GKN, Antriebswellen

Antriebswellen aus dem GKN-Werk Mosel: In Deutschland unterhält GKN Driveline sechs Fertigungsstandorte sowie ein FuE-Zentrum in Lohmar. Bild: GKN

Sir Kevin Smith, Chef des britischen Luftfahrt- und Automobil-Zulieferkonzerns GKN, wirkte bei der Vorstellung der Halbjahreszahlen recht zufrieden. Auch wenn sein Finanzchef William Seeger für die zweite Jahreshälfte 2010 eine um sieben Prozent geringere Autoproduktion als in der ersten Hälfte erwartet, stützen sich beide auf die Erwartung, dass die weltweite Autofertigung von 68 auf 71 Millionen Light Vehicles im laufenden Jahr zulegen wird.

Der Absatz der Briten hat immerhin konzernweit in den ersten sechs Monaten um 25 Prozent auf 2,7 Milliarden Pfund zugelegt, die Marge liegt aktuell bei 7,5 Prozent. Der Gewinn vor Steuern ist mit 175 Millionen Pfund wieder im Plus und die Nettoschulden von GKN sind um 75 Prozent gesunken. Der Ausblick auf wichtige Märkte ist trotz einiger Unwägbarkeiten insgesamt positiv.

Insbesondere im automobilen GKN-Kerngeschäft Driveline scheinen die umgesetzten Restrukturierungsmaßnahmen Früchte zu tragen: Zumindest erwartet Konzernlenker Smith weitere ‚Benefits‘ für die zweite Jahreshälfte und auch für 2011. GKN Driveline ist mit 18.000 Mitarbeitern an 49 Standorten in 31 Ländern der weltweit führende Anbieter von Antriebssystemen und Komponenten für die Kraftübertragung in Pkw und leichten Nfz. Der Umsatz des Geschäftsbereiches stieg immerhin im ersten Halbjahr um 45 Prozent auf 1,189 Milliarden Pfund. Und Driveline ist mit plus 82 Millionen Pfund auch wieder der größte Gewinnbringer der vier GKN-Kernbereiche. Dazu gehören noch Aerospace, Powder Metallurgy und Land Systems.

"Eine solche Entwicklung war vor wenigen Monaten noch nicht absehbar", zeigt sich Dr. Helmuth Rohregger, Managing Director North Europe bei GKN Driveline, mit dem aktuellen Auftragsbestand "sehr zufrieden". Er weiß allerdings auch, "dass die Märkte noch nicht stabil genug sind, um von einer dauerhaft positiven Entwicklung zu sprechen. Wir werden in Deutschland und Europa die Fahrzeugvolumen der Vergangenheit auf absehbare Zeit nicht erreichen."

Anders in Asien, vorwiegend in China und Indien: "Dort erwarten wir ein anhaltend hohes Wachstum, welches sein Tempo wohl etwas verringern wird, aber dennoch signifikant bleibt." Daneben sieht er noch Wachstum in Brasilien.
Rohregger hält die breite Aufstellung für einen wesentlichen Vorteil von GKN: "Wir beliefern alle bekannten Automobilhersteller und haben Produktionsstätten in allen wichtigen Märkten weltweit. Dadurch können wir sehr schnell überall auf Kundenforderungen reagieren". Zudem ist Driveline bei E-Mobilität und auch beim Leichtbau etwa durch neu entwickelte Countertrack- und Crosstrack-Gelenke im Markt aktiv.

Countertrack nutzt gegenläufig geöffnete Kugellaufbahnen; Crosstrack kombiniert die bekannten Vorteile gerader Kugellaufbahnen mit denen einer Reihe schräger Laufbahnen in einem Gelenk. Beide Gelenk-Konzepte kommen in Seiten- und Längswellen zum Einsatz.

Bei der Entwicklung elektrischer Antriebe, etwa für den Peugeot 3008 HYbrid4 (Leistung E-Motor: 27 Kilowatt, maximales Drehmoment: 200 Nm), ermöglicht die dort eingesetzte patentierte aktive Kupplungstechnik von GKN einen bedarfsweisen Allradantrieb. Ein Drehmoment bis 1.500 Nm konnten die Briten dort bereits auf die Hinterräder bringen. Einheiten, die bis zu 2.500 Nm erreichen, sind in der Entwicklung. Einige Varianten sollen 2012 in Serie gehen.

Audi setzt im neuen A8 nicht nur Seitenwellen der Briten ein, sondern als erster OEM im Quattro auch auf GKNs Direct Torque Flow (DTF). Das ermöglicht eine direkte, flanschlose Verbindung mit Getriebe/Differential zur Übertragung des Drehmoments von der Ausgangswelle auf die Kugelnabe des Gleichlaufgelenks. Mit DTF wird das Gelenk leichter, kleiner, die Unwucht geringer.

GKN Driveline entwickle sich zunehmend zum Anbieter kompletter Antriebssysteme, die man gezielt auf einzelne kundenspezifische Anforderungen zuschneidet, so Rohregger zur weiteren Stoßrichtung des Automotive-Bereichs im GKN-Konzern.