| von Fabian Pertschy

Bosch treibt den Einsatz künstlicher Intelligenz voran: Ein vom Bosch Center for Artificial Intelligence (BCAI) entwickeltes KI-System soll frühzeitig Anomalien und Störungen im Fertigungsprozess erkennen und dadurch den Ausschuss reduzieren sowie die Produktqualität erhöhen. Pilotanwender der neuen Analyse-Plattform ist die Antriebssparte des Unternehmensbereichs Mobility Solutions. In den nächsten Jahren sollen dafür rund 500 Millionen Euro in die Digitalisierung und Vernetzung der Werke investiert werden.

Bosch plant Rollout für 240 Werke

Die voraussichtliche Ersparnis wird laut dem Zulieferer doppelt so hoch sein: Bis 2025 sollen rund eine Milliarde Euro eingespart werden. „Durch den Einsatz von künstlicher Intelligenz werden Fabriken effizienter, produktiver, umweltfreundlicher – und Produkte noch besser. Unsere neue KI-Lösung sorgt in Werken für Kosteneinsparungen in Millionenhöhe“, sagt Bosch-CDO/CTO Michael Bolle.

In Pilotwerken, in denen die Lösung bereits zum Einsatz kommt, ließen sich pro Jahr zwischen einer und zwei Millionen Euro einsparen. Am Standort Hildesheim wurden beispielsweise Störungen in den Prozessabläufen identifiziert und beseitigt. Die Taktzeiten der Linien reduzierten sich so um rund 15 Prozent. Die Lösung soll 2021 zunächst in rund 50 Werken der Antriebssparte weltweit ausgerollt und an über 800 Fertigungslinien angebunden werden. Anschließend will Bosch die KI-Lösung unternehmensweit in seinen rund 240 Werken einsetzen.

Datenanalyse geschieht nahezu in Echtzeit

Die in Zusammenarbeit von BCAI und Antriebssparte entstandene Lösung sammelt mithilfe des Nexeed Manufacturing Execution System (MES) automatisiert Messwerte der Produktion, bereitet diese auf und analysiert sie nahezu in Echtzeit. Sensordaten von Maschinen dienen dabei als Grundlage, um etwa Schwankungen in Fertigungsverfahren zu ermitteln. Nexeed „übersetzt“ und visualisiert Daten und Codes, die KI gibt eine Handlungsempfehlung ab, der Mitarbeiter entscheidet.

Genutzt werden dafür vor allem Dashboards, die individuell konfiguriert und auf lokale Anwendungsfälle und die entsprechende KI-Analyse zugeschnitten sind. Auch selbstanpassende Prozesse für Maschinen und Montagelinien lassen sich Bosch zufolge integrieren. Weicht beispielsweise ein Bohrloch von der definierten Platzierung ab, leitet die KI selbstständig die notwendigen Schritte ein.

Investition in das BCAI hat sich ausgezahlt

„Künstliche Intelligenz ist eine Technologie von epochalem Charakter – vergleichbar mit der Erfindung des Buchdrucks. KI wird die Industrie revolutionieren“, betont Bolle. Neben Projekten in den eigenen Werken bringt Bosch KI-basierte Lösungen auch auf den Markt. Zu den Anwendungen in der Fertigung zählen die automatisierte optische Inspektion von Werkstücken, Software für eine intelligente Produktionssteuerung und ein ausgeklügeltes Energiemanagement.

Unterstützt wird die KI mitunter durch Kameras, die entlang von Fertigungslinien den Produktionsprozess aufzeichnen. Abweichungen werden anhand von Mustern identifiziert. Darüber hinaus sind in einzelnen Fällen auch Feld- und Kundendaten mit der Plattform verknüpft. Dies soll helfen, das Verhalten von Produkten im Einsatz nachzuvollziehen, um Mängel zu identifizieren sowie Fehler vorherzusagen.

Ab 2025 sollen alle Bosch-Produkte über KI verfügen oder mit ihrer Hilfe entwickelt oder hergestellt werden. Bis Ende 2022 werden 20.000 Mitarbeiter im Umgang mit der Technologie geschult. Ein entscheidender Hebel ist dafür das Forschungs- und Entwicklungszentrum für Künstliche Intelligenz, so Bosch. Bereits im dritten Jahr nach seiner Gründung habe sich das BCAI amortisiert und liefere mit seinen Projekten einen Ergebnisbeitrag von rund 300 Millionen Euro.

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