Smart-Werk in Hambach.

Das Smart-Werk im lothringischen Hambach steht seit der Standortentscheidung im Jahr 1994 für ein innovatives, besonders schlankes Fertigungskonzept. Bild: Smart

Mit Investitionen von rund 200 Millionen Euro für die Produktion der neuen Generation des Zweisitzers hat das Werk sein ursprüngliches Produktionskonzept entsprechend dem neuesten Stand der Technik fortgeschrieben und zugleich die Flexibilität der Fertigung weiter erhöht.

“Die Historie von Smart ist untrennbar mit unserem Standort in Hambach verbunden. (…) Und jetzt, wo mit der neuen Generation Smart die Marke eine neue Ära beginnt, gilt: Smartville ist einer der entscheidenden Erfolgsfaktoren unserer Marke”, so Smart-Chefin Annette Winkler.

“So wie die neue Smart-Generation weiterhin die Tugenden des Ur-Smart verkörpert, haben wir auch die seinerzeit revolutionäre Produktionsphilosophie im Kern beibehalten”, betont Joachim Betker, der als junger Ingenieur schon bei der Werkseröffnung 1997 dabei war und – nach diversen Stationen im Daimler-Konzern – im Jahr 2011 als Standortchef nach Hambach zurückgekehrt ist. “Unser Fertigungskonzept basiert darauf, dass wir bei Smart den Standort übergreifend mit Verantwortung für das Endprodukt steuern und gleichzeitig für zahlreiche Produktionsumfänge die Kompetenz von spezialisierten Lieferanten und Dienstleistern nutzen, die wir hier als Systempartner bezeichnen.”

‘Smartville’: innovatives, besonders schlankes Fertigungskonzept

Warum der Produktionsstandort Hambach insgesamt auch als ‘Smartville’ bezeichnet wird, erklärt ein Blick aus der Vogelperspektive: Im Zentrum des Industriekomplexes mit einer Gesamtfläche von 68 Hektar – davon 17,5 Hektar bebaut – steht das Smart-Zentralgebäude, das von separaten Hallen für die Systempartner umgeben ist. Diese produzieren dort Komponenten, montieren Module vor oder erbringen Logistikdienstleistungen.

Im Zentralgebäude in Form eines Plus-Zeichens findet die Endmontage der Fahrzeuge statt: Die Fahrzeuge laufen auf dem Fließband durch jeden der vier Ausläufer („Äste“) mit den jeweiligen Montagestationen. Dank der langen Außenwände dieser Äste können alle Module und Teile unmittelbar an den Montagestationen zum Einbau bereitgestellt werden, und zwar exakt zur richtigen Zeit (‘just in time’) sowie in der richtigen Reihenfolge (‘just in sequence’) für jedes individuelle Fahrzeug. Die Bereitstellung durch die Systempartner erfolgt direkt über Transportbrücken, weitere Umfänge werden über die zahlreichen Lkw-Andockstellen angeliefert. In der Mitte des Plus-Zeichens befinden sich weitere Stockwerke für den Verwaltungsbereich des Werks, ein achteckiger überdachter Innenhof ermöglicht den jederzeitigen Blickkontakt zur Produktion. Die Kantine im obersten Stockwerk steht allen Beschäftigten am Standort Smartville zur Verfügung und ist damit auch tägliche Begegnungsstätte für die Smart Mannschaft und die Mitarbeiter der Systempartner.

Zu den Systempartnern auf dem Werksgelände zählen unter anderem Magna Chassis (tridion-Sicherheitszelle), Magna Doors (Türen, Heckklappe), Faurecia (Bodypanels), ThyssenKrupp (Hinterachsantriebsmodul und Vorderachse) und SAS (Cockpit). Die Systempartner haben eine weitgehende Verantwortung für ihre Module. So prüft beispielsweise Magna Doors an speziellen Geometriestationen die exakte Maßhaltigkeit der Kunststofftüren des neuen Smart fortwo, so dass bei der Endmontage am Fahrzeug keine Justiermaßnahmen mehr notwendig sind.

Auf dem Gelände von Smartville gibt es außerdem eine insgesamt rund 1,5 Kilometer lange Teststrecke zur Vorserien-Erprobung und Qualitätssicherung, mit der das Fahrzeugverhalten auf vielen unterschiedlichen Fahrbahnoberflächen, darunter auch einer Rüttelstrecke, untersucht werden kann.

Smart-Fertigung in Hambach: Vor allem im Jahr 2013 wurde kräftig in die Weiterentwicklung des Produktionskonzepts investiert. Bild: Smart

Smart-Fertigung in Hambach: Für die Fertigung des neuen Smart fortwo hat das Unternehmen rund 200 Millionen Euro am Standort investiert. Bild: Smart

Die neue Generation Smart: Weiterentwicklung und noch mehr Flexibilität im Smart-Werk

In den vergangenen Jahren, vor allem 2013, sorgte die Weiterentwicklung des Produktionskonzepts für die größten baulichen Veränderungen seit der Werkseröffnung. Rund 30.000 Quadratmeter Fläche wurden zusätzlich erschlossen, unter anderem für ein neues Logistikzentrum. Bereits im vergangenen Jahr wurde eine neue Lackieranlage in Betrieb genommen: Eine umweltfreundliche Nass-in-Nass-Lackierung ersetzt die frühere Pulverlackierung. Damit hat sich sowohl die Durchlaufgeschwindigkeit als auch die mögliche Farbvielfalt der Lacke deutlich erhöht, so dass Smart-Kunden nun auch die Farbe der tridion-Sicherheitszelle aus der gesamten Farbpalette auswählen können.

Ähnlich umfangreich fielen die Maßnahmen im Rohbau aus: Neue Fügeverfahren – Metallschutzgasschweißen (MIG/ MAG) sowie Löten statt dem bisher ausschließlich eingesetzten Punktschweißen – erforderten ebenfalls Umbauarbeiten. Zusätzlich wurde die gesamte Fördertechnik in der Endmontage erneuert. Insgesamt erhöhte sich durch die Modernisierung des Werks zugleich die Produktionsflexibilität: Damit können auf einem Band sowohl der neue Smart fortwo als auch weiterhin auf seiner Vorgänger-Generation basierende Varianten produziert werden.

Hochqualifizierte und –motivierte Mannschaft

Rund 800 Mitarbeiter sind direkt bei Smart beschäftigt, etwa ebenso viele bei den Systempartnern vor Ort. “Ohne die Leistungen unserer hochqualifizierten und -motivierten Mannschaft wäre die Erfolgsgeschichte hier am Standort Hambach nicht denkbar”, betont Werkleiter Betker. Die Treue zu Smart ist groß, immerhin die Hälfte der Mitarbeiter ist von Anfang an dabei. Dennoch liegt das Durchschnittsalter mit aktuell 40 Jahren sehr niedrig. „Smartville war schon immer auch ein großes Kooperationsprojekt zwischen Deutschland und Frankreich“, erläutert Betker. „Die Mitarbeiter in den Ingenieurbereichen sind überwiegend dreisprachig: Deutsch, Französisch, Englisch. Auch das trägt in der täglichen Arbeit natürlich zum Erfolg bei.“

Enger Austausch bei der Produktion des neuen Smart forfour

Ein enger Austausch besteht zwischen dem Smart Werk Hambach und dem Renault-Produktionsstandort im slowenischen Novo Mesto, an dem im Rahmen der Kooperation zwischen Smart und Renault der neue Smart forfour vom Band läuft. Mit der Einbindung der Produktions- und Qualitätsexperten aus dem Werk Hambach ist laut Smart sichergestellt, dass alle Fahrzeuge der neuen Generation unabhängig vom Produktionsstandort den Qualitätsstandards entsprechen.

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