Infineon CEO Dr. Reinhard Ploss

Infineon-Chef Reinhard Ploss ist überzeugt, dass das allgemeine konjunkturelle Umfeld angespannt bleiben wird. Für das neue Geschäftsjahr 2019/2020 (per 30. September) kündigte Infineon dennoch weiteres Wachstum an. Bild: Infineon

| von Roswitha Maier

Im Zeitraum von Juli bis September steigerte der Halbleiterspezialist seinen Umsatz im Vergleich zum Vorquartal um 2 Prozent auf 2,062 Milliarden Euro, wie Infineon am Dienstag (12. November) in Neubiberg bei München mitteilte. Auch beim operativen Ergebnis (Segmentergebnis) übertraf der Konzern die eigene Prognose und die Erwartungen der Analysten mit 311 Millionen Euro leicht. Die entsprechende Marge bezifferte sich auf 15,1 Prozent. Allerdings sackte der Konzernüberschuss gegenüber dem Vorquartal um 28 Prozent auf 161 Millionen Euro ab.

Konzernchef Reinhard Ploss sprach von einem herausfordernden Geschäftsjahr und geht davon aus, dass das allgemeine konjunkturelle Umfeld angespannt bleiben wird. "Eine Erholung erwarten wir nicht vor der zweiten Hälfte des Geschäftsjahres", blickte Ploss mit Skepsis voraus. Für das neue Geschäftsjahr 2019/2020 (per 30. September) kündigte Infineon dennoch weiteres Wachstum an. Dabei soll das Geschäft mit Chips für die Autoindustrie leicht über dem Konzerndurchschnitt liegen. Allerdings geht der Chiphersteller für das typischerweise schwache erste Geschäftsquartal von einem Umsatzrückgang im Vergleich zum Vorquartal aus.

Für Infineon gab es zuletzt Grund zur Freude. Mitte Oktober kam grünes Licht aus Brüssel für die geplante Übernahme des US-Konkurrenten Cypress durch den Halbleiterspezialisten aus Neubiberg bei München. Die Entscheidung der EU-Wettbewerbskommission gibt dem Chiphersteller weiteren Grund zur Zuversicht, dass die mit 9 Milliarden Euro größte Übernahme der Unternehmensgeschichte gelingt.

Sie soll die Basis für eine erfolgreiche Zukunft des Unternehmens legen, der zuletzt die maue Autokonjunktur zu spüren bekam. Immer mehr Chips und Sensoren werden in Fahrzeugen verbaut, Infineon macht mit der Autoindustrie den Löwenanteil seines Geschäfts. Doch gerade in dieser Sparte ist das Wachstum deutlich zurückgegangen, von den Auswirkungen des Handelskriegs kann sich der Chiphersteller nicht freimachen. Auch die sich insgesamt eintrübende chinesische Wirtschaft belastet Infineon.

Das Management um Infineon-Chef Reinhard Ploss will den Cypress-Deal, der zum Teil über eine bereits erfolgte Kapitalerhöhung gestemmt werden soll, bis Anfang 2020 abgeschlossen haben. Was noch fehlt, ist die Zustimmung der US-Wettbewerbsbehörden. Am Veto der Kartellwächter in den USA war allerdings in der Vergangenheit die Übernahme des US-Halbleiterspezialisten Wolfspeed gescheitert. Ploss glaubt ungeachtet dessen fest daran, dass es diesmal keine Stolpersteine geben wird.