Als es nach dem Zwischenstopp in der Olympiastadt Salt Lake City über den Caribou National Forest am nächsten Tag weiter Richtung Yellowstone Nationalpark geht, sorgt der Zwischenstopp im schneereichen Jackson Hole für eine angenehme Überraschung. Nach dem Hotel in Las Vegas gab es entlang der Route bisher keinen Ladestationen und so holt sich der Countryman am Ortsplatz etwas Energie, um die Hinterachse wieder in Schwung zu bringen. Das ist auch nötig, denn der Countryman präsentiert sich anders als erwartet und anders als es der Namenszug "All4" vermuten lässt nicht als echter Allradler. Ist der Akku leer oder das Hybridsystem schaltet sich bei Temperaturen von unter minus zehn bis zwölf Grad Celsius komplett ab, ist es vorbei mit dem souveränen Vortrieb. Allein mit Vorderradantrieb ist man zwischen den zahllosen Subarus, Pick-ups und Geländewagen auf verlorenem Posten. Ein Fahrzeug mit einer elektrischen Hinterachse als echten Allradler anzubieten, ist nicht nur wirres Marketinggeschwafel, sondern bei Fahrten auf Eis und Schnee wie hier in den Rocky Mountains ein schlechter Witz, den man auch in den Alpen nicht erleben möchte.

In den eigentlichen Nationalpark Yellowstone kommt man im Winter nicht herein. So geht es nach entsprechenden Tankstopps weiter Richtung Billings / Montana an der I-90, von wo aus der Durchstoß nach Osten erfolgen soll. Chicago, die Großen Seen und das finale Ziel Detroit locken. In Billings, einer seelenlosen 100.000-Einwohner-Stadt, ist es fast 20 Grad unter null und beim morgendlichen Start zeigt der Bordcomputer einmal mehr an, dass das Hybridsystem mit seinem 65-kW-Triebwerk an der Hinterachse erst einmal nicht arbeitsfähig ist. Mittlerweile hat sich der Praxisverbrauch auf rund neun Liter eingependelt. Mini verspricht mit vollgeladenem Akku (7,6 kWh) sparsame 2,3 Liter auf 100 Kilometern. Realitäten könnten nicht weiter auseinanderliegen. Auch die versprochenen rund 40 Kilometer elektrischer Reichweite entstammen im amerikanischen Winter dem Reich der Träume. 12 bis 15 Meilen - umgerechnet 20 bis 25 Kilometer, mehr war nie drin und das bei den Fahrprofilen, die in den stark temporeglementierten USA deutlich geneigter als im Autobahn-Country Deutschland sind.

Das insgesamt 165 kW / 224 PS starke Antriebspaket des fast 1,7 Tonnen schweren Mini Cooper S E Countryman All4 mit seinem schnatternden Dreizylinder und dem wenig engagierten Elektromotor ist die wohl schwächste Seite des Mini. Dabei kann der 4,30 Meter lange Brite allemal gefallen. Die wohlkonturierten Sitze erfreuen auch auf Langstrecken, die im Winter so wichtige Sitzheizung (leider nur vorne) ist eine Klasse für sich und das Steuer (auch unbeheizt) ist so präzise, wie man es von einem Mini erwartet. Dabei ist der Mini Countryman ideal für zwei Personen, denn wer wirklich in Urlaub fahren möchte, tut sich mit den Lademöglichkeiten im Kofferraum (405 Liter) und auf der Rückbank bei einer Drei-Personen-Besetzung schwerer als schwer.

Exzellent schlägt sich das stets hellwache Navigationssystem und die zahlreichen Ablagen sind bei Langstreckentouren mehr als hilfreich.Als es im Nordosten heraus aus den Rocky Mountains geht, gibt es auf dem Weg nach Chicago eine Vielzahl von Routen. Die südlichste führt einen vorbei am Harley-Mekka Sturgis Richtung Sioux Falls und Sioux City, wo sich der Schnee längst verabschiedet hat, die eiskalten Temperaturen jenseits der Minus-10-Grad-Celsius-Marke aber geblieben sind. Nach wie vor kommt das Elektromodul des Countryman nicht dazu, seine Vorteile auszuspielen. Dafür zeigt der größte aller Minis, dass er sich bei langen Autobahnpassagen durchaus in Szene setzen kann. Erlaubt sind in Bundestaaten wie Wyoming, South Dakota, Iowa oder Illinois nie mehr als 80 Meilen pro Stunde - gerade einmal 130 km/h machen sich bei einer Gesamtstrecke von fast 5.000 Kilometern allemal bemerkbar. Vorbei sind auch die Zeiten, als im Bergstaat Montana kein offizielles Tempolimit existierte und die lokalen Ordnungsbehörden nach Gusto einschätzen konnten ob zu schnell oder nicht. Wer es darauf anlegt, bewegt den Countryman mit bis zu 200 km/h.

Vergeblich bleibt nach wie vor die Suche nach einer Ladesäule. Selbst in größeren Städten sind kaum Ladesäulen vorhanden; direkt an der Route gibt es selbst an größeren Hotels keinen Strom. Kein Wunder, dass man den letzten Tesla allein in Jackson Hole im Straßenverkehr sah. In den nördlichen Staaten der USA sind selbst Fahrzeuge aus Europa ein Hingucker. Ansonsten fährt man hier Ford F-150, Chevrolet Silverado oder Dodge Ram - alle andere bewegen eine Pick-up mittlerer Dimensionen oder Geländewagen wie einen Jeep Grand Cherokee oder einen Ford Explorer. Sogar das Massenmodell Toyota Camry ist hier nicht mehr als ein Nebendarsteller. In Downtown Chicago schüttelt der Valet-Parker wieder einmal nur den Kopf, als man nach einer Ladesäule fragt. "So etwas haben wir nicht", lächelt Sam bei kühlen -15 Grad, "aber irgendwo in der Nähe soll eine gebaut worden sein." So weit zum Thema Elektromobilität in den USA. Diese gibt es - in kleinen Dimensionen - allenfalls in Küstennähe. Auf der letzten Etappe des Roadtrips wird es kaum wärmer, doch als es Richtung Motown Detroit geht, kommt der Schnee wieder zurück. In die Bredouille wie auf den schneebedeckten Pisten der Rockys kommt der Pseudo-Allradler nicht mehr und erreicht nach knapp 3.000 Meilen ohne Mucken Downtown Detroit. Ladesäulen? Fehlanzeige!

Der Mini Countryman ist für einen Roadtrip in den USA alles andere als eine schlechte Besetzung, doch das nächste Mal bitte nicht als Hybridversion, denn ein Durchschnittsverbrauch von 9,2 Litern ist angesichts von Leistung, Gewicht, Größe sowie der gemäßigten Fahrweise auf US-Highways und Landstraßen schlicht indiskutabel. Da würde ein Dieselmotor im Mini Countryman deutlich besser passen. Und die kommen bei den großen Full Size Pick-ups in den Vereinigten Staaten gerade so richtig in Mode. Der 190 PS starke Mini Cooper SD Countryman hat dann auch einen echten Allradantrieb - und kostet das gleiche wie der Hybride.

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