JIS-Fertigung Abgasanlagen

Der Aufbau der neuen Boysen Werke und die hochgradig automatisierten Prozesse der Just-in-Sequence-Produktion sind auf allen vier Kontinenten komplett identisch. Bild: Boysen

Nach dem vor wenigen Wochen erfolgten Start in Achim bei Bremen gehen in den nächsten Monaten drei weitere neue Fertigungswerke in die Serienproduktion kompletter Abgasanlagen für die weltweite Markteinführung der neuen Mercedes-Benz C-Klasse. In Kösching bei Ingolstadt nimmt unterdessen der fünfte neue Boysen Fertigungsstandort Gestalt an. Dort soll ab 2015 die Abgastechnik für den neuen Audi A4 produziert werden.

Der Abgastechnik-Spezialist mit Stammsitz im baden-württembergischen Altensteig setzt seinen Aufwärtstrend ungebrochen fort. Die von Geschäftsführer Rolf Geisel vorgestellten Zahlen weisen für 2013 einen Umsatz von 1,02 Milliarden Euro aus. Im Vergleich zum Vorjahr entspricht das einem Plus von rund fünf Prozent. Die Zahl der Beschäftigten lag zum Ende des vergangenen Geschäftsjahres bei 2.200 – gegenüber 1.980 in 2012. Den größten Sprung nach oben gab es, bedingt durch das Standortwachstum, bei den Investitionen. Diese liegen mit 125 Millionen Euro nahezu 50 Prozent über dem Vorjahresniveau.

Gleichwohl macht Boysen-Chef Rolf Geisel deutlich, dass 2013 für die Firmengruppe auch „ein extrem schwieriges Jahr“ war. Die Entwicklung im für Boysen noch jungen Geschäftsfeld Nutzfahrzeuge sei hinter den Erwartungen zurückgeblieben. Auch im Automobilbereich seien bei zwei Kunden deutliche Umsatzrückgänge gegenüber den Planungen zu verzeichnen gewesen. „Hinzu kamen hohe Vorleistungen in neue Projekte. Alles in allem sind die Erträge im Vergleich zum Vorjahr damit leicht rückläufig. Allerdings können wir mit Blick auf die allgemeinen Branchenverhältnisse immer noch von einem zufriedenstellenden Ergebnis sprechen“, so Geisel.

Rolf Geisel

Für 2014 rechnet Rolf Geisel mit einem Umsatzzuwachs auf 1,2 Milliarden Euro – „bei leicht steigenden Erträgen und geschätzten Investitionen von 80 Millionen Euro“. Bild: Boysen

Die vier neuen Produktionswerke in Achim bei Bremen, Tuscaloosa (USA), East London (Südafrika) und Langfang (China) wurden allesamt termingerecht fertiggestellt. Hintergrund dafür ist der bislang größte Auftrag in der Unternehmensgeschichte: Als Systempartner von Mercedes-Benz fertigt und liefert Boysen die Abgasanlagen für sämtliche Modelle, die auf der Baukasten-Plattform „Mercedes Rear Wheel Drive Architecture“ (MRA) basieren. Den Anfang macht aktuell die neue C-Klasse. Hinzu kommen künftig weitere auf der MRA-Plattform gebaute Fahrzeuge wie der GLK und die E-Klasse.

Unabhängig von den international stark unterschiedlichen Standards und Lohnkosten seien der Aufbau der neuen Boysen Werke und die hochgradig automatisierten Prozesse der Just-in-Sequence-Produktion auf allen vier Kontinenten komplett identisch. Geisel: „Abgasanlagen sind technologisch extrem anspruchsvoll, und gerade die modellübergreifenden Plattformen der Automobilhersteller verzeihen hier keine Fehler. Würden wir unsere Produktion in verschiedenen Ländern variieren, könnten wir unser Qualitätsniveau nicht halten und wären ganz schnell raus.“ Diese Einstellung sorge in manchen Ländern für Verwunderung und Anerkennung zugleich: „Ein vollautomatisiertes Hochregallager ist zum Beispiel in China oder in Südafrika so gut wie einmalig.“

In Kösching bei Ingolstadt wächst unterdessen der fünfte neue Boysen Fertigungsstandort seiner Fertigstellung entgegen. Dort soll ab 2015 die Abgastechnik für den neuen Audi A4 produziert werden. Bereits im Mai bezugsfertig wird das Boysen Innovationszentrum Nagold (BIN) und damit der zweite große Entwicklungsstandort neben dem Unternehmensstammsitz im nur 15 Kilometer entfernten Altensteig. Ebenso wie in Altensteig setzt Boysen laut Geisel auch in Nagold auf modernste Erprobungseinrichtungen, zu denen bis 2015 unter anderem ein Rollen- sowie ein Motorenprüfstand speziell für Nutzfahrzeuge zählen werden. Komplettiert wird das Standortwachstum der Boysen Gruppe durch die Mehrheitsbeteiligung an der MHG Fahrzeugtechnik GmbH im schwäbischen Heubach, die Kleinserien und Prototypenteile im Abgasbereich fertigt und unter anderem gefragter Partner verschiedener Formel 1-Rennställe ist.

Boysen hat im vergangenen Jahr auch den Ausbau der bereits bestehenden Standorte stark vorangetrieben. Als Beispiele nennt der Geschäftsführer die neuerliche Erweiterung des Altensteiger Fertigungswerkes Turmfeld, die Einrichtung einer Produktionslinie für die Abgastechnik des Porsche Macan im Werk Plauen sowie die neue Just-in-Sequence-Produktion kompletter Abgasanlagen für den BMW X5 im US-Werk Gaffney.

Nachdem mit den hohen Investitionen im Vorjahr „eine starke Basis“ geschaffen wurde, soll sich vor allem der Anlauf der neuen Werke in diesem Jahr auch auf die Bilanz auswirken: Für 2014 rechnet Rolf Geisel mit einem Umsatzzuwachs auf 1,2 Milliarden Euro – „bei leicht steigenden Erträgen und geschätzten Investitionen von 80 Millionen Euro“. Verbunden damit ist der geplante Anstieg der Mitarbeiterzahl auf 2.500 innerhalb der Boysen Gruppe.

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Boysen / Christian Klein