Porsche gestattete der AUTOMOBIL PRODUKTION einen ersten Einblick in die Supersportwagen-Produktion.

Alle Punkte der Wertschöpfungskette quasi in einem Raum vorzufinden, sei schon etwas Einzigartiges, wie Michael Drolshagen schildert.

Der Porsche-Mann mit einer langen Vita beim Stuttgarter Sportwagenhersteller übernimmt beim Projekt 918 Spyder gleich mehrere Funktionen. Er ist Leiter der Produktion und verantwortlich für Logistik und Qualität sowie für die Planung der einzelnen Gewerke.

An diesem eher grauen Vormittag steht er gemeinsam mit dem für den Umbau verantwortlichen Alexander Rehm in einem 4.000 Quadratmeter großen Raum, der trotz des Wetters Licht durchflutet und ziemlich edel wirkt.

Porsche 918 Spyder Michael Drolshagen

Michael Drolshagen ist im 918 Spyder-Projekt der Herr über die Themenfelder Produktion, Logistik und Qualität. - Bild: Porsche

Manufaktur mit Traditionshintergrund

Einen wesentlichen Beitrag zur freundlichen Stimmung leistet der Anstrich der Wände in Weiß und einem kess-frischen Grün, der neuen CI-Farbe für die 918-Fertigung. Der Raum befindet sich im zweiten Stock eines zentral gelegenen Gebäudes, das einst die Lackiererei für die Serien-Sportwagen war.

Durch den Kauf eines angrenzenden Geländes konnten die Zuffenhausener die Lackierung aus dem Werk 2 verlagern. Für den ab 2010 gesetzten Gedanken einer Manufaktur war somit der Grundstein gelegt, genau in der Keimzelle der Sportwagenfertigung eine Produktionsstätte für ein Highend-Fahrzeug zu schaffen.

Hier, wo im Jahre 1948 alles begann und heute die Fertigung der Sportwagen-Ikone 911 stattfindet, entsteht bis zum Sommer eine Manufaktur für den neuen Supersportwagen 918 Spyder. Ein Fahrzeug, das dank eines hochdrehenden V8-Verbrennungs-, sowie zweier E-Motoren, feinste Technologien in sich eint.

Eintakten in die Perlenkette der Serie

Dass die Entscheidung auf den Stammsitz des Sportwagenherstellers in Stuttgart-Zuffenhausen fiel und nicht etwa auf Leipzig oder Weissach, wo man ebenfalls Manufaktur-Kompetenz besitzt, ist neben der Rennsporttradition und dem Heritage-Gedanken auch dem Umstand geschuldet, dass Zuffenhausen die Nutzung wichtiger Themenkomplexe aus der herkömmlichen Serienfertigung bietet.

Denn im Erdgeschoss werden die Endmontage und das Prüffeld angesiedelt sein: Dank der hier vorhandenen Messbühnen und Prüfstände kann der künftige Supersportwagen zum Schluss nahtlos in die so genannte Perlenkette der Serienfertigung eingetaktet werden. Mit der Kraft der E-Maschine und auf eigenen Rädern.

Zwischen der Manufaktur im Obergeschoss und dem Prüffeld im Erdgeschoss wird im ersten Stock auf weiteren 4 000 Quadratmetern eine Logistikfläche eingerichtet, in der das Material-Handling für die Teile und Komponenten der mehr als 250 am Projekt beteiligten Lieferanten stattfindet.

Die komplette Wertschöpfung der Porsche AG findet inhouse auf dieser Fläche statt. Mit dieser Kombination aus Manufaktur und Serienkompetenz schaffen die Stuttgarter ein Alleinstellungsmerkmal bei der Fertigung dieser exklusiven Kleinserie. Und einen hohen Qualitätsstandard.

Motivierte Mitarbeiter für das Prestige-Projekt

Und da liegt die Messlatte in Stuttgart typischerweise hoch. Ein Hebel dazu sind motivierte Mitarbeiter. Ab diesem Sommer werden rund 70 Mitarbeiter aus über zehn Nationen die 918 Supersportler bis ins Jahr 2014 montieren.

Porsche hat die Stellen im eigenen Umfeld ausgeschrieben und konnte Menschen mit einer Porsche-Erfahrung zwischen sechs und vierzig Jahren für diese besonderen Aufgaben rekrutieren. Neben Motorsport erfahrenen Leuten sind dies Mitarbeiter aus den Abteilungen Entwicklung, Produktion, Rohbau, Lackierung und Motorfertigung. Ein Sechstel der über 3 000 Köpfe zählenden Zuffenhausener Produktions-Belegschaft hat sich für dieses Leuchtturmprojekt beworben.

Porsche 918 Spyder Halle

Wo künftig die Herzen jedes 918 Spyder entstehen: In der Motormontage werden die Werker bald nach dem Motto „ein Mann, ein Motor“ arbeiten. Die Vorbereitungen sind voll im Gang. - Bild: Porsche

Ein Mann, ein Motor

Die Manufaktur ist nach dem so genannten „Porsche-Fischgrät“ organisiert und beinhaltet neben der Fahrzeugmontage auch die Belederungs-Umfänge sowie die Motormontage. Das Herz eines Porsche ist der Antriebsstrang. Für den Hybrid-Sportwagen sind daher auch im Umgang mit der Hochvolt-Technologie erfahrene Mitarbeiter im Einsatz.

Für das hochpotente Herz, den Verbrennungsmotor, gilt das Motto „Ein Mann, ein Motor“, wie uns Michael Drolshagen erläutert, denn für jedes Triebwerk ist ein Mitarbeiter verantwortlich. Dieser Idee liegt neben einer Qualität sichernden Denkweise auch eine gewisse emotionale Komponente zugrunde. Denn der Werker hat dadurch zu seiner Aufgabe und dem daraus resultierenden Endprodukt eine veritable Bindung und keine bloß abstrakte Beziehung.

Die Fahrzeuge werden auf Hubtischen gefertigt und in einzelnen Stationen – zehn an der Zahl – bestückt. Je Station sind ein bis drei Werker im Einsatz.

Die Zeit pro Station beträgt 105 Minuten. Ein Intervall, in dem auch Qualitäts-Checks vorgesehen sind. Ein kompletter 918 Spyder entsteht in etwa 90 bis 100 Stunden, wovon etwa 50 Prozent auf die reine Montage entfallen. Für die Belederung setzt Porsche zwölf Stunden an. Eine Großserienfertigung würde dafür halb soviel Zeit kalkulieren.

Große Ansprüche stellt Porsche an das Monocoque. Das aus Österreich stammende Bauteil aus CFK muss in den Punkten Bauteilgeometrie und Fertigungstoleranzen über jeden Zweifel erhaben sein, wie die Porsche-Leute betonen. Anhand eines Vorserien-Monocoque zeigt Drolshagen, wie maßgeblich die Verschraubungen der Türen für die Spaltmaße sind.

Zur Unterstützung des Manufaktur-Charakters sowie als Pilot für die Serie setzen die Stuttgarter erstmals in der Montage des 918 Spyder kabellos programmierbare Akkuschrauber ein. Die relevanten Verschraubungsdaten wie Anzugsmomente werden via Bluetooth übermittelt und festgehalten.

Die ersten 24 Prototypen sind fertig

Weitere Patente zur Montage und Qualitätssicherung sind in der Planungsphase und bei der Umsetzung der Manufaktur entstanden. So gibt es Synergien in beide Richtungen, wie Michael Drolshagen erklärt. Deshalb kam auch ein vielerorts übliches Supermarktsystem in der Logistik für die Porscheaner nicht in Frage.

Bislang wurden 24 Prototypen des 918 Spyder gefertigt, für die man 25 Mitarbeiter einsetzte.Das erste ab SOP montierte Fahrzeug wird dann auch schon ein Kundenfahrzeug sein. Neben dem sonoren Takt der Sechszylinder-Boxer erahnt man zum Abschluss des exklusiven Rundgangs auch schon ein erstes Brüllen der V8.

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Götz Fuchslocher