Automobil Schnittmodell

Neue technologische Trends und Geschäftsmodelle für die Automobilnutzung versprechen den Zulieferern in den nächsten zehn Jahren gute Chancen, stellt eine aktuelle Studie fest - doch es bestehe auch enorme Unsicherheit, wann und wo genau sich diese Chancen ergeben werden. Bild: cherezoff - Fotolia.com

Für 2016 steht neben einer möglichen Abkühlung des Marktes vor allem der sich abzeichnende Umbruch der Branche auf der Agenda der Zuliefererunternehmen. Das sind die zentralen Ergebnisse der neuen "Global Automotive Supplier Study 2016" von Roland Berger und Lazard. Im Rahmen der Studie wurden Kennzahlen von über 600 internationalen Zulieferern analysiert, um den aktuellen Zustand sowie Trends und Herausforderungen der Branche zu beurteilen. Der Aufwärtstrend, den die Zulieferindustrie seit 2010 ununterbrochen verzeichnete, ist demnach ins Stocken geraten. Das Umsatzwachstum ist so niedrig wie seit sieben Jahren nicht mehr, und in mehreren Produktsegmenten sind die Gewinnmargen sogar leicht unter den Wert von 2014 gefallen.

Laut der Studie wird die globale Fahrzeugproduktion 2016 und darüber hinaus mit rund zwei Prozent jährlich nur mäßig zulegen. Im stagnierenden chinesischen Markt gehören zweistellige Wachstumsraten wohl der Vergangenheit an. Außerdem sei eine kurzfristige Markterholung in Brasilien und Russland mehr als fraglich - zugleich schafft der Brexit neue Unsicherheiten in Europa.

Branche steht vor radikalem Wandel

Das Marktvolumen für Fahrzeugkomponenten wird der Studie zufolge von rund 700 Milliarden Euro 2015 auf über 850 Milliarden Euro 2025 steigen. Dabei rechnen die Studienautoren jedoch mit deutlichen Gewinnverlagerungen zwischen den Segmenten und teilweise auch auf neue Anbieter.

Im Bereich der Antriebstechnik nimmt die Entwicklung der Elektromobilität weiter Fahrt auf. "Wir gehen davon aus, dass der Markt für Elektrofahrzeuge in den nächsten zehn Jahren um das Sieben- bis Zehnfache zulegen wird", erklärt Felix Mogge, Partner bei Roland Berger.

Zunehmende Komplexität und steigende Kosten bei den klassischen Antriebstechnologien sowie die nach wie vor verhaltene Marktentwicklung der Elektromobilität haben dazu geführt, dass die EBIT-Margen bei den Anbietern von Antriebssystemen zuletzt auf 6,9 Prozent und damit unter den Branchendurchschnitt gefallen sind. Dagegen haben Chassis-Zulieferer von der steigenden Nachfrage nach Fahrassistenzsystemen und automatischen Fahrfunktionen profitiert, so die Studie. Mit einer EBIT-Marge von 7,7 Prozent schneiden sie deutlich besser ab als andere Produktsegmente - nur die Reifenhersteller verzeichnen höhere Margen.

Neben deutlichen Unterschieden zwischen den Produktsegmenten bestehen auch große regionale Differenzen. Während Zulieferer aus Europa in vielen Branchensegmenten weiterhin von ihrer Technologieführerschaft profitieren, kämpfen chinesische Firmen in den vergangenen Jahren mit sinkenden Margen, weil sich der Wettbewerb in ihrem Heimatmarkt zunehmend verschärft. Unabhängig von Produktschwerpunkt oder Region ist Innovation ein wichtiger Schlüssel zum Erfolg, aber nicht zwangsläufig der einzige. "Im Schnitt verbuchen Unternehmen, die auf Produktinnovation setzen, eine um rund zwei Prozent höhere Profitabilität als die Prozessspezialisten", stellt Thomas Schlick, Partner bei Roland Berger, fest. Trotzdem sind die Margen der leistungsstärksten Prozessspezialisten mit denen führender Produktinnovatoren vergleichbar.