Wie der Deutschlandfunk in einem Beitrag Anfang des Jahres dargelegt hat, ist bei den großen deutschen Zulieferern viel in Bewegung. Das liegt vor allem darin begründet, dass viele Bauteile bei Fahrzeugen mit reinem Elektroantrieb nicht mehr gebraucht werden. Vom Kolben über Dichtungen bis hin zum Kraftstofftank – viele Teile verschwinden, aber auch viele neue werden gebraucht. So entschied man sich z.B. bei einem der größten Hersteller für Kolben mit Sitz in Stuttgart, sich auf die Entwicklung von Thermomanagement-Systemen für Motoren zu spezialisieren. Dieses Thermomanagement kommt auch bei Elektrofahrzeugen zum Einsatz, hier allerdings bei den Akkupaketen, die nur dann maximale Leistung bieten, wenn sie im optimalen Temperaturzustand gehalten werden. Kurzerhand hat man sich dann dazu entschlossen, komplette Systeme (also E-Motor, Akkupacks und Steuerung) zu entwickeln. Und genau hier liegt die Chance für Zulieferer – als Systemlieferant.

Andere Tier-1-Zulieferer haben sich ähnliche Sparten aus der Elektromobilität erschlossen und sind teilweise bereits seit über 10 Jahren in der Entwicklung – ein Vorteil, der sich in den kommenden Jahren sicherlich auszahlen wird. Nichtsdestotrotz lässt sich dieses Vorgehen natürlich nicht so ohne Weiteres auf die nachfolgende Lieferkette übertragen. Tier-2- oder Tier-3-Lieferanten wird es schwerer fallen Systemlösungen zu entwickeln, was aber nicht heißt, dass es keine Möglichkeiten gibt.‎ Letztendlich geht es vor allem darum zu fragen,  was der Markt benötigt und keine Trends zu verschlafen.

Elektromobilität als Chance für Lohnfertiger?

Wo können sich Lohnfertiger bei dieser Entwicklung positionieren? Eine Frage, die sicher so manchen Eigentümer umtreibt. Zunächst kann man beruhigen: Der Verbrenner hat noch nicht ausgedient; die Zulassungszahlen sprechen eine deutliche Sprache: Unter den 3, 44 Mio. Pkws, die im Jahr 2017 in Deutschland zugelassen wurden, waren lediglich 25.000 Elektro- und  ca. 84.500 Hybridfahrzeuge (Quelle: Kraftfahrt-Bundesamt). Allerdings darf man bei diesen Zahlen nicht außer Acht lassen, dass in diesen Segmenten auch die höchsten Zuwachsraten zu verzeichnen sind.

Also, alles gut und weiter so? Die Antwort darauf lautet jein. Elektromobilität ist sicher kein Grund für Lohnfertiger in Panik zu verfallen, dennoch zeichnet sich ein Wandel ab.

Neue Systeme, neue Teile

Dort, wo neue Systeme entstehen, werden auch neue Teile gebraucht. Sicherlich wird es auch weiterhin Planetengetriebe geben, nur vielleicht an anderer Stelle im Antriebsstrang, wie z.B. bei Differentialen für das Torque Vectoring, hier unterhaltsam erklärt von Jean Pierre Kraemer / JP Performance GmbH:

Apropos Differential, das Achsdifferential ist z.B. eines der Bauteile das auch zukünftig nachgefragt wird, schließlich muss auch zukünftig ein Ausgleich zwischen den Drehzahlen der Räder an einer Achse erfolgen, egal welcher Motor für den Antrieb sorgt. Als Ausnahme ist hier lediglich das Torque Vectoring bei Elektrofahrzeugen mit unabhängiger Steuerung der einzelnen Räder zu nennen. Dafür werden allerdings mind. zwei separate Elektromotoren (einer für jedes Antriebsrad) benötigt und wird daher wohl aufgrund der hohen Kosten nur im absoluten Premiumbereich zum Einsatz kommen.

Informationen zur Funktionsweise eines Differentials finden sie übrigens in diesem Blog-Beitrag.

Doch neben Altbewährtem entsteht auch der Bedarf nach neuen Teilen, wie z.B. Pulley-Scheiben, wie sie für das CVT-Getriebe benötigt werden – eine Getriebeform, die wegen ihrer stufenlosen Übersetzung gerade eine Renaissance bei Hybridfahrzeugen erlebt.

Kompaktes Fertigungssystem für die Weichbearbeitung von CVT-Getriebebauteilen

An diesen neuen Bauteilen setzt der Maschinenbauer EMAG mit seinen kompakten Fertigungssystemen an. Man hat hier sowohl den Hersteller wie auch die Zulieferer bis hinab zum Lohnfertiger im Blick.

Die Idee ist es, Prozessketten in Lieferketten abzubilden und umgekehrt. Bei EMAG ist man in der Lage, sowohl die Weichbearbeitung der Pulleys wie auch die Hartbearbeitung anzubieten – alles mit kompakten Systemen, die allein oder in komplexen Fertigungssystemen funktionieren. Für die Weichbearbeitung werden z.B. zwei VL 3 DUO Maschinen mit dem ebenfalls von EMAG entwickelten TrackMotion Automationssystem verkettet. Es entsteht ein sehr kompaktes Fertigungssystem für die OP 10 und OP 20, also für die Bearbeitung beider Seiten der Pulleyscheibe, das entweder in einer Linie eingesetzt werden oder als Stand-Alone-Einheit bei einem Lohnfertiger in der Halle stehen kann. Mehr zu der Lösung gibt’s hier im Blog-Beitrag zu lesen.

Investitionen in die Zukunft und Investitionen 4.0

Kommen wir zur Eingangsfrage zurück: Ist Elektromobilität eine Chance  für Zulieferer? Die Antwort lautet also ja, wenn man die Chancen ergreift und sich traut zu investieren. Kein Zufall also, dass das Unternehmen EMAG erst vor Kurzem eine Kooperation mit der Commerzbank vorgestellt hat, die genau diese Investitionen vereinfachen soll. Kurz gesagt handelt es sich um ein Finanzierungsmodell, bei dem sich die Tilgung eines Investitionskredits an der tatsächlichen Nutzung einer Maschine orientiert.

Wie man es auch betrachten mag, die Zukunft IST im Wandel  und erfordert Flexibilität und Innovationskraft der Unternehmen.  Aber wenn man mal ehrlich ist, war das schon immer der Fall. Nun steht eben die Überschrift „Elektromobilität“ über dem Wandel und wie bei jeder Veränderung davor, wird es eine Zeit der Unsicherheit und Anpassung geben. Am Ende werden sich aber Entschlossenheit und die Innovationsfähigkeit durchsetzen, nur Mut!