Brennstoffzellenfahrzeuge von Renault.

Hyvia wird an vier Standorten in Frankreich tätig sein. Bild: Renault

Im Juni gründeten Renault und Plug Power, ein Anbieter von Wasserstofflösungen, das Joint Venture Hyvia. Nun konkretisiert der OEM seine Wasserstoffstrategie. Ein komplettes Ökosystem soll alle Bereiche von der Produktion und Speicherung bis zur Verteilung von grünem Wasserstoff abdecken. Dies umfasse leichte Nutzfahrzeuge mit Brennstoffzellenantrieb, Ladestationen und die Versorgung mit regenerativ erzeugtem Wasserstoff. Hinzu kommen Wartung und Flotten-Management.

Bereits im Februar hatte Renault eine Partnerschaft mit Faurecia im Bereich Wasserstoffspeichersysteme verkündet. Der Autobauer möchte sich bei Wasserstoff-Lösungen für leichte Nutzfahrzeuge einen Marktanteil von 30 Prozent sichern. Die ersten drei Brennstoffzellenfahrzeuge mit Dual-Power-Architektur basieren auf der Renault Master-Plattform und sollen Ende 2021 in Europa an den Start gehen. Die Technologie ergänzt dabei die E-Tech-Lösung und erhöht die Fahrzeugreichweite von 100 batteriebetrieben Kilometern auf insgesamt 500 Kilometer.

Hyvia wird auch Wasserstofftankstellen anbieten

Demnach verfügen die Fahrzeuge zusätzlich zur 33-kWh-Batterie über eine 30-kW-Brennstoffzelle. Zum Brennstoffzellensystem gehören neben dem eigentlichen Stack alle erforderlichen Subsysteme für die Luft- und Wasserstoffversorgung und -regelung, die Befeuchtung und die Kühlung. Hinzu kommen Tanks, die je nach Version zwischen 3,0 und 7,0 Kilogramm Wasserstoff enthalten.

Darüber hinaus wird Hyvia Elektrolyselösungen, mobile Speicherstationen und bis Ende 2021 auch Wasserstofftankstellen anbieten, die das Betanken der Fahrzeuge in nur wenigen Minuten erlauben. Hinzu kommen Finanzierungsangebote für Wasserstofftankstellen oder -fahrzeuge sowie Wartungsservices innerhalb des Renault Netzwerks.

Hyvia unterhält vier französische Standorte

Das Joint Venture befindet sich zu gleichen Teilen im Besitz der beiden Partner. „Um die Herausforderungen der Wasserstoffmobilität zu meistern, müssen wir Brennstoffzellenfahrzeuge für alle intensiven Nutzungen anbieten, aber auch das gesamte Ökosystem berücksichtigen“, betont David Holderbach, Präsident von Hyvia. Der Franzose verfügt über rund 20 Jahre Erfahrung in den Bereichen Strategie, Produkt und internationaler Vertrieb bei der Renault Group.

Hyvia wird europaweit tätig sein, seine Basis jedoch in Frankreich haben, wo vier Standorte unterhalten werden: Der Hauptsitz sowie die Forschungs- und Entwicklungsteams werden in Villiers-Saint-Frédéric angesiedelt, wo sich auch das Technik- und Entwicklungszentrum der Renault Group für leichte Nutzfahrzeuge befindet. Die Prozess-, Fertigungs- und Logistikteams werden in Flins verortet und bis Ende 2021 die Montage von Brennstoffzellen und Ladestationen starten. Die Montage der ersten Fahrzeuge erfolgt im Werk Batilly. Die Brennstoffzellen-Integration wird von der Renault-Tochter PVI durchgeführt, die ihren Sitz in Gretz-Armainvilliers hat.

Brennstoffzelle findet ihre Anwendungsfälle

Jüngst erlebte die Wasserstoff-Technologie wieder einen Aufschwung. So erprobt etwa BMW den Antrieb mittlerweile beim i Hydrogen NEXT im Alltag. Trotzdem scheint die Brennstoffzelle ihre Nische woanders gefunden zu haben – bei leichten Nutzfahrzeugen und Lkw. Zwar waren auch bei diesen Anwendungsfelder Diskussionen um die Umweltfreundlichkeit entbrannt, doch nach Ansicht des Engineering-Dienstleisters IAV wäre ein künftiger Flottenmix durchaus von Vorteil. „Dabei ist ein Fahrzeug mit Brennstoffzellenantrieb je nach untersuchter Fahrzeugklasse ähnlich klimafreundlich wie ein rein batterieelektrisches Mobil – und damit eine sinnvolle Ergänzung im Flottenmix“, so Marc Sens, Studien- und Fachbereichsleiter bei IAV.

Während in diesem Sinne bislang eher Japan und Südkorea als Vorreiter der Brennstoffzellentechnologie galten, ziehen nun immer mehr europäische OEMs nach. Neben der Kooperation von Daimler und Volvo engagiert sich auch der Volumenhersteller Stellantis vermehrt in diesem Bereich. Bereits vor Ende des Jahres 2021 sollen erste Fahrzeuge aus dem Segment der leichten Nutzfahrzeuge mit Wasserstoff-Antrieb zu den Kunden rollen – Kopf an Kopf mit Renault.

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