Recaro Zentrale breit

Der Sitzspezialist Recaro mit langer Historie ist heute im Bereich Pkw-Sportsitze gut unterwegs. Die Margen sind hier größer als in der Großserie. - Bild: Recaro

In der kompakten, aber boomenden Highperformance-Welt gilt momentan noch der chinesische Markt als Herausforderung.

Recaro genießt unter dem Dach von Johnson Controls weitgehende Freiheiten. Dieser Umstand ist der Nische geschuldet, die die Sitzexperten bedienen. Bei den Produkten handelt es sich um Sitze für Sport- und Supersportwagen sowie für sportliche Kleinserien der großen Premium-OEMs. Der Eigentümerwechsel habe völlig neue Möglichkeiten eröffnet, betonte Elmar Deegener, Leiter der Auto-Sitzsparte von Recaro anlässlich eines Pressegesprächs in dieser Woche.

In einer exklusiven Runde erläuterten er und der für das weltweite Pkw-Geschäft verantwortliche Dr. Christian Debus die nahe und mittlere Zukunft der Sitzmanufaktur mit langer Historie.

Recaro Sportsitzplattform

Recaro zeigt mit der neuen Sportsitzplattform, wie sich dank der Kombination aus gewichtsreduzierter Konstruktion auf Gleichteilebasis mit kundenspezifischem "look and feel" große Modularität ergibt. - Bild: Recaro

Der Sitzspezialist ist heute im Bereich Pkw-Sitze mit gut 150.000 Sitzen im Jahr und einem Umsatz von rund 150 Millionen Euro unterwegs. Der Zuwachs ist zweistellig. Grund zum Optimismus haben die Sitzexperten allemal. Sind die Margen in diesem Bereich doch deutlich besser als in der Großserie. Die Nachfrage sei rege, sagen die Recaro-Männer. “Wir haben Spaß und Erfolg”, bringt es Deegener auf den Punkt. Neben einem Wiedereinstieg in den Bereich Commercial Vehicles sind es vor allem Produkt-Innovationen, die der Marke Recaro zu großer Beliebtheit verhelfen.

Neue Produktionsstätten, neue Produkte

Mittlerweile sind die Sitz-Spezialisten mit neuen Fertigungsstätten am Start, etwa in der Slowakei – nahe der Kia Ceed GT-Produktion, sowie in Mexiko – von dort bedient man Ford für den nordamerikanischen Markt. Die Mitarbeiterzahl wuchs von 2012 zu 2013 um 100 Angestellte auf gesamt 935. Mit dem Footprint von Johnson Controls ergeben sich weitere Möglichkeiten, heißt es. Recaro genieße unter dem Dach von Johnson Controls aber weitgehende Freiheiten. So habe man etwa in Mexiko einen eigenen Lieferantencode und ein eigenes Management. Immer stehe auch der Name Recaro als eigenständiger Brand. So gilt der Brand auf dem nordamerikanischen Markt als “der Sportsitz schlechthin”, wie Christian Debus mit Freude berichtet.

Ein neues Highlight für alle Hersteller von Sportwagen sowie für OEMs mit Kleinserien im Portfolio wird spätestens ab dem Jahre 2016 die neue Sportsitzplattform werden, die mit gewichtsreduzierter Konstruktion auf Gleichteilebasis, aber gleichzeitig größtmöglicher Individualisierungsmöglichkeit von sich Reden machen soll. Der Clou des Sitzkonzepts mit dem bis dato niedrigsten Blockmaß von 145 Millimetern ist ein zweiteiliger Aufbau, der zwischen tragender Struktur und Designschale trennt.

Mehr “Härte” für den chinesischen Markt

Eine Herausforderung sehen die Pkw-Sitzexperten im chinesischen Markt. Die Chinesen lieben zwar große Namen und Marken und freilich auch Sportwagen. In deren Augen zählen die harten Sportsitze aber noch nicht zu den Must haves, wie Elmar Deegener erklärt. Der Chinese mag es weich. Die Rolle Recaros werde es daher sein, erst einmal über die exklusiven Importfahrzeuge in diesen Markt zu gelangen, ergänzt Christian Debus.

In einem zweiten Schritt folge der Einsatz von Recaro-Produkten in lokal gefertigten ausländischen Fahrzeugen. Als dritter Step könne dann der Einsatz in chinesischen Automobilen erfolgen. Die Sitz-Fachleute, die für den Einsatz ihrer Produkte in den allerschnellsten Fahrzeugen der Welt bekannt sind, gehen mit Blick auf China also mit Bedacht vor. Beharrlichkeit wird sich hier mutmaßlich auszahlen. Und: die Chinesen werden sich an die “gewisse Härte” der Produkte schon noch gewöhnen.

Mehr über die neue Sportsitzplattform erfahren Sie in der kommenden Ausgabe 12/2013 von AUTOMOBIL PRODUKTION im Schwerpunkt Interieur.

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Götz Fuchslocher