Podiumsdiskussion beim AUTOMOBIL PRODUKTION Kongress 2018

Einigkeit beim Thema Automatisierung: Die Experten auf dem Podium stellten klar: Roboter können den Menschen nicht ersetzen (v. li. n. re.) Wolfgang Stadler, Jaguar / Land Rover; Frank Volk, AUTOMOBIL PRODUKTION; Michael W. Rüger, Roland Berger; Dr. Holger Heyn, Leiter Zukunftstechnologie Volkswagen. Bild: facesbyfrank / AUTOMOBIL PRODUKTION

„Ich glaube nicht an menschenleere Fabriken“, sagt Dr. Holger Heyn, Leiter Zukunftstechnologie von Volkswagen. Wolfgang Stadler, verantwortlich für die Produktion bei Jaguar/Land Rover stimmt seinem Branchenkollegen zu: „Das können wir uns gar nicht leisten“, ergänzt er. Die Roboter und Cobots sind zwar hilfreich, aber nur da, wo sich Menschen schwertun. Ein Beispiel ist für den Jaguar / Land Rover-Manager der Karosseriebau. „Dort wo wir Roboter einsetzen, sind sie eine Hilfestellung.“ Zudem würden Jobs nicht wegfallen, weil die Produktion immer komplexer wird, glaubt Stadler und wertet damit die Menschen als Arbeitsfaktor auf. Dabei ist keine andere Branche so sehr mit dem Thema verknüpft als die Automobilindustrie. Steigende Kundenanforderungen in Hinblick auf Qualität und Varianten machten es seit den 70er nötig, mehr und mehr auf Roboter zu setzen, um immer gleiche Schritte, schneller und qualitativ stabil zu gestalten.

Gibt es eine Kehrtwende bei der Automatisierung?

Sollte es jetzt eine Umkehr geben? Vielleicht, vor allem da das Verlagern in Niedriglohnländern nur ein Teil einer Lösung sein kann. Roboter, die miteinander arbeiten, würden zwar weiter zur kostenoptimierten Produktion beitragen – Künstliche Intelligenz lässt grüßen. Doch bis es einsetzbar und praktikabel ist, wird es nicht den einen Schlag tun, sondern Anwendungen werden zunächst dafür konzipiert, dem Menschen ungeliebte Tätigkeiten abzunehmen.  Dabei spielen auch die noch hohen Preise für eine hochentwickelte Automation eine noch wesentliche Rolle: „Wir müssen mit diesen Themen vernünftig umgehen“, rät Roland-Berger-Experte Michael W. Rüger den anwesenden Führungskräften beim Kongress der Automobil Produktion. Denn, man muss auch die Kosten dabei im Auge halten und das Investment berücksichtigen, das nicht ohne ist. Wenn das erst einmal getätigt ist, so der Auto-Experte, lässt sich das nicht mehr so schnell korrigieren.

Die nächste Welle kommt in der Montage an

Die nächste Welle kommt der Automation kommt nach Ansicht der von Stadler und Heyn in der Montage. „Wir denken auch an Modularisierung in der Montage, um die Herausforderungen der Parallelfertigung bei den Antrieben zu begegnen“, sagt der Jaguar-Mann.

Das bestätigte auch Rainer Rueß, Vice President Production Planning von Mercedes-Benz-Cars in seinem anschließenden Vortrag. Bei den Stuttgartern strebe man einen Automatisierungsgrad nach dem Motto „So wenig wie nötig und so viel wie möglich“ an.