| von Andreas Gottwald
VDA, Bernd Gottschalk
Beurteilt exklusiv für AUTOMOBIL PRODUKTION die Lage führender Zulieferer: Professor Dr. Bernd Gottschalk, Geschäftsführer AutoValue und ehemals VDA-Präsident. Bild: VDA

‚Knight of the British Empire‘ ist eine der höchsten Auszeichnungen in England. Gäbe es eine solche Ehrung für Zulieferer, wäre GKN zweifellos ‚Knight of the British Suppliers‘. Nicht weil der Hersteller von Antriebssystemen auch im Krisenjahr schwarze Zahlen schrieb, im ersten Halbjahr 2010 um 46 Prozent zulegte, der Gewinn explodierte, der Free Cash Flow stark positiv ist und der Konzern wieder Dividende zahlt. Nein, weil das Unternehmen eines der wenigen britischen Vorzeige-Unternehmen der einst so stolzen Autoindustrie geblieben ist. Woran liegt das? Ein Hedge-Fond könnte einen Konzern nicht straffer und schlanker führen. Die Management-Regel heißt "Keep-invest-divest". Die Vorgaben sind hart, aber die dezentralen Freiheitsgrade hoch. Emitec beweist das. Man muss lange suchen, will man Fabriken mit höherer Produktivität oder besseren Audits finden. Das Produktprogramm ist extrem sortiert; Weltmarktführerschaft in Wellen und Gleichlaufgelenken. Aus Mittelständlern, wie Walterscheid, hat GKN einen straff geführten, erfolgreichen Weltkonzern geschmiedet.

Was fehlt? Alte britische Tugenden mit modernem deutschen Industrieverständnis zu verbinden, das könnte Wachstum und ein noch strahlenderes Image schaffen. German Engineering, Innovationen, Technologien, die kurzfristig einmal die Marge reduzieren können, auch eine Investition in das Marketing am Standort Deutschland, würden GKN langfristig noch höheres profitables Wachstum bringen. Kraft- und Drehmomentübertragung ist GKNs Kerngeschäft. Wenn das Unternehmen künftig noch mehr Drehmoment auf die Straße kriegt, wird es vielleicht doch eines Tages ein ‚Knight‘.