Zentrale von ZF in Friedrichshafen

Zentrale von ZF in Friedrichshafen: TRW wäre für den Zulieferer vom Bodensee eine optimale Ergänzung, um im weltweiten Wettbewerb bestehen zu können. Bild: ZF

Steht der Deal, würde ZF mit dann knapp 30 Milliarden Euro Umsatz zur Nummer drei im weltweiten Zulieferergeschäft aufsteigen. ZF hatte am Donnerstagabend Gespräche mit dem US-Konkurrenten über einen möglichen Kauf bestätigt. Eine Entscheidung sei noch nicht gefallen. Auch TRW bestätigte, ein vorläufiges Übernahmeangebot erhalten zu haben, ohne den Namen des Kaufinteressenten zu nennen.

Für ZF wäre die Übernahme nicht nur ein Mittel zu wachsen. Auch aus technologischer und strategischer Sicht wäre TRW eine optimale Ergänzung, um im weltweiten Wettbewerb bestehen zu können.

Der Zulieferer vom Bodensee will bis 2025 seinen Umsatz steigern und gleichmäßiger auf die verschiedenen Weltregionen verteilen. Aktuell erzielt das Unternehmen noch mehr als die Hälfte seiner Erlöse in Europa. Lediglich 3,1 Milliarden Euro stammten 2013 bei weltweit 16,8 Milliarden Euro Umsatz aus Nordamerika. Die USA sind nach China der zweitgrößte Automarkt der Welt mit stetig steigenden Verkäufen. ZF selbst hatte vor einem Jahr ein neues Getriebewerk in South Carolina eröffnet, was bereits erweitert wird.

TRW vor allem für Sicherheitstechnik bekannt

Was die Mitarbeiterzahl angeht, sind die beiden Firmen etwa gleich groß. ZF hatte Ende 2013 rund 73.000 Mitarbeiter. TRW fuhr zuletzt mit zuletzt 67.000 Mitarbeitern weltweit einen Umsatz von umgerechnet 12,8 Milliarden Euro ein. Größte Märkte sind Europa und Nordamerika mit jeweils um die 40 Prozent, in Deutschland hat das US-Unternehmen 18 Werke und beschäftigt rund 10.000 Mitarbeiter. Die Amerikaner sind vor allem für ihre Sicherheitsprodukte wie Airbags, Gurte, Brems- oder Fahrerassistenzsysteme bekannt.

Genau diese Technologien sind hochinteressant für die Deutschen, die in der Vergangenheit vor allem auf Antriebe und Fahrwerke spezialisiert waren. “ZF komplettiert sein Fahrwerksgeschäft”, erklärt Jan Dannenberg von der Management-Beratung Berylls Strategy Advisors. Bei Lenksystemen und Dämpfern seien die Deutschen einer der wichtigsten Anbieter, im Bremsbereich gehöre TRW zu den Top-Spielern.

Vernetzung von Fahrzeugen treibt Bedarf an Elektronik

Noch spannender sind Elektronik und Sicherheitsprodukte von TRW. Erklärte Strategie von ZF sei es, das Geschäft mit Elektronik von zuletzt rund 800 Millionen Euro auszubauen, sagt Dannenberg. Das ist Wissen, das ZF angesichts der wachsenden Vernetzung von Fahrzeugen braucht, um noch wettbewerbsfähiger zu sein. Das gleiche gilt für die Sicherheitssysteme von TRW wie Airbags und Fahrerassistenzsysteme. Die Branche sieht in den immer intelligenteren Fahrzeugen ihre Zukunft. ZF-Konkurrent Bosch etwa will mit Fahrerassistenz bis 2016 mehr als eine Milliarde Euro Umsatz machen.

Beide Firmen belieferten bereits nahezu alle größeren Autohersteller weltweit, sagt Dannenberg. Allerdings wäre die Kundenstruktur nach einem Kauf in Summe noch ausgewogener. Leisten kann sich die Firma vom Bodensee den Kauf – vor allem angesichts des aktuell niedrigen Zinsniveaus, so die Einschätzung des Analysten.

Analysten: TRW “sehr profitabel”

Der Zulieferer aus der Nähe von Detroit wird an der Börse mit mehr als 11 Milliarden Dollar (8 Mrd Euro) bewertet. Nach Bekanntwerden des Kaufinteresses stieg die Aktie um mehr als acht Prozent. TRW sei ein sehr profitables Unternehmen, so dass die Schulden aus den laufenden Einnahmen abbezahlt werden könnten, erklärt Dannenberg.

Der Meinung ist auch Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler. ZF Friedrichshafen gelte als finanziell solide, sagt er. Er könne sich nicht vorstellen, dass das Vorhaben mit heißer Nadel gestrickt sei. “Der Schritt wäre mutig, aber absolut richtig”, so Pieper.

Kommt das Geschäft zustande, liegt die größte Herausforderung nach Einschätzung von Stefan Bratzel von der Hochschule Bergisch Gladbach in der Integration der beiden Firmen. “Ich glaube, das kann gelingen”, sagt Bratzel. “ZF-Chef Stefan Sommer hat gute Arbeit geleistet in den letzten Jahren.”

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Annika Graf, dpa / ks