Chevrolet Impala

Die Nachfrage brummt. Die US-Autobauer verbesserten dieses Jahr ihren Marktanteil markant. Mehr als 45 Prozent der abgesetzten Autos kamen bis zum April aus den Werken der Detroit-Marken. - Bild: GM

Der Hintergrund: In den USA brummt das Autogeschäft. Die Unternehmen kommen mit der Fertigung kaum hinterher.

Doch die großen Drei aus Detroit – General Motors, Ford und Chrysler – haben auch gegenüber der japanischen Konkurrenz Boden gutgemacht. Im gegenwärtigen Wirtschaftsaufschwung sicherten sie sich eine gute Position. Ihre Autos finden reißenden Absatz, während sich die US-Verbraucher für Kleidung und andere Konsumgüter weit weniger begeistern.

Produktion läuft bereits an der Kapazitätsgrenze

GM, Ford und Chrysler lassen ihre Werke an der Kapazitätsgrenze laufen, die Absatzzahlen sind zuletzt deutlich gestiegen. Die annualisierten Autoverkäufe erreichten im April 14,9 Millionen Fahrzeuge. Die Auto-Chefs wollen jetzt im laufenden Jahr die 15-Millionen-Marke knacken. Das würde die 14,5 Millionen verkauften Autos aus dem Vorjahr klar in den Schatten stellen.

Die US-Autobauer verbesserten dieses Jahr ihren Marktanteil markant. Mehr als 45 Prozent der abgesetzten Autos kamen bis zum April aus den Werken der Detroit-Marken. Sie verwiesen die japanische und südkoreanische Konkurrenz in die Schranken, die sich mit 44,9 Prozent begnügen mussten. Vor einem Jahr hatten die Asiaten noch die Nase vorn. US-Unternehmen kamen auf weniger als 45 Prozent, während die Wettbewerber aus Asien mit 46,3 Prozent Marktanteil den Ton vorgaben.

Japaner sitzen den “Big Three” im Nacken

“Die Japaner fühlen den heißen Atem der großen Drei aus Detroit im Nacken – und das mögen sie nicht”, beschreibt der Analyst Adam Jonas von Morgan Stanley das gegenwärtige Geschehen am US-Automarkt. Die Japaner würden die US-Verbraucher jetzt noch aggressiver mit günstigen Finanzierungskonditionen locken, erwartet Jonas.

Das kümmert General Motors, Ford und Chrysler momentan eher weniger. General Motors setzt die unternehmensweiten Betriebspausen das erste Mal seit dem Jahr 2008 aus. Produktionsstopps werden auf die lange Bank hinausgeschoben, um sich dem Absatzboom anzupassen. Für das Werk in Lansing, Michigan, gibt es zum Beispiel keine Sommerpause im Juli. Dort fertigt die Nummer eins der USA die Cadillac-ATS- und die CTS-Modelle. Gegebenenfalls wollen die Automanager im Laufe des Jahres das Werk für zwei Wochen stilllegen, sollte der reißende Absatz etwas abebben.

Traditionell nutzen die US-Autobauer die Sommerpausen, um ihre Lagerbestände abzubauen und den Arbeitern einen festen Urlaubstermin anzubieten. Außerdem hatte der starre Zeitraum auch technische Gründe. Fabriken konnten gewartet werden. Die Konzerne installierten neue Produktionsmaschinen, stellten die Fertigung auf neue Füße oder strichen schlicht die Werkswände neu an.

Der allgemeine Produktionsstopp ist bei General Motors jedoch erst einmal Geschichte. Der Präsident für Nordamerika, Mark Reuss, begründet die Entscheidung auch mit einer ganzen Reihe neuer Modelleinführungen. Allein in diesem Jahr sollen 23 neue Fahrzeuge auf den Markt kommen.

Bei Ford wird die übliche Produktionsunterbrechung in sechs der nordamerikanischen Werke von zwei auf eine Woche eingedampft. Das zusätzliche Fertigungsplus bringt 40.000 Extra-Fahrzeuge. Das ist ein wichtiger Beitrag, um die Kapazität in Nordamerika in diesem Jahr um 200.000 Stück zu vergrößern.

Chrysler wird bei drei seiner zehn nordamerikanischen Werke auf eine Sommerpause verzichten. In vier weiteren Fabriken gibt es nur eine einwöchige Betriebsunterbrechung. Alle Motoren-, Transmissions- und Stanzwerke werden bis auf eine Ausnahme den Sommer über durchgehend in Betrieb sein.

Produktion muß mit dem Absatz Schritt halten

Dies sei das zweite Jahr in Folge, in dem die Angestellten durch die Sommerpause hindurch im Motorenwerk Trenton am Band stünden, macht Gewerkschaftspräsident Gabe Solano von der UAW deutlich, der Chrysler-Mitarbeiter vertritt. “Glauben Sie mir, das ist keine Beschwerde”, betont Solano. Chrysler kommt aus der Insolvenz. Da sei die gegenwärtige Lage wirklich ermutigend. Noch vor einigen Jahren waren die Arbeiter mit permanenten Sommerunterbrechungen konfrontiert. Die Beschäftigten mussten ihren Urlaub immer zur Zeit der Werksschließungen im Sommer nehmen.

Doch das Abrücken von den Sommerpausen birgt auch Risiken in sich. Die Detroit-Konzerne bauen gewaltige Lagerbestände auf. Sollte der Absatz mit der Produktion nicht Schritt halten, würden die Autokonzerne auf ihren Fahrzeugen sitzen bleiben. Die Autobauer buchen den Umsatz für ein Auto erst, sobald es an den Händler ausgeliefert ist.

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Dow Jones Newswires/Guido Kruschke