Autoliv, Insassensschutz

Themen rund um den Insassenschutz erweisen sich als sicheres Geschäftsmodell. Bild: Autoliv

Liv heißt auf Schwedisch Leben. Da bot es sich an, dass man aus der zufälligen Doppeldeutigkeit, die zugleich durch die Abkürzung aus den ersten beiden Buchstaben aus dem Familiennamen des Firmengründers Lindblad und dem ersten Unternehmensstandort Vårgårda die ersten Produkte – Sicherheitsgurte – unter dem Markennamen  Liv vertrieb. 15 Jahre nach Firmengründung setzte man das Auto noch davor.

Der Durchbruch zum weltweiten Systemanbieter für Insassenschutzsysteme kam 1997. In dem Jahr fusionierte der in Europa führende Anbieter mit dem US-Anbieter Morton Automotive Safety Products. Morton produzierte Airbags für Nordamerika und Asien.  Firmensitz wurde Schweden. Seitdem hat sich viel getan. Zahlreiche Neuentwicklungen und die Positionierung als Systemlieferant mit Produkten und Lösungen rund um den Insassenschutz, Fahrersysteme wie Spurwechselassistent und Pre-Crash-Sensoren wurden geschultert. Ein Geschäft, das in den vergangenen Jahren mehr und mehr in den Fokus rückt, da sich die OEM auf diesem Spielfeld differenzieren möchten.

Mit neuer Struktur in die Zukunft

Davon profitiert Autoliv, wie man an den wirtschaftlichen Kennzahlen abliest. Die Wachstumsraten sind gut und die Aussichten noch besser. Darum passt das Unternehmen, das an der New York Stock Exchange gelistet ist, die operative Struktur an. Im  September wurden die bisherigen Geschäftsfelder auf die zwei neuen Segmente Passive Sicherheit und Elektronik aufgeteilt. Die Einheit Passive Sicherheit zeichnet verantwortlich für Sicherheitsprodukte, inklusive Airbag-Systeme und Sicherheitsgurte. Die Abteilung Elektronikprodukte operiert auf dem Gebiet der Aktiven Sicherheit und ab kommenden Jahr auch im Rahmen passiver Sicherheitssysteme. Beide Geschäftsfelder berichten an CEO Jan Carlson. Die neue Aufteilung wird ergänzt durch zwei weitere Einheiten: Verkauf und Engineering sowie Produkte und Prozessentwicklung, die die beiden Kernsegmente unterstützen. "Damit machen wir den nächsten Schritt in der Unternehmensentwicklung", erklärt Unternehmenschef Jan Carlson. "Wir sind dadurch in der Lage die kommenden Herausforderungen und das künftige Wachstum optimal zu managen." Diese Konstruktion ermöglicht es uns noch globaler zu agieren und unsere Strategie, bei der Qualität an erster Stelle steht, zu verfolgen. Autoliv will die Nummer eins werden. Mit dieser Neupositionierung will Autoliv auch den Wettbewerbern Paroli bieten. Einer ist TRW Automotive, die im September von Getriebehersteller ZF übernommen wurde und darum nun als Big Player agieren können.

Autolivs Neuaufstellung ging nicht ohne schmerzhafte Einschnitte. So wurde zum Beispiel das deutsche Werk in Döbeln geschlossen. Begründung: Europa als Absatzmarkt steckt in einer Krise. An anderer Stelle wurde aufgerüstet. Beispielweise mit dem Engagement bei einer neuen Teststrecke für Verkehrssicherheit in der Heimat von Autoliv.

AstaZero ist das Ergebnis eines Zusammenschlusses von Autoliv, AB Volvo, Volvo Car Corporation, Scania und weiteren Institutionen. AstaZero ist die Abkürzung für Aktives Sicherheitstestareal und Zero. Das steht für das schwedische Regierungsprogramm von Null Verkehrstoten. Mit der neuen Teststrecke beabsichtigt Autoliv laut Chefentwickler Johan Löfvenholm das halbautomatische und autonome Fahren von Fahrzeugen zur Straßentauglichkeit zu entwickeln.
Die Eröffnung feierte der schwedische Zulieferer durch Demonstrationen von aktiven Sicherheitstechnologien wie der nächsten Generation von Radar-, Nachtsicht- oder dem neuesten autonomen Notbremssystem. Mit AstraZero kann Autoliv nun auf 21 Teststrecken zurückgreifen. Diese Art Investitionen kosten. Darum ging auch der Gewinn pro Aktie von den Bestzeiten im Jahr 2010 und 2012 leicht zurück. Finanzierungprobleme hat das Unternehmen indes nicht. Um die Investitionen zu schultern, gab der Konzern Schuldverschreibungen in Höhe von 1,25 Milliarden US-Dollar heraus – aufgrund stabiler Ratings unter anderem von Standard & Poor’s – zu einem ordentlichen Zinssatz.