Das Rapsöl für die Bio-Polyole von RAMPF wird aus heimischen Pflanzen gewonnen. (Bild: Sophia

Das Rapsöl für die Bio-Polyole von RAMPF wird aus heimischen Pflanzen gewonnen. (Bild: Sophia Winters - Fotolia.com)

Die auf PUR- und Epoxidharzsysteme sowie Silikone spezialisiere Rampf Giessharze GmbH & Co. KG strebt an, ihren Umsatz mit auf Bio-Polyolen basierenden Produkten bis 2012 zu verdoppeln. Beim Fachkongress Bio-Based Chemicals Europe in Mailand feierte vergangene Woche eine neue Kunststoff-Generation Premiere.

Mit der Schwesterfirma Rampf Ecosystems wurden zwei spezielle Vergussmassen aus Rapsöl entwickelt, die unter anderem bei Ladesteckern von Elektrofahrzeugen zum Einsatz kommen. Beide Unternehmen gehören zur internationalen Rampf-Gruppe aus Grafenberg. Der Unternehmensverbund zählt mit rund 410 Mitarbeitern und einem geplanten Umsatz von 85 Mio. Euro für das laufende Geschäftsjahr 2010/2011 zu den führenden Unternehmen auf dem Gebiet der Reaktionsgießharze und Maschinensysteme. Seine Präsenz am Markt sichert sich Rampf mit insgesamt fünf operativen Firmen. Sie alle sind unter dem Dach einer Holding vereint. Wichtige Auslandsmärkte sind Europa und Asien sowie die NAFTA-Regionen. So unterhält Rampf eigene Vertretungen in den USA, Japan und China.

Mit Rampf Ecosystems aus Pirmasens widmet sich ein Geschäftsbereich ausschließlich dem Recycling von Polyurethan und der Erforschung von nachwachsenden Rohstoffen wie etwa Rapsöl, Milchzucker, Fett und Glycerin.

Zu den Kernkompetenzen zählt die Forschung an nachwachsenden Rohstoffen. (Bild: Rampf)

Polyurethan-Produktionsreststoffe und „post-consumer“ PET aus Verpackungen (grüner Punkt) sind für Rampf Ecosystems keine Abfälle, sondern wertvolle Roh-stoffquellen. Sie werden durch spezielle chemische Verfahren, wie Glykolyse, Acidolyse oder Polyolyse zu (Recycling-) Polyolen aufbereitet. Die sogenannten Recypole und Petole fließen erneut in die Herstellung von Polyurethan ein. Kunden sind die Firmen der Rampf-Gruppe aber auch andere Systemhäuser. Für den Recyclingprozess hat Rampf eine Anlage für thermische Glykolyse entwickelt. Heute zählt sie zu den Größten ihrer Art in Europa. Und im Frühjahr 2011 wird eine weitere Anlage am Standort Pirmasens hinzukommen. Nicht zuletzt wegen der gestiegenen Nachfrage nach Bio-Polyolen. Damit verdoppeln die Recyclingspezialisten ihre jähr-lichen Kapazitäten auf rund 5.000 Tonnen.

Neben der Produktion von Formteilen wie Kopfstützen und Schaltknäufen übernimmt Rampf Ecosystems auch den Anlagenbau direkt beim Kunden. Damit schließen sie vor Ort den Kreislauf aus PUR-Verarbeitung, Reststoffverwertung und erneutem Einsatz der gewonnenen Polyole.

Kabeltülle und Stecker für Elektrofahrzeuge aus Rapsöl

Um das Anwendungsspektrum von nachwachsenden Rohstoffen bei der Polyurethan-Kunststoffproduktion zu erweitern, modifiziert und funktionalisiert Rampf Ecosystems seit 1999 gezielt nachwachsende Rohstoffe. Das Unternehmen setzt dabei vor allem auf heimische Pflanzenöle wie Rapsöl, welches direkt in einer nahe gelegenen Ölmühle gewonnen wird.

Die Kabeltülle aus Bio-Kunststoff enthält Rapsöl und ist deshalb besonders hydrolysestabil. (Bild: Rampf)

Die Vorteile von Bio-Polyolen für Hersteller und Kunde liegen auf der Hand. Lang-fristige Verfügbarkeit, CO2-Neutralität und verbesserte Produkteigenschaften machen Bio-Kunststoffe zu einer wahren Konkurrenz für konventionelle Materialien. „Im Vergleich zu einem Polyurethan auf petrochemischer Basis lässt sich der Ausstoß an Treibhausgasen um 30% reduzieren. Zudem lassen sich Verbesserungen bei den Funktionalitäten erzielen“, betont Michael Kugler, Betriebsleiter bei Rampf Ecosystems. Beispielsweise zeigen Zuckerderivate hohe Funktionalitäten auf, die im späteren Polyurethan zu höherer Vernetzung und bei den Hartschäumen zu besseren mechanischen Schaumeigenschaften führen. Polyole auf Basis von Pflanzenölen, das heißt den entsprechenden Fettsäuren, zeigen einen ausgesprochen hydrophoben Charakter und werden deshalb gerne in hydrolysestabilen Polyurethanen eingesetzt. Den Beweis dafür liefern die ersten Produkte von Rampf Giessharze und Rampf Ecosystems auf Basis von Raps- und Sojaöl. Seit kurzem ist eine effiziente Vergussmasse am Markt, die als Schutzhülle in Kabeltüllen für LKWs eingesetzt wird. Das Hartschaumprodukt aus Rapsöl überzeugt durch beste mechanische Festigkeiten und eine hervorragende Vibrations-, Schall- und Wärmedämmung.

Weiterhin haben die Experten ein Elektrogießharz aus Bio-Polyolen entwickelt, das zum Beispiel im Ladestecker von Elektrofahrzeugen Verwendung findet. Das Material gleicht extreme Temperaturunterschiede aus, schützt aber auch vor Überhitzung, Stößen und Chemikalien. Beim renommierten Fachkongress Bio-Based Chemicals Europe in Mailand feierte die neue Kunststoff-Generation von Rampf vergangene Woche erfolgreich Premiere. Dort stellte Geschäftsführer Dr. Klaus Schamel die aktuellen Produktentwicklungen dem Fachpublikum vor.

Einen Beitrag zu Biopolymeren finden Sie auch in der AUTOMOBIL PRODUKTION-Ausgabe 01/2011