Ab 2018 will Hirschvogel auch in Mexiko produzieren. Bild: Hirschvogel

Ab 2018 will Hirschvogel auch in Mexiko produzieren. Bild: Hirschvogel

Dr. Thomas Brücher, der als Mitglied der Hirschvogel Geschäftsführung die Bereiche Vertrieb, Einkauf und Entwicklung verantwortet, kann für das Jahr 2015 ein „tendenziell positives“ Fazit ziehen. So kletterte der Umsatz der Gruppe um 7 Prozent auf 931 Millionen Euro bei einem Ausstoß von 317.700 Tonnen. Mit Ausnahme des Werks im chinesischen Pinghu, des Standorts in Columbus / Ohio (USA) und dem Werk im bayerischen Schongau konnten demnach alle Werke zu diesem Wachstum beitragen. Columbus verfehlte aufgrund nicht realisierter Aufträge den geplanten Grundumsatz um 10 Prozent, Pinghu bekam die Marktabkühlung in China  zu spüren und erreichte per Dezember 2015 die geplanten Wachstumsziele vor allem im 3. Quartal „nicht ganz“. Vom „China-Syndrom“ erfasst wurde letztlich auch Schongau: Im Vergleich zum Vorjahr legte der Umsatz per Oktober dort zwar um etwa 5 Prozent zu, lag aber noch leicht unter den Planzahlen. Das Stammwerk Denklingen konnte aus den Marktentwicklungen 2015 positive Impulse mitnehmen und im Grundumsatz im Zeitraum Januar bis Dezember weiter deutlich wachsen. Positive Signale kommen auch aus Polen und Indien.

Das Tochterunternehmen in Indien, 2015 noch am Standort in Ranjangaon, ist den Angaben des Unternehmens zufolge im letzten Jahr mit einer Steigerung des Grundumsatzes um etwa 20 % gewachsen. Neben einer guten operativen Leistung ist es dem Hirschvogel-Team in Indien mit Unterstützung aus Deutschland gelungen, den Bau eines komplett neuen Werks „auf der grünen Wiese“ in Sanaswadi bis auf Restarbeiten abzuschließen. Die offizielle Eröffnung wird nächste Woche (KW 8) stattfinden.

Brücher ist sich mit seinen Geschäftsführungskollegen Dr. Alfons Hätscher (Finanzen) und Frank Anisits (Produktion) einig: „Wir werden voraussichtlich für das Jahr 2016 zum ersten Mal in der Geschichte unseres 78-jährigen Unternehmens die Umsatzmarke von einer Milliarde Euro knacken.“ Aufgrund des hohen Lieferanteils an Premiumkunden, des Exportanteils dieser Kunden und der eigenen globalen Präsenz sieht das Leitungs-Trio Hirschvogel weiterhin gut aufgestellt. Insgesamt stünden die Chancen gut „das bisherige profitable Wachstum auch 2016 fortzusetzen.“ Die Kundenabrufe stellten sich weiterhin stabil dar, an den meisten Standorten befänden sie sich sogar auf Rekordniveau.

Die bereits seit Jahren zu beobachtenden Branchentrends bleiben aus der Perspektive des Hirschvogel-Managements auch 2016 bestehen: Neue Mobilitätskonzepte, E-Mobilität, Leichtbau, Optimierung konventioneller Antriebssysteme, weltweite Plattform-Strategien der Fahrzeughersteller, aber auch steigender Preisdruck oder Forderung nach erhöhter Kostentransparenz.

Die Geschäftsführer prognostizieren für das Jahr 2016 ein „deutlich zweistelliges Wachstum“ in den Werken in Indien und China und heben außerdem die Hirschvogel Aluminium GmbH in Marksuhl hervor, die „aufgrund der steigenden Nachfrage nach Aluminium-Fahrwerksteilen im Umsatz deutlich um 40 % zulegen wird“.

Alfons Hätscher: „Wir werden weiterhin kräftig in unsere Standorte weltweit investieren“. Konkrete Zahlen werden in diesem Zusammenhang traditionell nicht kommuniziert. „Das Investitionsvolumen, welches das Wachstum der kommenden Jahre sicherstellen wird, wird sich nach wie vor auf einem hohen Niveau bewegen“  - so die offizielle Lesart.

In den Planungsgesprächen in Denklingen dürfte in den letzten Monaten ein Stichwort öfter gefallen sein: Mexiko. Thomas Brücher verrät: „Um die Marktchancen im NAFTA-Raum besser nutzen zu können, planen wir, die globale Präsenz durch den Aufbau eines neuen Produktionsstandorts in Mexiko bis Ende 2018 zu erweitern.“ Damit folgt Hirschvogel in der Standortpolitik seinen wichtigsten Auftraggebern BMW, dem Volkswagen-Konzern, Daimler, Bosch und ZF.

Konkret als weitere Großprojekte definiert und geplant sind Gebäudeerweiterungen und Investitionen in neue Anlagen im Werk USA, zwei neue Presslinien und eine neue Umformhalle mit Kantine im Werk China, der Neubau der Halle 8 und Installation weiterer Bearbeitungslinien am Standort Schongau sowie die Anschaffung neuer Pressenlinien im Stammwerk in Denklingen und am Standort Marksuhl. „Am Standort Schongau werden wir dieses Jahr mit etwa. 25 Millionen Euro die höchsten Investitionen seit Bestehen der Hirschvogel Komponenten GmbH realisieren“, sagt Alfons Hätscher.

Technologisch will sich die Hirschvogel Automotive Group als neues Aktionsfeld die Generative Fertigung erschließen. Diese wird auch als „Additive Manufacturing“ oder 3-D-Druck bezeichnet und ermöglicht die Herstellung von Bauteilen durch 3-D-Druck. Diese Fertigungstechnologie hat sich inzwischen so weit entwickelt, dass das Verfahren industriell nutzbar ist. Frank Anisits: „Wir sehen im 3-D-Druck eine Ergänzung in der Fertigungstechnik zur Umformung und Weiterveredelung. Wir werden deshalb die Generative Fertigung zukünftig als weiteres Fertigungsverfahren einsetzen und unseren Kunden anbieten“. Im Fokus werde dabei zunächst die Einzelteil- und Kleinserien-Produktion stehen. „Eine Serienfertigung wird jedoch angestrebt“, sagt Anisits.