| von Christian Klein
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Beurteilt exklusiv für AUTOMOBIL PRODUKTION die Lage führender Zulieferer: Professor Dr. Bernd Gottschalk, Geschäftsführer AutoValue und ehemals VDA-Präsident. Bild: VDA

Die Autoneum-Aktie war schon eine hübsche "Dividende", die die Aktionäre von Rieter erhielten. Ein neues Unternehmensleben, ein neuer Name, eine gesunde Bilanz mit reduzierter Verschuldung und ordentlicher Eigenkapitalausstattung oder eine globale Präsenz mit einer beachtlich breiten Kundenbasis sind wahrlich keine schlechte Mitgift gewesen. Die Kernarbeitsfelder "Akustik" und "Thermo" sind zweifellos zukunftsfähig. Die neue Kooperation mit Nittoku und Toyota Boshoku öffnet Möglichkeiten, das "interior business" für Hybridfahrzeuge weiterzuentwickeln. Auch muss sich Autoneum keine Sorgen machen, dass  im Produktportfolio Innovationen zu kurz kommen, wie die Plastiksubstitution mit "Theta Fiber" oder die Technologie des "Ultra Silent" zeigen. Man weiß, welche Rolle CO2 und Gewichtsreduzierung heute und in Zukunft spielen. Nicht weniger beeindruckend ist aber eine Mitgift, die weder in der Bilanz noch im Produktportfolio zu finden ist: Sie liegt in der druckvollen Selbstverpflichtung von Management und Aufsichtsrat, unprofitables Business profitabel zu machen, das EBIT in Europa zu steigern, und die operative Exzellenz in den Mittelpunkt zu rücken, kurz: eine High Performance-Kultur zu etablieren. Dafür wird schon Rainer Schmückle sorgen, der im Aufsichtsrat besonders auf Profitabilität und Free Cash Flow achten wird. Autoneum ist in nationaler Währung zweistellig gewachsen – in diesen Zeiten keine Selbstverständlichkeit. Vor allem USA und Asien haben die Rückgänge in Europa überkompensiert. Ein Zeichen für eine gute globale Positionierung, und ein Zeichen, dass es nicht die "neuen Kleider" wie der neue Name sind, die das junge Unternehmen aus Winterthur nach vorne bringen sollen. Die Aktionäre, immerhin sind rund 50 % im Free Float, wird es freuen, wenn alle Business Groups dauerhaft ihre Ergebnisse und ihre Margen verbessern, wie es im ersten Halbjahr 2012 gelungen ist.

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