Fehrer, Kitzingen

Das Fehrer-Werk am Standort in Kitzingen. Bild: Fehrer

Geschäftsführer Tom Graf hat gute Nachrichten: Die Geschäfte mit Formpolstern für Fahrzeugsitze, Sitzmodule wie Mittelarmlehnen, Konsolen oder Seitenteile sowie Verkleidungs- und Strukturteile für den Fahrzeuginnenraum und die Karosserie trugen im vergangen Jahr zu einem Umsatzplus von acht Millionen Euro bei. Auch ein deutlich positives Ergebnis sei eingefahren worden, sagte Graf bei der Bekanntgabe der wirtschaftlichen Kennzahlen für das abgelaufene Geschäftsjahr. Dank der guten Einnahmen konnten die Bankschulden um knapp ein Viertel auf einen zweistelligen Millionenbetrag gesenkt werden. Wieviel Gewinn eingefahren wurde, ist Sache der Fehrers. Das Familienunternehmen, das als GmbH firmiert, ist auch nicht publizitätspflichtig.

Dass es auch im laufenden Geschäftsjahr gut läuft, ist laut Fehrer-Chef Tom Graf der aktuellen Produktpalette geschuldet: "Sehr gut laufen derzeit unsere Leichbau-Lösungen für Sitzmodule. In der neuen C-Klasse, die Mitte März in den Markt eingeführt wurde, liefern wir zum Beispiel die Hintergarnitur in Heißschaumtechnologie. Das Bauteil ist 25 Prozent leichter als eine herkömmliche Garnitur." Auch bei der E-Mobilität ist Fehrer über BMW im Geschäft: "Bei Elektrofahrzeugen spielt die Gewichtseinsparung eine besondere Rolle. Für den ersten elektrobetriebenen Stadtmini von BMW – den I3 – liefert Fehrer die Leichtbau-Hintersitzwanne aus recycelten Kohlefaser-Verbundstoffen, für die wir einen Innovationspreis erhalten haben."

Ein starkes Geschäftsfeld ist nach Grafs Meinung die Individualisierung des Fahrzeuginterieurs. "Ein Beispiel ist unsere Mittelkonsole für die neue Mercedes-Benz S-Klasse, die dem Kunden eine Auswahl aus zahlreichen Varianten ermöglicht. Hier haben wir exzellentes Prozess-Know-how, was Variantensteuerung, Materialvielfalt und Logistik angeht."
Dank dessen sieht sich das Familienunternehmen gut gerüstet. Bis 2007 führte noch das Familienmitglied Claus Fehrer das Unternehmen. Dann brach eine neue Zeitrechnung an. Heute sorgen das Duo Tom Graf und Gerhard Ruf für die Zukunftstauglichkeit und leiteten im vergangenen Jahr eine Neuausrichtung ein. Das Ziel der Restrukturierung definiert Fehrer-Chef Graf: "Fehrer gehört zu den Technologieführern für Sitzschäume und Fahrzeuginterieurs. Unser klares Ziel ist es, diese Position in der globalisierten Zuliefererlandschaft zu behaupten und auszubauen. Konkret bedeutet das, dass wir unseren Ertrag deutlich steigern und unser Unternehmen strategisch und operativ zu einer international bestens aufgestellten und schlagkräftigen Organisation ausbauen wollen."

Die Voraussetzungen sind für ihn im Wesentlichen die Stabilisierung des Basisgeschäfts sowie Wachstum und Innovation. Dazu gehören auch weniger populäre Maßnahmen wie der Abbau von Arbeitsplätzen. Damit trägt das Management der zunehmenden Globalisierung Rechnung. Die ausländischen Standorte wachsen deutlich schneller, heißt es. "Vor allem in unseren Werken in Osteuropa verzeichnen wir gute Zuwachsraten. Aber auch in den   USA werden die Abrufzahlen steigen", sagt Graf.

Großes Potenzial liegt im Leichtbau

Dass Fehrer mit der Strategie gut zu fahren glaubt, untermauert Graf mit Prognosen: "Im Augenblick stehen ganz klar China und die Nafta-Staaten im Fokus der Automobilindustrie. Auch wenn der Fahrzeugbestand in China schon jetzt jährlich um fast zweistellige Prozentzahlen wächst, ist das Potenzial dort noch lange nicht erschöpft. Diese Entwicklung kann noch Jahre andauern. Voraussetzung ist natürlich, dass mit dem Wachstum auch ein Ausbau der Infrastruktur einhergeht."

Fehrer selbst wird den Schwerpunkt mittelfristig darauf legen, zunächst mit bestehenden, langjährigen Kunden das China-Geschäft vor Ort auszubauen. "Parallel dazu werden wir natürlich auch die Partnerschaft mit chinesischen OEMs suchen. Den Neuaufbau einer Lieferanten/Kundenbeziehung sehen wir jedoch eher als langfristiges Projekt. Für europäische Zulieferer findet er die USA zunehmend interessant, weil die amerikanischen OEMs sich inzwischen an den Qualitätsstandards der deutschen Premiummarken messen. Hinzu kommt für ihn, dass auch die deutschen Hersteller ihre Produktionskapazitäten dort ausbauen. Produktstrategisch steht bei Fehrer der Ausbau des Produktportfolios weltweit durch den Markteintritt in neue Produktbereiche im Fahrzeuginterieur im Fokus. Da steckt für Fehrer-Chef Graf das meiste Potenzial: "Hier reden wir weniger von einem bestimmten Produkt als vielmehr von einer Technologie: innovativer Leichtbau. Wir entwickeln neben gewichtsreduzierten Sitzpolstern eine ganze Reihe weiterer Leichtbau-Lösungen, die auch in anderen Innenraummodulen eines Fahrzeugs zu finden sind, zum Beispiel im Kofferraumbereich oder in Karosseriestrukturen."

Demnächst feiere etwa mit einem Dachmodul in Sandwichtechnologie die erste Außenkarosserie-Anwendung Premiere – in einem beliebten Kleinwagen. "Das Gewicht des Bauteils wurde im Vergleich zu herkömmlichen Technologien nahezu halbiert." Dank dieser Ausrichtung sowohl international als auch in puncto Angebotspalette ist Ferhrer auf gutem Kurs, um weiterhin in Form zu bleiben.