelkron und Selbitz, in Hermsdorf in Thüringen sowie in Schkeuditz (Sachsen) und Dessau (Sachsen-Anhalt).

Damit werde ein “reibungsloser elektrischer Verkehr entlang einer der am meisten befahrenen Verkehrsachsen Deutschlands auf einer Gesamtlänge von 430 Kilometern möglich”, heißt es von den Machern. Bisher fuhren vor allem BMW-Testwagen die Strecke. Am Mittwoch (14. Mai) wird sie in Nürnberg für die Allgemeinheit freigegeben.

Bei einer durchschnittlichen Reichweite eines E-Autos von etwa 150 Kilometern müsste man aber schon dreimal Pause machen, um von München nach Leipzig zu kommen. Dabei glauben selbst die Projektpartner nicht, dass viele E-Auto-Fahrer die gesamte Strecke in Angriff nehmen. “Wir gehen zunächst davon aus, dass die Nutzer Teilstücke der A9 fahren werden – beispielsweise von München nach Nürnberg”, sagt BMW-Sprecherin Verena Stewens. Elektroautos seien nicht vorwiegend für die Langstrecke gedacht, sondern für Ballungsräume.

Doch auch hier fehlt es vielerorts noch an Ladestationen. In 675 Kommunen gibt es nach Angaben des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) mindestens eine. Baden-Württemberg hat die meisten Ladepunkte, knapp gefolgt von Nordrhein-Westfalen und Bayern.

“Damit die Fahrzeuge für die Kunden alltagstauglich sind, müssen mehr öffentliche Ladestationen aufgestellt werden”, sagt Matthias Wissmann, Präsident des Verbandes der Automobilindustrie (VDA). Zwar werde ein Großteil der Autofahrer den Strom zu Hause, bei der Arbeit oder auf Parkflächen tanken, der bisherige Bestand an öffentlichen Ladepunkten reiche aber längst nicht aus.

“Man hat hier so ein Henne-Ei-Problem”, sagt Ferdinand Dudenhöffer vom Center Automotive Research (CAR) an der Universität Duisburg-Essen. Da es bisher nur etwa 12.000 Elektroautos in Deutschland gibt, rechne es sich für die Energieversorger nicht, überall Ladestationen aufzubauen. “Man steht sich hier gegenseitig im Weg. Zurzeit wird die öffentliche Ladestruktur von den großen Energieanbietern nicht mehr ausgebaut.” Und die bereits bestehenden Stationen seien oft mit den verschiedenen Autos nur wenig kompatibel, und das Bezahlen sei oft kompliziert. “An all diesen Dingen wird aber nicht mehr gearbeitet, weil niemand mehr daran glaubt”, sagt Dudenhöffer.

Die Bundesregierung hält bislang an dem Ziel fest, dass es bis 2020 eine Million Elektroautos geben soll, doch Experten halten dies längst für unrealistisch. Für diese Zahl E-Autos wären laut einer Empfehlung der EU-Kommission etwa 100.000 Ladepunkte nötig. “Deutschland macht hier im Vergleich zu anderen Ländern wenig”, sagt Dudenhöffer. Andernorts sei man momentan weitaus schneller beim Aufbau öffentlicher Ladesäulen, bestätigt Hildegard Müller, Vorsitzende der BDEW-Hauptgeschäftsführung.

Vorn bei der Zahl der E-Autos sind Länder, die Kaufanreize bieten, was die Bundesregierung ablehnt. In Norwegen, den Niederlanden oder in Kalifornien boomen Elektroautos, weil sie stark gefördert werden. In Norwegen etwa muss keine Mehrwertsteuer bezahlt werden. In Amsterdam gibt es kostenlose Parkplätze für E-Autos, an denen zudem der Strom umsonst ist.

In Deutschland werde über solche Idee seit Jahren nur nachgedacht. “Was man braucht, sind regulierende Maßnahmen”, sagt Dudenhöffer. Man dürfe nicht nur darüber reden, dass ein Elektroauto Vorteile habe, sondern man müsse den Leuten zeigen, dass sich das in der Anschaffung teurere Auto – ein BMW i3 kostet in der Basisversion 34.950 Euro, der E-Golf 34.900 Euro – an einer anderen Stelle wieder lohne. “Wenn Sie das machen, dann werden Elektroautos gekauft und automatisch wird RWE ihnen auch Ladestationen hinstellen.”

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dpa/Marina Reindl