PwC Studie Smart Factories

K.-O.-Kriterium Industrie 4.0: Für 71 Prozent sind Smart Factories unabdingbar, um national und international wettbewerbsfähig zu bleiben. - Bild: PwC Zum Vergößern klicken!

Die ‘Smart Factory’ – und mit ihr das Konzept der voll vernetzten Produktion – ist in Deutschland noch die Ausnahme.

Wie die Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC jetzt herausfand, koordiniert und steuert erst jedes fünfte Unternehmen die Abläufe in seinen Produktions- und Betriebsstätten über vernetzte IT-Systeme. Von den Firmen, die mehr als 20 Produktionsstätten unterhalten, hat demgegenüber bereits jedes dritte mindestens eine ‘Smart Factory’ eingerichtet. Bei rund der Hälfte aller Befragten ist die Einrichtung einer ‘Smart Factory’ in Planung, ein weiteres Fünftel setzt sich mit dem Thema auseinander. Befragt wurden 100 Unternehmen.

“Es liegt auf der Hand, dass das Konzept der vernetzten Fabrik für Unternehmen mit einer auf viele Standorte verteilten Wertschöpfungskette besonders attraktiv ist. Doch auch viele kleinere Betriebe, die an wenigen oder nur einem Ort produzieren, erkennen die Vorteile der ‘Smart Factory’. Auch sie können beispielsweise durch die Verarbeitung von Echtzeitinformationen zu Auftragseingängen und Lagerbeständen bei Zulieferern ihre Produktionsprozesse beschleunigen und flexibler gestalten”, erläutert Michael Rasch, PwC-Partner und verantwortlich für den neu geschaffenen Geschäftsbereich Digitale Transformation.

Die Erfahrungen der Unternehmen, die bereits auf die ‘Smart Factory’ setzen, seien auch für kleinere Betriebe ermutigend. Die Umsetzung des Konzepts gerate oft deutlich günstiger als zunächst erwartet. So gehen rund 50 Prozent der Befragten, die die Einrichtung einer ‘Smart Factory’ planen, von Investitionen über mindestens zwei Millionen Euro aus. In der Praxis sind jedoch über 70 Prozent der Unternehmen, die die Umstellung bereits bewältigt haben, mit zum Teil deutlich geringeren Kosten ausgekommen. In gut vier von zehn Betrieben beliefen sich die Investitionen für die ‘Smart Factory’ sogar auf weniger als eine Million Euro.

Nicht zu unterschätzen ist der PwC-Expertise zufolge allerdings der Zeitbedarf der Umstellung. Von den befragten Unternehmen mit mindestens einer ‘Smart Factory’ nannten die meisten das ‘zeitintensive Verfahren’ als höchste Hürde bei der Umsetzung, gefolgt vom Weiterbildungsbedarf für Mitarbeiter. Die Investitionen in notwendige Technologien stehen erst an dritter Stelle. Von den befragten Umstellungsplanern sehen hingegen die meisten die Kosten als größtes Hindernis, gefolgt vom fehlenden Know-How.

Auf die Frage nach den drei größten Vorteilen der ‘Smart Factory’ nennen die Betriebe, die bereits Erfahrungen mit der vernetzten Fabrik haben, an erster Stelle die Qualitätssteigerung (52 Prozent), gefolgt von höherer Flexibilität (43 Prozent) und mehr Produktivität (38 Prozent). Damit unterscheiden sich die realen Erfahrungen zum Teil deutlich von den Erwartungen, die Unternehmen mit dem Konzept verknüpfen. So gehen die befragten Planer einer ‘Smart Factory’ zwar auch von mehr Flexibilität aus, immerhin 44 Prozent erhoffen sich aber auch eine Umsatzsteigerung dank der Vernetzung. Diesen Effekt halten allerdings nur 28 Prozent der Unternehmen mit einer ‘Smart Factory’ für wesentlich.

Wie PwC aus den Umfrageergebnissen herausgefiltert hat, ist die Gewährleistung der Datensicherheit eine nicht zu unterschätzende Schwierigkeit bei der Einrichtung einer ‘Smart Factory’. Immerhin sieht jedes fünfte Unternehmen, das seine Produktion bereits vernetzt hat, Vorkehrungen gegen Datendiebstahl als erhebliche Herausforderung bei der Umstellung. “In vernetzten Steuersystemen werden Anwendungen zwangsläufig angreifbarer. Eine Absicherung der Datenströme und eine tragfähige Überwachung ‘End-to-End’ sind unbedingt erforderlich, um unbefugten Zugriff zu vermeiden oder wenigstens sofort zu bemerken, um schnell Gegenmaßnahmen einleiten zu können”, betont Derk Fischer, PwC-Experte für Informationssicherheit.

Christian Klein