Ergonomie, Automobilindustrie

Gerade in den letzten Monaten hat die Automobilindustrie wieder verstärkt neue Werkzeuge und Hilfsmittel entwickelt und getestet, die die Ergonomie in der Produktion weiter verbessern sollen. Bild: AnastasiiaUsoltceva - Fotolia.com

Bei Mitarbeitern, die an einem Arbeitsplatz körperlich unnötig beansprucht werden oder unnatürliche Bewegungen ausführen müssen, sinkt die Leistungsfähigkeit und die Fehlerquote steigt. Auf Dauer leidet auch ihre Gesundheit. Ein ergonomisch optimierter Arbeitsplatz hilft aber nicht nur den Mitarbeitern, sondern auch dem Unternehmen: Die Krankenstände können reduziert werden und insbesondere ältere Mitarbeiter bleiben länger körperlich fit.

Die Optimierung der Arbeitsplätze in der Produktion ist deshalb auch schon seit vielen Jahren eine wichtige unternehmerische Aufgabe. Doch diese wird immer komplexer: Arbeitsmedizinische Erkenntnisse sind genauso zu berücksichtigen wie Lean-Production-Methoden und die fortschreitende Vernetzung im Rahmen der Industrie 4.0. Auch Erfahrungen im Projektmanagement sind unerlässlich, damit die neuen Konzepte und Hilfsmittel akzeptiert und eingesetzt werden.

Für diese vielseitige Aufgabe gibt es speziell ausgebildete Fachkräfte. Oder eigene Mitarbeiter werden dementsprechend geschult, z.B. zum Ergonomiebeauftragten oder Gesundheitsmanager finden Sie auf Fortbildung24). Bewährt haben sich auch Programme, die das Ideenpotenzial der Mitarbeiter nutzen. Diese werden aufgefordert, ihre Vorschläge zur Verbesserung der Arbeitsplätze einzubringen; letztendlich wissen sie am besten, wo es „klemmt“.

 

Gerade in den letzten Monaten sind – meist im Rahmen von Pilotprojekten – einige neue Werkzeuge und Hilfsmittel entwickelt und getestet worden. Vielversprechende Beispiele aus der Automobilbranche sind u. a.:

  • Spezialhandschuhe bei Audi: Dieser Handschuh funktioniert wie eine medizinische Orthese, er entlastet und stabilisiert; er reduziert die Druckbelastung, z. B. beim Befestigen von Zierleisten, laut Audi, um mehr als 50 Prozent.
  • Daumenorthesen bei BMW: BMW testet im Rahmen eines Pilotprojektes einen individuell angefertigten, flexiblen Daumenschützer. Diese werden mit einem 3D-Drucker hergestellt. Sie schützen den Daumen vor übermäßiger Belastung und Überstreckung, wenn Stopfen aus Hartgummi in Karosserielöcher eingedrückt werden.
  • Sitzhilfen bei VW: In einem Pilotprojekt wurde ein besonders leichter Hocker mittels 3D-Druck hergestellt. Er ist höhenverstellbar und drehbar und an seinen Seiten sind auch Taschen für Kleinteile und Werkzeuge angebracht.
  • Chairless Chair bei Audi: Diese Hightech-Konstruktion aus Carbon ermöglicht das Sitzen ohne einen Stuhl. Sie wird wie ein Exoskelett an der Rückseite der Beine getragen; die Sitzflächen befinden sich unterhalb der Oberschenkel. Sensoren erkennen z. B. die Bewegung in Richtung Sitzen und dadurch versteifen sich die Gasdruckfedern so, dass man auf der Konstruktion sitzen kann. Bei Entlastung werden die Federn gelöst.

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