Erik Rein von Bosch.

Erik Rein ist Projektleiter für die Zusammenführung der beiden Geschäftsbereiche GS und DS im neuen Geschäftsbereich Powertrain Solutions. Bild: Bosch

Aus Diesel Systems und Gasoline Systems wird Powertrain Solutions. Das soll die Arbeit der beiden Geschäftsbereiche – teils mit unterschiedlichen Standards – so weit wie möglich vereinheitlichen und sie näher an den Kunden und dessen Wünsche bringen.

Das Ziel hinter der Fusion ist damit klar: Bosch bietet künftig verstärkt Lösungen für den gesamten Antriebsstrang - vom Benziner und Diesel bis hin zum Hybrid- oder E-Antrieb. Und dies für alle Fahrzeugklassen, sowie vom Pkw über Nutzfahrzeuge bis hin zu Baufahrzeugen und Traktoren.

Ein erstes Beispiel für die Zusammenführung kann Bosch bereits vorweisen. Der tschechische Bosch-Standort Budweis mit seinen rund 4.000 Mitarbeitern vereint schon heute beide Welten unter einem Dach. Eine Hälfte des Umsatzes macht er mit Systemen für die Diesel-Abgasnachbehandlung, die andere mit Kraftstoffpumpen, Saugmodulen und weiteren GS-Komponenten. „Für uns sind einheitliche Standards und Prozesse wichtig, egal ob in Fertigung, Logistik oder Personalbereich“, sagt Vaclav Pixa, der technische Werkleiter. Denn einheitliche Regelungen gab es bislang kaum. Die Mitarbeiter mussten zuvor an zwei Stellen berichten und teils unterschiedliche Vorgaben nachhalten; ganz egal, ob im Controlling oder in der Qualitätssicherung.

Mit der Zusammenlegung der beiden Geschäftsbereiche soll mit der unsinnigen Bürokratie und Komplexität Schluss sein, sagt Bosch. „Die Idee ist nicht, aus zwei großen Elefanten ein Mammut zu machen“, mahnt Kai Frericks, ebenso Werkleiter bei Bosch. Was die Prozesse angeht, dürfe nur das Beste aus zwei Welten kombiniert werden.

Natürlich könnte es am Anfang etwas rumpeln, weil es für jeden etwas Neues bedeutet“, so Frericks. „Aber nach einer Übergangsphase wird es besser laufen als vorher“. Die Mitarbeiter an den Produktionslinien werden von dem strategischen Schritt eher wenig mitbekommen. Dagegen hoffen viele Mitarbeiter in anderen Funktionen auf eine spürbare Entlastung, einfachere und schnellere Abläufe.

Kurzinterview

Kurzinterview mit Erik Rein, Projektleiter für die Zusammenführung von Gasoline Systems (GS) und Diesel Systems (DS) im neuen Geschäftsbereich Powertrain Solutions.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Herr Rein, der neue Bereich Powertrain Solutions wird rund 88.000 Mitarbeiter haben, gleichzeitig soll er schneller werden. Ein Widerspruch?
Nein. Schon heute wird das Geschäft von GS und DS maßgeblich in einzelnen Produktbereichen vorangetrieben, die unternehmerisch und schnell am Markt agieren. An diesem Prinzip ändert sich auch in Zukunft nichts.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Und wieso wird der neue Bereich jetzt noch schneller?
Wir schaffen einheitliche Standards, wo es vorher zwei gab. Zum Beispiel mit unserem neuen Qualitätsmanagementsystem. Damit werden wir schneller, denn einige Werke mussten bisher an zwei Bereichsvorstande berichten, nach unterschiedlichen Vorgaben. Das Spitzengremium ist jetzt aber größer als die vorherigen je Bereich. Dafür haben wir die Zuständigkeiten klarer geregelt. Nicht jedes Thema muss mehr im gesamten Bereichsvorstand besprochen werden. So entsteht kein Flaschenhals.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Start ist am 1. Januar. Was ist bis dahin noch zu tun?
Wir legen gerade die Organisationsstruktur final fest und sind dabei auch in intensiven Gesprächen mit Führungskräften, Experten und Arbeitnehmervertretern. Jetzt brauchen wir das Engagement in der Fläche, damit zum 1. Januar auch die vielen daraus abgeleiteten Dinge stimmen: von der richtigen Beschilderung bis zur geänderten Abteilungsrichtlinie im Werk. Und durch die Zusammenlegung der Querschnittsbereiche wie Personal, Logistik und Finanzen müssen sich die Mitarbeiter auf neue Zusammenarbeitsmodelle einlassen, funktionsübergreifende Zusammenarbeit gewinnt weiter an Bedeutung.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Was soll die Fusion von GS und DS bringen?
Wir wollen die immer komplexeren Ansprüche der Kunden bestmöglich bedienen und verstärkt Losungen für den gesamten Antriebsstrang anbieten. Deshalb haben wir in jedem Marktsegment künftig eine eigene Systementwicklung, die ein umfassendes Verständnis für Elektrofahrzeuge, Pkw und Nutzfahrzeuge/Off-Road aufbaut. Damit können wir uns als bester Partner für das Gesamtsystem am Markt positionieren.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Und was sagt der Kunde dazu?
Er hat jetzt im Vertrieb nur noch einen Ansprechpartner und findet das positiv. Auch in der Elektromobilität sieht er unsere klarere und ambitionierte Positionierung. Jetzt sind wir entschlossener aufgestellt. Am Ende zählt für den Kunden aber allein unsere Leistung.