Ladestation Mercedes

Im Laufe der Dekade möchte Mercedes-Benz ein globales Schnellladenetz mit mehreren zehntausend Superchargern aufbauen. (Bild: Mercedes-Benz)

Unzufrieden kann man bei Mercedes nach dem Jahresabschluss 2022 kaum sein, auch wenn BMW mit deutlichem Vorsprung die erfolgreichste weltweite Premiummarke blieb. Die 2.043.000 Sterneneinheiten des abgelaufenen Jahres beinhalten knapp 118.000 Elektroautos, was einer Verdoppelung im Vergleich zu 2021 entspricht. Die so wichtigen Elektromodelle EQS / EQS SUV und EQE / EQE SUV sind auf den ersten Märkten vorgestellt und mit der Studie des Sparwunders EQXX gibt es einen seriennahen Ausblick auf die Technik der kommenden Einstiegsmodelle, die mit 800-Volt-Ladetechnik und maximaler Effizienz für Stückzahlen sorgen sollen. Gleichzeitig wird das Portfolio in den kommenden Jahren gestrafft, denn es geht nicht nur Ola Källenius darum, Varianten zu reduzieren und das Modellportfolio in Sinne der proklamierten Luxusstrategie durchzukämmen. Für die Verbrennerfans gibt es in diesem Jahr das große Finale, denn die neue E-Klasse wird mit ihren Derivaten von Coupé und Cabriolet das letzte neue Modell mit Stern aus der vermeintlich alten Welt von Benzin, Diesel und Plug-in-Hybrid.

Mercedes setzt auf eigenes Ladenetz

Die neue schöne Welt der Elektromodelle lädt bekanntlich an der Steckdose und hier will sich Mercedes in Zukunft nicht nur auf andere Anbieter verlassen, sondern ein neues Geschäftsfeld etablieren. Etwas überraschend bauen die Stuttgarter hierzu bereits ab diesem Jahr nach Vorbild der Tesla Supercharger ein eigenes Ladenetz auf und geben dies gleich zum Start auch für Fremdmarken frei. Da der Marktdruck in den Vereinigten Staaten derzeit besonders groß ist und es abseits der Küstenregionen mit der Infrastruktur hapert, soll es genau hier losgehen, um gerade den neuen Elektromodellen EQE / EQS im harten Wettbewerbsumfeld aus den USA und Asien Rückenwind zu verschaffen. Doch bei zahlreichen neuen Ladestationen zwischen Seattle und Key West soll es nicht bleiben, denn auch auf den anderen beiden Großmärkten in Europa und China will Mercedes neben seinen Beteiligungen an anderen Lademöglichkeiten ebenfalls eigene Parks errichten, wo unter dem Stern nachgetankt werden kann. Bis zum Jahre 2027 soll das Netz in einem ersten Schritt mit mehr als 400 Ladeparks und über 2.500 Hyperchargern den nordamerikanischen Kontinent abdecken. Der Fokus liegt dabei – ähnlich wie seinerzeit beim Aufbau der Tesla-Supercharger – auf wichtigen Städten, Ballungszentren in der Nähe von Autobahnen und an wichtigen Verkehrsknotenpunkten. Bis zum Jahre 2030 will Mercedes sein Schnellladenetz dann schrittweise auf mehr als 10.000 High-Power-Charger ausweiten.

Kooperationen sollen USA elektrifizieren

„Wir bei Mercedes-Benz setzen uns dafür ein, das Laden von batteriebetriebenen Elektrofahrzeugen einfacher und komfortabler zu gestalten“, sagt Mercedes-Entwicklungsvorstand Markus Schäfer, „In Nordamerika können wir zusammen mit unseren Partnern MN8 Energy und Charge Point – zwei der führenden Unternehmen in ihren jeweiligen Bereichen – den Weg in die vollelektrische Zukunft beschleunigen, die eine der wichtigsten Säulen unserer ganzheitlichen, nachhaltigen Unternehmensstrategie ist.“ Je nach den lokalen Gegebenheiten und der umgebenden Infrastruktur sollen die einzelnen Mercedes-Ladestationen vier bis zwölf Hypercharger mit Ladetempi von bis zu 350 Kilowatt anbieten. In besonders wichtigen Ballungszentren soll es nach Tesla-Vorbild sogar Sternentankstellen bis zu 30 High-Power-Chargern geben. Auch wenn an den Stationen Kunden aller Fahrzeugmarken nachladen können, haben die Mercedes-Kunden den Vorteil, nach Carsharing-Vorbild die Ladesäulen für sich reservieren zu können.

Markus Schäfer, Mercedes
Entwicklungsvorstand Markus Schäfer stellt im Rahmen der CES die neue Elektrostrategie von Mercedes vor. (Bild: Mercedes-Benz)

In den Vereinigten Staaten werden die neuen Ladeparks mit Stern zusammen mit den lokalen Kooperationspartnern MN8 Energy und Charge Point aufgebaut. MN8 Energy ist einer der größten Betreiber von Solarenergie- und Batteriespeichern in dem Flächenstaat. Charge Point hat in den USA sowie Europa dagegen eines der weltweit führenden EV-Ladenetzwerke aufgebaut und konnte in den vergangenen Jahren bereits Strom für fast zehn Milliarden elektrisch gefahrene Kilometer bereitstellen. Bisher unterstützte Charge Point den neuen Tankstellenbetreiber aus Stuttgart in den USA bereits als Backend-Anbieter für die Dienste von Mercedes-Me-Charge.

Mercedes bleibt weiterhin Teil von Ionity

Nichts ändern soll sich durch den neu kreierten Geschäftszeig an der Beteiligung an Ionity, dem Joint-Venture-Ladenetz von BMW, Ford, Hyundai, Volkswagen, Audi, Porsche und eben Mercedes. Ionity hat sein Angebot in Europa in den vergangenen zwölf Monaten ebenfalls deutlich ausgebaut. Mittlerweile hat der Münchner Ladeanbieter in 24 europäischen Staaten mehr als 2.000 Ladestationen, die auf mehr als 400 Stützpunkte verteilt sind. Tesla betreibt weltweit aktuell mehr als 40.000 Ladepunkte – rund 10.000 davon allein in Europa, die im Gegensatz zu Ionity, Fastned, EnBW oder eben dem neuen Mercedes-Ladenetz aber nur eine Maximalgeschwindigkeit von 250 Kilowatt anbieten und damit den neuen Ladesäulen hinterherhinken, die den Elektrokunden zwischen 350 und 500 Kilowatt anbieten.

Doch das neue Ladenetz ist für die Schwaben nicht die einzige Großaufgabe der kommenden Jahre. Weil die Elektromodelle das neue Normalprogramm im Hause Mercedes werden, hat die ohnehin kaum etablierte EQ-Nomenklatur, mit dem Mercedes EQC 2016 / 2017 eingeführt, ausgedient. Anzunehmen, dass spätestens mit Einführung der neuen Kompaktmodelle wie dem Mercedes CLA als Serienversion der Stromsparstudie EQXX sukzessive wieder auf die bekannten Namen umgestellt wird. Das ist schon deshalb unumgänglich, weil gerade bei den ertrag- und imageträchtigen Modellen der S-Klasse oder G-Klasse die Modellbezeichnung eher Submarke als normaler Name ist. So dürfte der vermeintliche Mercedes EQG, der 2024 seine Premiere feiern soll, unter Umständen bereits einen EQ-Buchstabenverfall erleiden. Die meisten Fans dürfte das freuen. Mercedes EQE und EQS gliedern sich dann vielleicht nach BMW-Vorbild der i-Modelle einfach mit einem kleinen „e“ auf dem Heckdeckel in die Produktfamilien der E- und S-Klasse ein.

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