Dürr erzielt Technologiesprung bei der Zweiton-Lackierung

Der zweite Farbton wird aus 30 Millimetern Distanz in parallelen Strahlen auf die Karosserieoberfläche appliziert. Eine wenige Quadratzentimeter große Düsenplatte verhindert Overspray. Bild: Dürr

Moderne Automobillackierereien sind unschlagbar effizient - wenn nur eine Farbe lackiert wird. So werden dank hochautomatisierter Prozesse in großen Werken über 300.000 Karosserien pro Jahr in konstant hoher Qualität beschichtet. Kommt aber eine Zier- und Kontrastfarbe dazu, etwa auf Dächern oder als Designstreifen, nimmt der Aufwand deutlich zu:

Nachdem die komplette Karosserie in der Grundfarbe lackiert, getrocknet und gekühlt wurde, muss sie in Handarbeit mit Klebefolie maskiert werden – bis auf die Bereiche, die eine andere Farbe erhalten sollen. Danach geht es nochmals in die Lackierlinie, wo die zweite Farbe aufgetragen wird. Nach neuerlichem Trocknen und Kühlen muss die Folie wieder manuell abgezogen werden.

Das ist nicht nur mit hohen Arbeitskosten verbunden, im Vergleich zur einfarbigen Lackierung steigt auch der Energiebedarf für das Einbrennen des Lacks um mindestens 25 %. Zudem müssen pro Karosserie 6 bis 15 Quadratmeter Klebefolie entsorgt werden. Darüber hinaus wird die Lackierlinie durch den zweiten Lackauftrag blockiert, es geht also wertvolle Zeit verloren.

 

Das neue Dürr-Verfahren mit dem Namen EcoPaintJet verfügt über einen speziellen  Applikator. Auf einem Roboterarm bewegt er sich über die Zielfläche und trägt den Lack absolut trennscharf auf. „Der Lack landet exakt auf den vorgesehenen Flächen, nicht aber daneben – auch nicht in Kleinstmengen“, schreibt Dürr in einer Mitteilung. Daher müsse der Rest der Karosserie auch nicht mehr abgeklebt werden. Nach einer Taktzeit von 120 Sekunden ist demnach ein Karosseriedach mit der Kontrastfarbe lackiert. Zum Vergleich: Beim Maskieren dauert allein das Aufbringen und Abnehmen der Klebefolie etwa 50 Minuten.

Seine hohe Präzision erreicht der EcoPaintJet, weil der Applikator komplett ohne Overspray arbeitet. Beim EcoPaintJet verhindert eine filigran gearbeitete, wenige Quadratzentimeter große Düsenplatte das Entstehen dieses unerwünschten Lacknebels.

Die Düsenplatte bildet die Unterseite des rechteckigen Applikators und ist mit rund 50 kaum sichtbaren Löchern versehen, die einen Durchmesser von circa 1 Zehntelmillimeter haben. Durch sie wird der Lack aus 30 Millimetern Entfernung in parallelen Strahlen auf das Karosserieblech appliziert.

Schwingungsfrei bewegt wird der Applikator von einem Lackierroboter des Typs EcoRPL 133i. Ein mit Sensoren ausgestattetes Messsystem vermisst die zu lackierende Fläche dreidimensional und sendet die Daten an die Steuerungs-Software.

Diese errechnet permanent, in welcher Bahn der Applikator über die Fläche bewegt werden muss, um das optimale Lackierergebnis zu erzielen. Dabei wird auch bestimmt, wie sich der Applikator drehen muss und welche Geschwindigkeit er benötigt, um die exakt richtige Lackmenge aufzutragen. 

Der EcoPaintJet wird derzeit bei mehreren Automobilherstellern getestet. Unterdessen arbeitet Dürr bereits an einer Weiterentwicklung der Technologie, die auch komplexere Geometrien lackieren kann. Bei dieser Version mit dem Namen EcoPaintJet Pro lässt sich jedes Loch in der Düsenplatte individuell öffnen und schließen. Das eröffnet noch mehr Möglichkeiten bei der Produktindividualisierung. Zukünftig soll – ähnlich wie bei einem Digitaldrucker – auch der automatische Auftrag von Schriftzügen und Logos möglich sein.

Dr. Lars Friedrich, im Vorstand der Dürr Systems AG für Applikationstechnik zuständig: „Mit diesem Hightech-Verfahren kann die Automobilindustrie Individualisierungswünsche von Kunden schneller und in Spitzenqualität erfüllen. Das Interesse am Markt ist groß, da wir mit der neuen Technologie echten Mehrwert bieten.“