Der Porsche 911 GT3 Cup. -  Bild: Porsche

Der Porsche 911 GT3 Cup. - Bild: Porsche

Die Historie von Porsche ist eng mit dem erfolgreichen Motorsport der vergangenen Jahrzehnte verknünft. Zurzeit betreut die Porsche-Rennsportabteilung knapp 500 Rennteams in 19 Markenpokalen. Von Beginn an nutzte Porsche den Rennsport als Erprobungsform für neue Fahrzeugtypen. Das erste Rennen, in dem ein Porsche an den Start ging, war am 1. August 1948 in Innsbruck. Der 356 mit Herbert Kaes am Steuer erzielte auf Anhieb den Klassensieg. Der damals noch im österreichischen Gmünd hergestellte Porsche wurde als Roadster Gmünd bekannt. Bereits 1951 gewinnt die Porsche KG mit dem 356-SL-Leichtmetall-Coupé das 24 Stunden Rennen von Le Mans in der 1,1 Liter Wertung.

Porsche 550 Spyder bei der Mille Miglia

Porsche 550 Spyder bei der Mille Miglia. - Bild: Porsche

Der erste käuflich zu erwerbende 911er-Homogolationswagen erschien 1973. Der 2,7 Liter RS, als Rennversion 2,8 RSR genannt, bot sich zum einen für die Rennstrecke und die Rallye sowie für die einfache Fahrt ins Büro an. Die Serie des Carrera RS galt zu der Zeit als das erfolgreichste GT-Fahrzeug aller Zeiten. Unschlagbar, unkaputtbar und immer noch auf den Rennstrecken dieser Welt zuhause. Da die Motoren immer leistungsstärker wurden, mussten Wege gefunden werden, die stetig wachsende Kraft auch auf die Straße zu bringen. Der 2,7 RS war das erste Auto der Welt, was an der Vorderachse andere Reifendimensionen fuhr als an der Hinterachse.

Mit dem Porsche 917 begann ein großes Umdenken und die Zuwendung zum Turbomotor. Der Gipfel der 917-Entwicklung war der 917-30 Spyder, der Speziell für die Can-Am-Rennserie entwickelt wurde, aber nie dort gefahren ist. Er hat 16 Zylinder, acht Liter Hubraum, knapp 1?200 PS, wiegt zirka 800 Kilogramm und hat 400 Liter Treibstoff an Bord. Er gilt bis heute als das am schnellsten beschleunigende und auch gemessene Auto der Welt. In nur 9,9 Sekunden befanden sich Fahrer wie George Follmer oder Mark Donohue auf Tempo 300. Da viele Fahrer durch dieses PS-Ungetüm umgekommen sind, wurde vor jedem Einsatz eine Probefahrt dringend empfohlen. Die Idee des Turbomotors kam auf, da man mit dem Fahrverhalten der Rennwagen nicht zufrieden war, weil diese durch ihren Zylinderzuwachs immer schwerer wurden. Porsche begann mit der Erforschung auf dem Gebiet der kleineren aber dennoch leistungsstarken Aggregate.
Das Ergebnis war das Serienauto 930 für die Gruppe fünf, kurz 935 genannt. Es kam 1976 mit Turboaufladung auch auf die Rennstrecke. Der Kleinste (Baby) verfügt mit seinem kleinen 1,4 Liter Turbomotor über ganze 380 PS. Der Moby Dick genannte große Bruder erreichte mit 835 PS eine Höchstgeschwindigkeit von 366 km/h. Erstmalig kamen wassergekühlte Zylinderköpfe und die Vier-Ventil-Technik zum Einsatz. Der 935 galt zu seiner Zeit als das leistungsstärkste Rennfahrzeug der Welt. Mit knapp über 700 Kilogramm sorgen mehr als eine Pferdestärke für den Vortrieb von nur einem Kilogramm.

1978 übernahm Porsche erneut die gewonnene Erfahrung aus dem 935 und begann mit dem Einbau von Ladeluftkühlern. Das Resultat war ein verringerter Kraftstoffverbrauch trotz Leistungssteigerung. Die Autos aus Deutschland waren plötzlich mit lediglich drei Litern Hubraum genauso leistungsfähig wie die Fünf-Liter-Lamborghinis. Die Erfahrung aus dem Bereich der Aerodynamik im Rennsport kam kurz darauf dem Carrera RS und dem Turbo zugute. Da das abfallende Heck des 911 nicht mehr für ausreichend Abtrieb sorgen konnte, bekam es einen Heckspoiler. Sie waren damit die ersten Autos der Welt, die über Heckspoiler verfügten.

Um Gewicht im Auto zu sparen wurden zuerst in den Rennfahrzeugen und anschließend in den Serienfahrzeugen Kunststoffteile, die zum einen fest und zum anderen auch leicht sind, verbaut. Gleichzeitig wollte Porsche dafür sorgen, dass die Autos nicht nur schnell fahren, sondern auch schnell wieder zum Stehen kommen können. 1978 bekam daher der Turbo als erstes Auto eine Bremsanlage, die ursprünglich für den 917er auf der Langstrecke Le Mans entwickelt wurde um den Rennwagen von 400 km/h mit rot glühenden Bremsen herunterzubremsen. Die Bremswirkung in Kraft gemessen ist heute im Übrigen weitaus höher als die Motorleistung. Bei aktuellen Fahrzeugen liegt diese bei über 2?000 PS.

Der Porsche935/76 Martini. - Bild: Porsche

Porsche hatte schnell verstanden, dass sie nur dann Sportwagen erfolgreich verkaufen können, wenn sie nicht karg, sondern individuell auszustatten sind. Um Gewicht zu sparen und dennoch den Bedürfnissen der Kunden gerecht zu werden, mussten daher neue Komponenten gefunden werden. Es wurde dünneres Glas, besonders hochwertiger Stahl und Kunststoffteile verbaut. Die Kundschaft verlangte nach einem verbesserten Leistungsgewicht um das Porsche-Fahren-Gefühl zu spüren.

Die nächste Evolutionsstufe beschreibt die Hinkehr zur Wasserkühlung. Die auf Grund der ständigen Leistungssteigerungen stetig ansteigendenden Temperaturen in den Zylinderköpfen mussten schließlich irgendwie heruntergekühlt werden um die gewünschte Leistung erzielen zu können. 1983 erschien die Gruppe B-Studie. Der 959 war eine Ableitung von den Erfahrungen des 935. Nur 200 Exemplare des wohl technisch aufwendigsten Autos, das jemals gebaut wurde, sind produziert worden. Der mit dem 911 artverwandte 959 verfügt über eine Kevlar-Aramid-Faser-Karosserie und einen Vierradantrieb, der auf den Untergrund adaptiv einstellbar ist. 1990 verfügte der 964 Carrera 4 über vier Allrad-Einstellungen: Nass, Schotter, Trocken und Sand. Die ersten Hohlspeichenfelgen kamen 1995 beim 993 Turbo zum Einsatz. Er ist zudem das weltweit erste Auto mit einer Biturboregisteraufladung. Einige Jahre später ging diese dann in die Serie über.
Der damals wohl hochentwickeltste Rennwagen war der 961, die Rennversion des 959. Er war der einzige Rennwagen von Porsche, basierend auf dem 911, der über einen Vierradantrieb verfügte. Mit dieser neuen Technik gewann Jacky Ickx zum Beispiel die Rallye Paris ? Dakar. Der einzig noch Existierende steht heute im Porsche Museum. Diese Biturbomotoren-Technik mit Vierventiltechnik und Wasserkühlung wurde bis circa 1994 verwendet.

Porsche hatte den Vorteil bei seinen Rennwagen auf ein funktionierendes Motorenkonzept zurückgreifen zu können, so dass bei der Entwicklung des 956/962 der Gruppe C lediglich die Chassis, Materialauswahlen und die Steifigkeit erforscht werden musste. Der 956 bekam daraufhin ein Monocoque aus Aluminium und der 962 eines aus Karbon. Gleichzeitig beschäftigten sich die Techniker mit der Motor-Elektronikregelung. Nach 16 Jahren mit derselben Motortechnik wurde diese nun extrem optimiert. Die Emissionen wurden reduziert und damit eine saubere Verbrennung erzielt. Der 962 wurde eines der erfolgreichsten Rennfahrzeuge der Motorsportgeschichte. Das Motormanagement, welches sich ans Fahrumfeld anpasst, ist aus dem Rennsport für die Serie übernommen worden. Der 993 Turbo galt zudem damals als das emissionsärmste Fahrzeug der Welt. Er hat zwar mehr verbraucht als ein Kleinwagen, war aber in Summe sauberer. Geschafft hatte Porsche dies mit der Installation einer Onbord-Diagnose-Technik, die nicht nur die Luft und den Sprit vor dem Zylinder misst, sondern das erste Mal überhaupt auch über eine Abgasmessung verfügte. Der Motor erkannte ab sofort selbst, ob er gut läuft oder nicht. Auch diese Technik hat den Weg längst in die Serie gefunden.

Der Porsche 917. - Bild: Porsche

1998 wurde mit dem 911 GT1 bereits der 16. Le-Mans-Sieg eingefahren. Das eigentlich Besondere ist jedoch, dass er das erste Fahrzeug aus dem Hause Porsche ist, das mit einer Vollkarbon-Karosserie verkauft worden ist. Gleichzeitig hatten die Motoringenieure einen solch zukunftsweisenden Motorblock entwickelt, dass dieser bis heute noch in allen GT2- und GT3-Fahrzeugen verbaut ist.

Die derzeit letzte Entwicklungsstufe des Porsche-Rennsports stellt der aktuell fahrende 911 GT3 R-Hybrid 2.0 Reloaded dar. Er wird zusätzlich zum Heckmotor von zwei Elektromotoren angetrieben. Die E-Motoren treiben je ein Rad an und lassen sich einzeln ansteuern, so dass in Kurven das innere Rad abgebremst und das kurvenäußere Rad beschleunigt werden kann. Damit die Systemleistung dem Reglement entsprechend immer gleich bleibt, der Elektromotor aber nur zu genau festgelegten Zeiten aktiv wird, ist zum einen das komplette Streckenprofil im Steuergerät hinterlegt und zum anderen wird die Heckmotorleistung während des Einsatzes des Elektromotors heruntergeregelt. Das Resultat ist eine Effizienzsteigerung von bis zu 15 Prozent. Diese Technik wurde bereits komplett in den 918 Spyder integriert. Das Vorhaben, Autos zu bauen, die auch nach 40 Jahren noch fahren und auch schnell sind, scheint aufgegangen. 75 bis 80 Prozent aller verkauften Porsche sind in der ganzen Welt noch auf eigener Achse unterwegs. Und mit dem aktuellen GT3-Cup-Fahrzeug bietet Porsche sogar den meistverkauften Rennwagen der Welt an. Er läuft sogar innerhalb der Serienproduktion vom Band und steht für gut 150?000 Euro zum Kauf bereit.Marcel Sommer