Continental entwickelt intelligente Glasansteuerung weiter

Continental entwickelt intelligente Glasansteuerung weiter: Für mehr Privatsphäre etwa auf den Rücksitzen können die Fenster hinter der B-Säule abgedunkelt werden. Bild: Continental

| von Götz Fuchslocher
Continental Intelligent Glass Control
Sind die Scheiben vernetzt mit dem Schließsystem, können sie über Intelligent Glass Control im Winter sofort enteisen, wenn der Fahrer sich seinem Auto nähert. Bild: Continental

Autoglasscheiben seien große, digital meist ungenutzte Flächen, hört man von Continental. In einem modernen Fahrzeug betrage diese im Schnitt rund fünf Quadratmeter. Darin sieht man beim Zulieferer ein riesiges Potenzial. Dieses wolle man jetzt verstärkt nutzen, teilt das Technologieunternehmen mit. Man entwickle daher die Lösung der intelligenten Glasansteuerung weiter und eröffne so völlig neue Möglichkeiten für Komfort, Sicherheit und Energieeffizienz im Fahrzeug. Zu den Entwicklungen zählt zum einen das Tönen und Verdunkeln von Scheiben. Dank neuer Folientechnologien lassen sich laut Continental Panoramadächer auf Befehl in nie gekannter Qualität verdunkeln, ein Teil der Frontscheibe könne bei tiefstehender Sonne rechtzeitig getönt oder die Fenster hinter der B-Säule für mehr Privatsphäre auf den Rücksitzen abgedunkelt werden. Außerdem können Scheiben ohne Heizdrähte automatisch beheizt werden – oder sogar als Display dienen.

„Intelligent Glass Control ist ein innovatives Konzept, das wir jetzt weiterentwickeln, um Fensterscheiben noch effektiver in die Benutzeroberfläche des Autos zu integrieren", sagt Johann Hiebl, Leiter der Continental Geschäftsbereiche Body & Security und Infotainment & Connectivity. Dies alles sei auch im Hinblick auf Elektromobilität und autonomes Fahren ein wichtiger Entwicklungsschritt. Die LC- beziehungsweise „Liquid Crystal“-Technologie ermögliche zukünftig eine bisher nicht gekannte Qualität für schaltbare Verglasungen im Fahrzeugbereich, heißte es dazu. Bei einer Form von LC-Autoglasscheiben schwimmen Flüssigkeitskristalle zusammen mit kleinsten Farbpartikeln in einer speziellen Suspension, die wiederum in eine feine Folie zwischen zwei dünnen Glasscheiben integriert ist. Unter Einfluss einer geringen Wechselspannung werden die Flüssigkeitskristalle gemeinsam mit den Farbpartikeln so ausgerichtet, dass sich die Scheibe verdunkelt oder aufhellt.

Zum anderen könne mit Hilfe einer intelligenten Glasansteuerung auch die Effektivität adaptiver Kamerasysteme verbessert werden, hört man von Continental. Diese seien zum Beispiel für Funktionen des autonomen Fahrens wichtig und werden, wenn im Bereich des Innenspiegels positioniert, bei tiefstehender Sonne beeinträchtigt. Mit Intelligent Glass Control kann die Autoscheibe laut Continental künftig auch Funktionen in der Mensch-Maschine-Interaktion übernehmen: Auf der smarten Glasscheibe ließen sich Informationen der Fahrerassistenz- und Infotainment-Systeme einblenden. Die Scheibe könnte zudem mit Touchscreen-Elementen zu einem smarten Display werden. Continental habe sowohl das Elektronik-Know-how als auch die Systemkompetenz für die Integration von innovativen Technologielösungen, um diese Visionen zeitnah realisieren zu können, hört man vom Zulieferer. Weiter heißt es, Glas, kombiniert mit Flüssigkeitslösungen, speziellen Kristallen, Nano- und Farbpartikeln und vor allem einer intelligenten und vernetzten Steuerung, werde künftig einer der wesentlichen Innovationsträger der Automobilindustrie sein.