Matthias Wissmann

Matthias Wissmann: "Wenn wir das Ziel, is 2020 eine Million Elektroautos auf Deutschlands Straßen zu bringen, ein oder zwei Jahre später erreichen, wäre das auch kein Beinbruch." - Bild: Tobias Bugala

Die deutschen Autobauer brauchen nach Einschätzung von VDA-Präsident Matthias Wissmann beim Elektroauto einen langen Atem. “Wir können nicht über Nacht den Markthochlauf erwarten.”

Das sagte der Chef des Verbandes der Automobilindustrie der “Süddeutschen Zeitung” (Samstag). Wissmann rückt damit auch von dem Ziel ab, bis 2020 eine Million Elektroautos auf Deutschlands Straßen zu bringen. “Wenn wir das Ziel ein oder zwei Jahre später erreichen, wäre das auch kein Beinbruch”, so der Auto-Lobbyist. Entscheidend sei, dass die Deutschen bei der Technologie und beim Marktanteil führend seien. An der Elektromobilität führe kein Weg vorbei.

Bundeskanzlerin Angela Merkel, mehrere Bundesminister und Top-Manager der Autoindustrie kommen am Montag in Berlin zu einem erneuten Elektroauto-”Gipfel” zusammen. Sie wollen sich dabei über den aktuellen Stand der Zukunftstechnologie informieren. Bislang halten sich die Kunden stark zurück. 2012 habe es 4.157 Neuzulassungen bei Elektroautos gegeben, so Wissmann. Insgesamt seien damit 8.500 Elektroautos auf deutschen Straßen unterwegs.

Deutschland wird kein großer Absatzmarkt für Elektroautos

Die Unternehmensberatung McKinsey geht davon aus, dass die deutsche Autoindustrie im Jahr 2018 voraussichtlich mehr als 300.000 Elektroautos produziert. Vor einem halben Jahr habe die Prognose noch bei gut 200.000 Stück gelegen, sagte McKinsey-Autoexperte Christian Malorny der “Wirtschaftswoche”. Ein großer Absatzmarkt für E-Autos werde Deutschland nach heutiger Einschätzung aber nicht. Gerade einmal 0,5 Prozent der verkauften Autos würden hierzulande 2018 mit Elektroantrieb fahren. In Japan werde der Anteil dann voraussichtlich knapp zehnmal, in den USA fünfmal und in Frankreich mehr als doppelt so groß sein.

Da Elektroautos in den kommenden Jahren kein Massenprodukt werden dürften, dringt die deutsche Automobilindustrie auf eine Mehrfachanrechnung von Elektro-Fahrzeugen auf die durchschnittlichen Abgasemissionen der Hersteller. Diese sollen nach Plänen der EU-Kommission ab 2020 nur noch bei 95 Gramm CO2 je Kilometer liegen. “In China werden emissionsfreie Elektroautos mit dem Faktor 5 auf die Gesamtflotte der Hersteller angerechnet”, kritisierte Wissmann. “In Europa hingegen sollen wir ab 2020 nur höchstens Faktor 1,3 oder 1,5 anrechnen dürfen. Das ist viel zu wenig.” Europa sollte wie die USA mindestens eine 3-fach-Anrechnung haben.

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dpa/Guido Kruschke