Opel in Genf 2011

Opel präsentiert in Genf die Serienversion des elektrischen Ampera. - Bild: GM

Der Rüsselsheimer Autobauer hat das Verkaufsziel für 2011 angehoben. In diesem Jahr würden 1,3 bis 1,4 Millionen Autos verkauft, sagte Vorstandsvorsitzender Nick Reilly am Dienstag am Rande des Genfer Automobilsalons.

Opel präsentiert der Weltöffentlichkeit auf der Messe die Serienversion des Elektroautos Ampera. Die 5-türige Fließhecklimousine kann seit Ende 2010 vorbestellt werden. Die Auslieferung des strombetriebenen Schwestermodells des Chevrolet Volt sollen Ende dieses Jahres starten. Der Ampera ist ein Elektroauto mit sogenanntem Range Extender – also einem kleinen Verbrennungsmotor, über den die Batterie aufgeladen werden kann. Der Preis liegt in Europa bei etwas unter 43.000 EUR.

Mit Blick auf die Sanierung des Unternehmens bekräftigte Reilly, diese laufe weitgehend nach Plan oder sogar etwas besser. Hinter den ursprünglichen Plänen zurück hinkt Opel nach seiner Aussagen einzig bei der eigentlich für 2010 vorgesehenen Schließung des Getriebewerks in Bochum.

Das Getriebewerk an dem nordrhein-westfälischen Standort wurde entgegen den Planungen offen gelassen, damit die Opel-Mutter General Motors die hohe Nachfrage in Brasilien bedienen kann. Reilly sagte, das Getriebewerk werde – sollten sich keine unvorhergesehenen Änderungen ergeben – nun voraussichtlich in diesem Jahr geschlossen.

Harter Sparkurs verordnet

Nachdem General Motors (GM) Ende 2009 entschieden hatte, Opel doch nicht zu verkaufen sondern in Eigenregie zu sanieren, verordneten die Amerikaner der Europa-Tochter eine harte Sparkur, die das Unternehmen wieder in die Gewinnzone zurückzuführen soll. Um die Kapazitäten von Opel und der britischen Schwestermarke Vauxhall um ein Fünftel zu reduzieren, werden europaweit aktuell rund 8.000 von insgesamt etwa 48.000 Arbeitsplätzen abgebaut; das Werk im belgischen Antwerpen wurde Ende 2010 geschlossen.

Die Kosten des Stellenabbaus und der Werksschließung verhagelten Opel und der britischen Schwestermarke Vauxhall im vergangenen Jahr die Bilanz: 2010 war Europa die einzige Region, in der GM Verluste einfuhr. Das Minus lag mit rund 1,8 Mrd USD allerdings niedriger als befürchtet.

Die Amerikaner erzielen nach einer weitreichenden finanziellen Sanierung unter Chapter 11 wieder Milliarden-Gewinne und feierten im November ein erfolgreiches Comeback an der Wall Street. 2010 war – trotz der Verluste in Europa – das beste des US-Konzerns seit 1999. Aus der Zentrale in Detroit wurden die Forderungen nach Fortschritten in Europa zuletzt zunehmend ungeduldiger. Dem Vernehmen nach sollen die Restrukturierungsexperten von AlixPartners die eher schleppende Sanierung der Tochter vorantreiben.

General Motors will Opel allerdings nicht nur gesund schrumpfen, sondern auch Geld in die Hand nehmen, um der defizitären Tochter wieder auf die Beine zu helfen. In den nächsten fünf Jahren werden 11 Mrd EUR in die Erneuerung der Modellpalette investiert, um neue Kunden zu gewinnen. Geplant ist unter anderem ein Kleinwagen mit dem Arbeitstitel “Junior”, der dem Trend zu sparsamen Stadtflitzern Rechnung tragen soll. Zudem wird Opel wieder ein Cabrio bauen und entwickelt einen kleinen SUV auf Corsa-Basis.

Dem schwierigen Marktumfeld in Europa will Opel zudem mit einer stärkeren Internationalisierung begegnen. Reilly kündigte zuletzt an, 2010 und 2011 in zehn bis elf neuen Märkten aktiv zu werden, darunter China, Australien und der Nahe Osten. Das Absatzpotenzial auf diesen Märkten sieht Opel bei insgesamt etwa 100.000 Autos jährlich. In diesem Jahr werde es allerdings noch kein großes Volumen auf den Exportmärkten geben, sagte Reilly am Dienstag.

gw/Dow Jones Newswires