Continental AllCharge-System

Das AllCharge-System soll die optimale Nutzung der jeweiligen Ladeinfrastruktur ermöglichen. Bild: Continental

Wie die Division Powertrain des Zulieferers mitteilt, sind für die Entwicklung der Elektromobilität je nach Infrastruktur, Fahrzeugtyp und Nutzung unterschiedliche Lösungen erforderlich. Der Zulieferer hat dazu ein umfassendes Portfolio an skalierbaren, weltweit einsetzbaren Ladetechnologien entwickelt und präsentiert diese Systeme mit und ohne Kabel und für alle Stromarten und Spannungslagen auf der 30. International Electric Vehicle Symposium & Exhibition (EVS30).

Continental fährt bei seinem Lösungsangebot dreispurig: Bei den konduktiven (kabelgebundenen) Verfahren bietet das Technologieunternehmen neben dem etablierten On-Board-Charger zum Laden mit Wechselstrom (AC) das neuartige AllCharge-System, das auch den Gleichstrom (DC) von Schnellladesäulen nutzen kann und damit laut Continental ein Maximum an Flexibilität bietet. Hinzu kommt als Lösung mit maximalem Komfort das automatische kabellose Laden durch Induktion. "Alle Systeme sind so konzipiert, dass sie sich den regional unterschiedlichen Rahmenbedingungen anpassen lassen", betont Dr. Oliver Maiwald, Leiter Technology & Innovation, Division Powertrain.

Unabhängig von Stromart und Spannungslage jede Ladesäule nutzen

Bei der verbreiteten Ladetechnik mit On-Borad-Charger, bei der Wechselstrom mit Hilfe eines Gleichrichters in Gleichstrom umgewandelt wird, lassen sich E-Autos an einer üblichen Haushaltssteckdose (einphasig, 230 Volt) mit einer maximalen ladeleistung von 3,6 Kilowatt aufladen, Wird Dreiphasenwechselstrom (Drehstrom, 400 Volt) verwendet, sind höhere Leistungen möglich. Der On-Board-Charger von Continental ist aktuell auf 3,6 bis 11 Kilowatt ausgelegt, eine Version für bis zu 22 Kilowatt ist in Entwicklung. Die Box ist universell weltweit einsetzbar und kann auch in Ländern mit 110-Volt-Stromnetzen angewendet werden. Mit dem AllCharge-System hat Continental eine Ladetechnologie entwickelt, die es Autofahrern ermöglicht, jede Ladesäule zu nutzen – unabhängig von der Stromart und der Spannungslage. Der Ansatz dabei ist es, statt noch mehr Ladetechnik ins Auto zu packen, vorhandene Komponenten zu nutzen, also den Elektromotor und den Inverter (Wandler zwischen Gleich- und Wechselstrom) für die Zusatzaufgabe des Ladens zu ertüchtigen. Als einzige Zusatzkomponente umfasst dieses System einen DC/DC-Wandler, der für eine stets optimale Spannung zur Batterie sorgt. Wenn die AC-Infrastruktur es ermögliche, könne AllCharge die Batterie mit bis zu 43 Kilowatt laden, was ein Plus von bis zu 50 Kilometer Reichweite in nur zehn Mionuten bedeute, hört man vom Zulieferer. Mit dem System sollen sich auch 400-Volt-Gleichstrom-Schnellladestationen nutzen lassen, an denen in zehn Minuten bis zu 150 km Reichweite gewonnen werden könne. Und Premium-Fahrzeuge mit sehr großer Batterie können ihre Reichweite an 800-Volt-DC-Stationen in zehn Minuten sogar um bis zu 300 Kilometer erhöhen. Wie man bei Continental betont, nähere sich die Ladezeit damit der Dauer eines herkömmlichen Tankstellenaufenthalts.

Komfortsteigerung durch automatisches kabelloses Laden

Kabelloses Laden erspart der Fahrerin oder dem Fahrer das Hantieren mit Kabeln. Eine neue Mikronavigationslösung von Continental soll darüber hinaus helfen, das Fahrzeug exakt über der Bodenplatte zu platzieren. Mit der Weiterentwicklung des teilautomatisierten Fahrens kann laut Continetal diese passgenaue Positionierung in Zukunft auch ganz ohne Eingriff des Fahrers erfolgen. Der anschließende Ladevorgang laufe dann völlig automatisch und mit permanenter Sicherheitsüberwachung ab. Durch den Komfort dieses induktiven Systems lasse sich jede noch so kurze Ladechance nutzen und zum Beispiel während eines Einkaufsstopps in 20 Minuten bis zu 20 Kilometer Reichweite „tanken“ – denn bei 11 Kilowatt Ladeleistung, für die das Continental-System ausgelegt ist, gewinne der Fahrer pro Minute Ladezeit etwa einen Kilometer Reichweite, hört man vom Zulieferer.

Elektroautos können laut Continental überdies als leistungsstarke Stromquelle dienen und zum Beispiel beim Camping elektrische Geräte vom Laptop bis zum Kühlschrank mit 230-Volt-Wechselstrom versorgen. Für Handwerker auf Baustellen oder mobile Servicedienstleister stelle diese Funktion der rollenden „Powerbank“ ebenfalls einen echten Mehrwert dar, heißt es. Und langfristig können Elektrofahrzeuge auch einen Beitrag zur Energiewende leisten, indem sie als mobile Energiespeicher in Versorgungsnetzwerke eingebunden werden. Für diese Funktionen müssen Ladesysteme in der Lage sein, nicht nur die Batterie zu laden, sondern auch den Batteriestrom wieder abzugeben. Wie die Continental-Experten betonen sein diese bidirektionale Funktion beim AllCharge-System bereits integriert.