Mercedes Citan Crashtest

Der Citan, der vorigen Herbst auf den Markt kam, erhielt beim Crashtest nur drei von fünf möglichen Sternen. - Bild: Euro NCAP

Nach einem Bericht des Nachrichtenmagazins “Spiegel” waren die Probleme wohl schon seit über einem Jahr bekannt, doch offenbar sollte der Verkaufsstart nicht verschoben werden. Das Mercedes-Benz-Modell, das vorigen Herbst auf den Markt kam, erhielt beim Crashtest nur drei von fünf möglichen Sternen. Der ADAC bemängelt, “hohe Verletzungsgefahr für Fahrer und Beifahrer im Brustbereich”.

Konzernchef Zetsche steht erneut in der Diskussion

Das schlechte Abschneiden des Citan bei einem Crashtest könnte auch für Konzernchef Dieter Zetsche Folgen haben. Im Unternehmen wächst die Kritik an Zetsche. Der “Spiegel” zitiert einen hochrangigen Manager mit den Worten: “Der Dieter kann es nicht.” Der Aufsichtsrat hat Zetsches Vertrag zwar erst vor kurzem um drei Jahre verlängert – doch schon das gilt als Gnadenfrist. Nach dem Citan-Desaster sagt ein Aufsichtsrat nun: “Wenn es so weitergeht, müssen wir neu nachdenken.”

Markenimage in Gefahr

Der Citan, der im vergangenen Jahr mit großem Werbeaufwand in den Markt eingeführt wurde, basiert auf dem weitgehend baugleichen Kangoo des Daimler-Partners Renault. Für einen besseren Fußgängerschutz hätten die Karosserie und die Elektronik geändert werden müssen. Dies hätte die Einführung des Mercedes-Benz-Modells um ein Jahr verzögert und über hundert Millionen Euro gekostet. Insider sehen das Markenimage des Stuttgarter Premiumautobauers gefährdet, denn Sicherheit sei für die Mercedes-Kundschaft ein zentrales Kaufargument.

“Der Citan ist sicher”

Ein Mercedes-Sprecher sagte vergangene Woche gegenüber “Spiegel Online”, der Citan sei sicher. “Das Auto ist in keiner Kategorie durchgefallen, noch ist die Karosserie kollabiert.” Im Übrigen hätten alle Varianten serienmäßig das Stabilitätsprogramm ESP an Bord. Allerdings ist der Schleuderschutz auch in den Schwestermodellen Renault Kangoo und Dacia Dokker serienmäßig verbaut. Weil das Segment der Kastenwagen jedoch sehr preissensibel sei, habe man bei Mercedes bewusst auf einige Warnpiepser (die Punkte beim NCAP-Test bringen) verzichtet.

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Spiegel/Guido Kruschke