Aufnahme des Bosch-Werks in Eisenach.

Bis 2022 will Bosch in Eisenach den Strombedarf über Eigenstromversorgung durch Photovoltaikanlagen und den Exklusivbezug von Strom aus Windkraft decken. Bild: Bosch

| von Götz Fuchslocher
Übersicht: Die Hebel zur CO₂-Neutralstellung bei Bosch
Die Hebel zur CO₂-Neutralstellung bei Bosch: Das weltweite Maßnahmenpaket. Bild: Bosch

Erneuerbare Energien sind laut Bosch eine der zentralen Stellschrauben auf dem Weg zur Klimaneutralität. Dazu schließt das Unternehmen drei exklusive Langzeitverträge für Photovoltaikstrom mit den Anbietern RWE, Statkraft und Vattenfall ab. Trotz der aktuell herausfordernden Situation aufgrund der Corona-Pandemie verfolge man damit weiterhin konsequent die ehrgeizigen Klimaschutzpläne: „Der Klimawandel macht keine Pause – und wir auch nicht. Wir werden unser anspruchsvolles Ziel realisieren, bis Ende des Jahres keinen CO₂-Fußabdruck mehr zu hinterlassen“, sagte Volkmar Denner, CEO der Bosch-Gruppe. Alle 400 Bosch-Standorte weltweit werden dann klimaneutral sein – die deutschen Standorte seien es bereits seit Ende 2019. „Unsere Anstrengungen für die Energiewende werden auch nach 2020 fortgesetzt. Die Investition in regenerative Energien ist ein wichtiger Beleg dafür“, fügte Denner hinzu und erklärt, dass Klimaschutz zwar koste, Nichtstun jedoch teurer wäre – zumal die Investitionen in Energieeffizienz auch zu Kosteneinsparungen führen.

Energieeffizienz der eignen Standorte erhöhen

Um die CO2-Neutralität umzusetzen, investiere man neben der regenerativen Energieversorgung vor allem in die Energieeffizienz der eigenen Standorte. Ein kurzfristiger Hebel sei der Zukauf von Ökostrom aus bestehenden Anlagen. Aus neu errichteten Anlagen beliefern die Vertragspartner RWE, Statkraft und Vattenfall Bosch jeweils exklusiv. Der Strom aus den subventionsfreien Photovoltaik-Parks der drei Anbieter werde durch das öffentliche Stromnetz zu Bosch-Standorten in Deutschland transportiert und dort verbraucht, teilt das Unternehmen mit. Insgesamt werde dies ab 2021 einen jährlichen Umfang von mehr als 100.000 Megawattstunden umfassen. Die Langzeitverträge lösen einen Teil des Ökostrombezugs von Bosch aus bestehenden regenerativen Anlagen ab und haben eine Dauer zwischen zwölf und 16 Jahren. Mit der Belieferung durch Statkraft wurde bereits im Mai begonnen.

Über Deutschland hinaus strebt Bosch Langzeitverträge auch andernorts an. In Mexiko etwa decke man mit "New Clean Power“ schon jetzt bis zu 80 Prozent seines Strombedarfs. Viele der dortigen BoschStandorte erhalten Strom aus einem neu errichteten Windpark des Energiekonzerns Enel, der rund 105.000 Megawattstunden pro Jahr produziert. Die Kooperation mit Enel wurde laut Bosch für 15 Jahre abgeschlossen.

Neben der exklusiven Abnahme von erneuerbaren Energiequellen will Bosch auch die Eigenstromversorgung erhöhen: Aus knapp 50 Photovoltaikanlagen an den eigenen Standorten gewinne das Unternehmen derzeit rund 60.000 Megawattstunden pro Jahr, heißt es. Am Bosch-Standort Nashik in Indien befinde sich die größte Anlage dieser Art in der indischen Automobilindustrie. Insgesamt soll das Erzeugungsvolumen der regenerativen Eigenversorgung bis 2030 auf 400.000 Megawattstunden wachsen. Eine Photovoltaik-Anlage im thailändischen Bosch-Werk Hemaraj mit einer jährlichen Stromerzeugung von 1.300 Megawattstunden soll 2020 fertiggestellt werden.

Wasserkraft, Biomasse, Brennstoffzelle und Photovoltaik

Wie das Unternehmen weiter mitteilt, betreibt es außerdem Projekte zur Energieerzeugung im Bereich Wasserkraft und Biomasse. Auch neue Ansätze wie Wärme und Strom aus Wasserstoff seien Teil der Energieversorgung. So habe man im vergangenen Jahr an den Standorten Homburg und Bamberg der Prototyp einer von Bosch entwickelten stationären Brennstoffzelle in Betrieb genommen. In Salzgitter arbeitet das Technologieunternehmen gemeinsam mit dem Fraunhofer Institut und weiteren ansässigen Unternehmen daran, ein von der Stadt und dem Land Niedersachsen gefördertes Zentrum für Wasserstoff zu errichten, den sogenannten Wasserstoff-Campus. Am Bosch-Trainingszentrum in Wernau wurde Ende Juni eine Brennstoffzellen-Pilotanlage auf SOFC-Basis (Solid Oxide Fuel Cell oder Festoxid-Brennstoffzelle) in Betrieb genommen. Ein Leuchtturmprojekt entsteht Bosch zufolge in Thüringen: Das Werk in Eisenach will bis 2022 den Strombedarf über Eigenstromversorgung durch Photovoltaikanlagen und den Exklusivbezug von Strom aus Windkraft decken sowie durch ein ausgeklügeltes Energiemanagement basierend auf künstlicher Intelligenz minimieren.

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