ALP Volkswagen

Im Hafen 1 der Volkswagen Autostadt wurden die Gewinner des ALP-Awards 2019 prämiert. Bild: Volkswagen

Es gibt wohl kaum einen prominenteren Ort der Automobilfertigung als das Volkswagen-Werk in Wolfsburg – zumindest in Deutschland. Hier hat der größte Autobauer der Welt bis dato mehr als 45 Millionen Fahrzeuge produziert, darunter Ikonen wie den Golf oder den Käfer. Eine ideale Location also für die 14. Ausgabe des Automotive Lean Production-Kongresses (ALP) präsentiert von Agamus Consult und Automobil Produktion. Das VW-Werk am Mittellandkanal wurde im vergangenen Jahr mit dem im Rahmen der Veranstaltung verliehenen Automotive Lean Production Award prämiert und somit zum Gastgeber-Standort für den zweitägigen ALP-Kongress 2019.

Blick hinter die Kulissen

„Wir freuen uns, dass das Werk Wolfsburg in diesem Jahr Gastgeber des Lean-Kongresses ist“, sagte Werksleiter Stefan Loth zum Auftakt der Veranstaltung. 2018 erhielt das Werk die Auszeichnung in der Kategorie OEM für seine prägnante und dennoch für alle Mitarbeiter leicht verständliche Werkstrategie mit den drei Säulen Produktivität, Qualität und Mannschaft. „Mit den im Konzern schon vorhandenen Lean-Bausteinen haben wir in Wolfsburg eine Change Story bis auf den Shopfloor umgesetzt“, so Loth.

Von den Wolfsburger Maßnahmen zur Produktivitätssteigerung konnten sich die rund 250 Teilnehmer des ALP-Kongress bei umfangreichen Werksführungen überzeugen. Volkswagen gewährte einen tiefgehenden Einblick in die verschiedenen Gewerke von Presswerk bis Montagelinie und verriet, welche konkreten Ansätze des Lean Manufacturing in Wolfsburg seit gut drei Jahren umgesetzt wurden. Dazu gehört unter anderem der Supermarkt, eine Kommissionierfläche der Werklogistik. Hier wurde durch Lean-Maßnahmen der Flächenbedarf um rund 15 Prozent verkleinert, der Einsatz von Logistikfahrzeugen um gut 60 Prozent reduziert und gleichzeitig erreicht, knapp 20 Prozent mehr Logistikumfänge zu kommissionieren. Für die Kongressteilnehmer war der Rundgang durch das Werk Wolfsburg eine gute Gelegenheit, das Motto des ALP „Von den Besten lernen - Excellence in Lean“ wirklich zu erleben.

„Selten durfte man in einer solchen Tiefe hinter die Kulissen einer Autofertigung blicken. Normalerweise lässt man uns nur an die Fertigungslinie, wenn irgendwo ein Fehler aufgetreten ist“, sagte Günther Zehenthofer, Werkleiter bei Magna Auteca, in seiner launigen Dankesrede beim Galadinner am Abend des ersten Kongresstages. Das österreichische Unternehmen wurde mit dem Automotive Lean Production Award 2019 in der Kategorie „Special Award: Lean Transformation“ ausgezeichnet.  In den beiden Werken in Weiz und Klagenfurt werden unter anderem Aktuatoren für Spiegel-, Licht- und Klimasysteme hergestellt. Im Fokus der Lean Transformation seit 2011 standen Arbeitssicherheit und 5S. Hervorgehoben von der Jury wurden die breite Verankerung von Lean Six Sigma, ein einfaches Layered-Audit-System und ein auf Onlinemaschinendaten basierendes Shopfloor-Management.

Die Sieger des ALP-Awards 2019

Sichtlich stolz zeigte sich auch Skodas Produktionsvorstand Michael Oeljeklaus, der den „Special Award: Smart Digital Application“ in Empfang nahm. Skoda hat im Werk Kvasiny für die Montagelinie der Modelle Superb und Kodiaq das Projekt DProduction ins Leben gerufen. Es besteht aus den vier integrierten Bausteinen Visualization of Complexity, Digital Team Work, Digital SQS und Digital Work Instruction. Neben digitalisertem Shopfloor-Management bietet DProduction Mitarbeiter-Training mit Virtual Reality oder die Visualisierung der Belegung von Montageplätzen auf Tablets. „Mit DProduction setzen wir konsequent weiter auf Technologien nach dem Leitbild der Industrie 4.0. Durch die konsequente Digitalisierung von Prozessen optimieren wir die Fertigungsqualität, sparen Zeit und senken Kosten“, so Oeljeklaus im Rahmen der Preisverleihung.

In der Kategorie OEM wurde das zur CNH-Industrial-Gruppe gehöhrende Iveco-Werk in Valladolid prämiert, das Lkw-Kabinen und den Iveco Daily produziert. Die Jury überzeugt haben nicht nur die intelligenten Low-Cost-Lösungen, sondern auch die Apps und Softwareanwendungen, zum Beispiel in der Instandhaltung. Zudem nutzt das Werk die Möglichkeiten der Industrie 4.0 wie Virtual Reality, fahrerlose Transportsysteme oder 3D-Druck. Beim Supplier-Award hatte derweil das SAS-Automotive-Werk in Bratislava die Nase vorn, in dem unter anderem Cockpits und Mittelkonsolen gefertigt werden. In einer Symbiose aus Lean und Digitalisierung ist es den Slowaken gelungen, unter anderem eine hochflexible Anlagentechnik aufzubauen, die der hohen Varianz an Ausstattungsmerkmalen gerecht wird. Dazu kommen selbst kreiertes Handlings- und Logistikequipment und eine Vielzahl von neuen Poka-Yoke-Lösungen.

Die Gewinner-Lösungen und-Konzepte stellen in der internationalen Autoindustrie den Benchmark für Lean und Digitalisierung dar. Eine Expertenjury von Agamus Consult und Automobil Produktion hat bis dato 1700 Werke in 17 Ländern unter die Lupe genommen und dabei rund 250 Evaluierungsbesuche absolviert. „Vor 14 Jahren haben wir zusammen mit der Automobil Produktion die Initiative und den Award aus der Taufe gehoben und beides hat bis heute eine ungebrochene Relevanz“, sagte Werner Geiger, Geschäftsführer der Agamus Consult. „Der Automotive Lean Production Award ist einer der renommiertesten Preise der europäischen Automobilindustrie in Bezug auf die Produktion.“ Im nächsten Jahr zieht der ALP-Kongress dann aus Wolfsburg weiter nach Spanien: Die Gewinner des Awards 2020 werden dann bei Iveco in Valladolid ausgezeichnet.

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