Mercedes E-Klasse

Renault wollte die Architektur von Daimlers E-Klasse übernehmen, um sein eigenes Premiumauto zu entwickeln. Nach Monaten der Diskussion ist Renault aber zu dem Schluss gekommen, dass dieser Plan wirtschaftlich nicht sinnvoll ist. - Bild: Daimler

Stattdessen wollen sich die Franzosen darauf konzentrieren, das obere Ende ihrer Produktpalette neu auszurichten, wie ein hochrangiger Renault-Manager sagte. Die bestehende Allianz mit Daimler bleibt davon aber unberührt.

Höhere Margen im Luxussegment

Die Renault-Verantwortlichen haben lange mit der Idee gerungen, eine Baureihe im gehobenen Segment aufzulegen. Hier sind die Margen höher als im Massenmarkt. Vor einigen Jahren wurde eine Kooperationsvereinbarung mit Daimler geschlossen.

Diese sieht vor, dass Renault Daimler bei der Herstellung von Kleinwagen und Vans unterstützt. Im Gegenzug wollten die Franzosen von Mercedes-Benz lernen, wie man prestigeträchtigere Fahrzeuge auf die Straße bringt.

E-KLasse als Basis für ein eigenes Premiumfahrzeug

Hier wollte sich Renault die Architektur von Daimlers E-Klasse übernehmen, um sein eigenes Premiumauto zu entwickeln. Nach Monaten der Diskussion ist Renault aber zu dem Schluss gekommen, dass dieser Plan wirtschaftlich nicht sinnvoll ist.

“Wir haben kein funktionierendes Geschäftsmodell gefunden” sagte Carlos Tavares, bei Renault für das operative Geschäft zuständig, in einem Interview. Die Entscheidung, diesen Plan nicht weiter zu verfolgen, hatte laut Tavares mit Fragen des Einkaufs, der Logistik und Montage zu tun. Weitere Details wollte er nicht nennen. Ein Daimler-Vertreter wollte die Informationen nicht kommentieren.

Renault fand “kein funktionierendes Geschäftsmodell”

Ein Vertreter von Renault sagte, die Machbarkeitsstudie für ein großes Premiumauto wurde deswegen beiseite gelegt, weil Daimler Renault Komponenten von der aktuellen E-Klasse angeboten hat. Wenn Renault aber soweit wäre, ein eigenes Auto auf den Markt zu bringen, würde sich die E-Klasse schon wieder dem Ende ihres Lebenszyklus nähern. “Das Line-Up der Produktionszyklen ist eine heikle Sache”, so die Person. “Es lag nicht an fehlendem Willen bei Daimler. Die Zahlen stimmten einfach nicht.”

Laut COO Tavares hat die Beendigung des Premiumauto-Plans keinen Einfluss auf die Kooperation mit Daimler, in die auch Renaults strategischer Partner Nissan involviert ist.

Die Idee, Daimlers E-Klasse zu nutzen, war “die Kirsche auf dem Kuchen” der seit drei Jahren bestehenden Dreier-Allianz zwischen Renault, Nissan und Daimler, sagte Tavares. “Bislang haben wir einfach keine Lösung gefunden” sagte er. “Das heißt aber nicht, dass wir sie nicht finden werden. Wir haben sie bis jetzt nur noch nicht gefunden.”

Infiniti-Kompaktwagen wird auf einer Mercedes-Plattform basieren

Die drei Konzerne arbeiten bereits bei zehn Projekten zusammen, in denen Fahrzeuge, Motoren und Getriebetechnologien entwickelt werden. Sie kooperieren außerdem bei der Entwicklung eines neuen Premium-Kompaktwagens für Nissans Luxusmarke Infiniti, der auf einer Mercedes-Plattform basieren soll. Die Produktion wird 2015 in Europa beginnen. Dieses Projekt liegt im Zeitplan.

Das auf der E-Klasse-basierte Auto, dass Renault im Sinn hatte, wäre zu einem Preis von mehr als 50.000 Euro verkauft worden und wäre damit deutlich teurer gewesen als der Renault Espace. Dieser ist mit einem Einstiegspreis von 36.000 Euro das teuerste Modell im Angebot der Franzosen. Ein Espace-Nachfolger soll nächstes Jahr auf den Markt kommen.

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Dow Jones Newswires/Guido Kruschke