Glas prägt die Familiengeschichte von Arturo Mannheim, CEO der AGP Group. Sein Großvater Werner Mannheim, ein Deutscher, erarbeitete sich umfängliches Know-how in Berlin mit einer eigenen Glasproduktion. Sohn José wanderte in den 60er Jahren nach Peru aus und machte dort mit Glasprodukten weiter. 1965 gründete er die heutige Unternehmensgruppe AGP, American Glass Products. Der heute 74-Jährige sitzt mittlerweile dem Aufsichtsrat vor und überlässt es seinem Sohn Arturo, AGP zum namhaften Global Player zu machen.

Der gründete 2014 die Business-Unit eGlass und beliefert namhafte Kunden wie Tesla und Lotus für deren Serienfahrzeuge. Den Durchbruch erzielte das junge Unternehmen, weil E-Auto-Pionier Tesla seit Anfang an auf Mannheims Glasfrontscheiben setzte.

Die Technologie dazu stammt eigentlich aus einem Nischenbereich: AGP ist seit Jahrzehnten ein Spezialist für gepanzerte Zivilfahrzeuge – meistens aus der Luxusklasse. Das Unternehmen vertreibt somit weltweit seine schussfesten und dennoch leichten Fahrzeugverglasungen, die Audi, Daimler, Volkswagen oder GM regelmäßig verbauen.

Bis zu vier Quadratmeter Frontscheibe

American Glass Products ist inzwischen federführend bei der Entwicklung und Produktion der bisher größten und komplexesten Windschutzscheiben für Pkw weltweit. Die Glasfläche der bei Tesla verbauten Scheibe misst etwa drei Quadratmeter und verfügt über eine doppelte Abschattungsoption, um höchstmöglichen Komfort und mehr Sicherheit im Innenraum zu gewährleisten. Die Panoramaaussicht ist deshalb so einzigartig, weil sich die Scheibe bis ins Fahrzeugdach neigt und den Insassen ein bislang einzigartiges Gefühl von Freiheit gibt.

AGP-Chef Arturo Mannheim will den Trend zum autonomen Fahren und in Richtung E-Mobilität nutzen. In zukünftigen Autos sind große Glasflächen mit komplexeren Formen gefragt, um ein neues Raumgefühl zu bieten. Glas spielt also eine bedeutende Rolle für Autos, die automatisiert oder autonom fahren sollen. Das von AGP eGlass entwickelte und produzierte High-Tech-Glas ermöglicht Panorama-Windschutzscheiben mit Maßen von bis zu vier Quadratmetern bei gleichzeitiger Gewichtseinsparung von etwa 35 Prozent gegenüber herkömmlichen Scheiben. Die Nachfrage ist entsprechend hoch.

„Elektromobilität und autonomes Fahren sind stark wachsende Märkte und mit unserer Erfahrung im Bereich Autoverglasung können wir hier viel zum Fortschritt der Mobilität beisteuern. AGP ist stolz darauf, ein Teil dieser Entwicklung zu sein, denn wir alle profitieren von sauberer und sicherer Fortbewegung”, so Mannheim. Den ersten Auftritt auf der IAA will Mannheim gleich mit einem weiteren Meilenstein in der Unternehmensgeschichte verbinden: In der ersten Hälfte 2018 will AGP in Deutschland ein R&D-Center eröffnen. „Wahrscheinlich in Dresden oder Leipzig“, verrät der Firmenchef. Die Verträge sollen schon Ende des Monats unterschrieben werden.

R&D-Direktor Juan Pablo Suárez verortet in dieser Region Ostdeutschlands entsprechendes Know-how, die Nähe zu namhaften OEMs und zu Universitäten. Wie hoch das Investment sein wird, verrät man nicht. Nur, dass eventuell auch eine Final Assembly Line installiert werden könnte. Zudem stehe man Entwicklungskooperationen jederzeit offen gegenüber. Und auch im kalifornischen Silicon Valley plant Arturo Mannheim ein weiteres R&D-Center.

Glasspezialist mit deutschen Wurzeln

„Panorama-Windschutzscheiben und -Glasdächer können so gestaltet werden, dass sie die technischen Features unterstützen, die moderne Fahrzeuge benötigen“, sagt Arturo Mannheim, CEO der AGP Group. „Mit unseren eGlass-Technologien stehen wir an der Spitze dieser Entwicklung. Wir können alle Komfort- und Designtrends bedienen, die eine entscheidende Rolle für die Zukunftsvisionen der Automobilhersteller spielen. AGP bietet immer eine passende Lösung – von dimm- und schaltbaren Glasflächen via Finger-Touch bis zur 360-Grad-Plus-Technologie, die große und komplexe Formen mit engen Radien erlaubt“.

Auf der IAA stellte AGP auch eine Scheibe aus, in die – bei Tageslicht unsichtbare – LEDs integriert sind. Sie scheinen frei im Glas zu schweben.

 AGP betreibt vier Fertigungsstätten in Südamerika: AGP eGlass (Lima), AGP Brasilien (Curitiba), AGP Peru (Lima), und AGP Kolumbien (Bogotá) und hat 1.800 Mitarbeiter.