Porsche-Produktionsvorstand Albrecht Reimold

Porsche Produktionsvorstand Albrecht Reimold: „Die enge Verzahnung von Design, Entwicklung, Karosserieplanung, Werkzeugfertigung und Produktion innerhalb des Porsche-Konzerns wird die Qualität unserer Sportwagen maßgeblich beeinflussen.“ Bild: facesbyfrank

Der Zweck des heute (4.9.18) offiziell besiegelten Gemeinschaftsunternehmens der beiden schwäbischen Unternehmen Schuler (Göppingen) und Porsche (Zuffenhausen) ist ein sogenannter Smart-Press-Shop. Mit zukunftsweisenden Technologien soll das neue Presswerk hoch flexibel anspruchsvolle Karosserie-Teile herstellen; der Schwerpunkt liegt dabei  einer Mitteilung zufolge auf Aluminium-Außenhautteilen sowie der Fertigung kleiner Losgrößen. 

„Mit dem Joint Venture stellt Porsche wichtige Weichen für die Sportwagen-Produktion der Zukunft. Den ersten Schritt haben wir bereits 2015 mit der Integration des Porsche Werkzeugbaus gemacht. Das Gemeinschaftsunternehmen mit der Schuler AG ist eine logische Konsequenz“, sagt Albrecht Reimold, Vorstand Produktion und Logistik der Porsche AG, der mit dem Thema Werkzeugbau von der Pike auf vertraut ist.

Es gehe „um die Nutzung von Zukunftstechnologien und Innovationen, um Prozesse noch effizienter zu gestalten. Die enge Verzahnung von Design, Entwicklung, Karosserieplanung, Werkzeugfertigung und Produktion innerhalb des Porsche-Konzerns wird die Qualität unserer Sportwagen maßgeblich beeinflussen.“

„Porsche und Schuler bringen gemeinsam ein Presswerk zum Einsatz, das in zweifacher Hinsicht neue Maßstäbe setzt – bei der Leistungsfähigkeit in der industriellen Fertigung und bei der digitalen Vernetzung und Auslesbarkeit der Datenströme im gesamten Produktionsprozess“, sagt Domenico Iacovelli, Vorstandsvorsitzender der Schuler AG. „Von diesem großen Schritt nach vorn wird Porsche profitieren, aber letztlich andere Hersteller auch.“

Die konsequente Weiterentwicklung des Prozess-Know-hows im Bereich der Metall-Umformung erfolgt unter anderem durch die durchgehende Vernetzung der Produktionsdaten und den Einsatz des maschinellen Lernens. Neue Maßstäbe setzen Porsche und Schuler mit Themen wie „predictive maintainance“ (vorausschauender Wartung) oder einer intelligenten Produktionssteuerung.

In dem Joint Venture kommt die neue Servo 20-Technologie von Schuler zum Einsatz. Sie steigert den maximalen Output von 18 auf 20 Hübe pro Minute und reduziert dabei den Energieverbrauch pro Hub und Bauteil. Durch ein neu entwickeltes Konzept zum Werkzeugwechsel können kleine Losgrößen mit hoher Wirtschaftlichkeit produziert werden. Weitere Merkmale der neuen Linie sind ein optimierter Servo-Antrieb der Folgepressen und ein verringerter Platzbedarf.


Das Gemeinschaftsunternehmen wird als eigenständige GmbH & Co. KG geführt. Die Anteile liegen zu gleichen Teilen bei der Schuler AG, einer Tochter der Andritz-Gruppe, und Porsche. Porsche und Schuler investieren jeweils in zweistelliger Millionenhöhe in das Gemeinschaftsunternehmen.
Es entstehen dem Vernehmen nach mehr als 100 neue hochqualifizierte Arbeitsplätze. Der Sitz des neuen Unternehmens steht aktuell noch nicht fest. Ziel ist es, mit der Wahl des Standortes die CO2-Emissionen zu reduzieren, indem die Logistikwege für Karosserie-Teile minimiert werden.

Porsche verfolgt im Rahmen der Strategie 2025 das Ziel, seine Kompetenz im Bereich Leichtbau konsequent auszubauen. Vor diesem Hintergrund hatte das Unternehmen bereits Mitte 2015 die Werkzeugbausparte von Kuka mit den Standorten im sächsischen Schwarzenberg und im slowakischen Dubnica übernommen und als Porsche Werkzeugbau GmbH in den Porsche-Konzern integriert. Durch die enge Verzahnung von Design, Entwicklung, Karosserieplanung und Werkzeugfertigung wird bereits in einer frühen Phase der Fahrzeugentwicklung die Qualität der Sportwagen entscheidend beeinflusst.

Bereits Mitte August hatte die Europäische Kommission dieses gemeinsame Vorhaben freigegeben. Die Freigabe durch weitere Wettbewerbsbehörden steht aktuell noch aus.