Hella-Fahnen wehen im Wind.

Hella hat nach monatelanger Suche einen Käufer gefunden. Bild: Hella

Dass die Industriellenfamilie Hueck den Verkauf ihres 60-prozentigen Anteils am Zulieferer Hella erwägt, kursierte bereits im April in den Medien. Nach anfänglichem Interesse scheiterte eine Übernahme durch Knorr-Bremse jedoch aufgrund mangelnder Synergien. Investoren zeigten sich unzufrieden mit den Plänen, Analysten äußerten sich skeptisch. Mittlerweile hat der Licht- und Elektronikspezialist einen Käufer gefunden – den französischen Zulieferer Faurecia.

Beide Unternehmen unterzeichneten eine Vereinbarung über einen Zusammenschluss, im Zuge dessen Faurecia die 60 Prozent der Poolaktionäre übernimmt. Über eine Rückbeteiligung in Höhe von bis zu neun Prozent sollen diese an der börsennotierten Obergesellschaft beteiligt bleiben sowie durch einen Vertreter im Faurecia-Verwaltungsrat vertreten werden. Darüber hinaus werde es ein freiwilliges öffentliches Übernahmeangebot zum Erwerb der weiteren Hella-Aktien im Streubesitz geben. Der Vollzug der Transaktion steht unter dem Vorbehalt regulatorischer Freigaben und wird für Anfang 2022 erwartet.

Diese Zukunftsthemen will Faurecia mit dem Kauf angehen

Durch den Zusammenschluss entsteht nach eigenen Angaben der siebtgrößte Automobilzulieferer der Welt. Dieser soll vor allem die zentralen Wachstumsfelder emissionsfreie Mobilität, Interieur, Lifecycle Value Management sowie Fahrerassistenzsysteme und autonomes Fahren gezielt ausbauen. „Unser Finanzprofil wird weiterhin solide bleiben, wir werden einen Fokus auf eine nachhaltige Cash-Generierung und den Abbau der Verschuldung des Unternehmens legen“, erläutert Faurecia-CEO Patrick Koller. Helfen könnte dabei etwa der Marktzugang von Faurecia in China und Japan sowie zu US-amerikanischen Autobauern.

Die seit 2018 bestehende Entwicklungspartnerschaft bei Interieur-Lichtlösungen gewinnt damit an Qualität. Faurecia steuert in diesem Sinne Kompetenzen bei Sitzen und Innenausstattung, Hella die Expertise bei Innenbeleuchtung, Sensorik sowie Elektronik für Fahrzeugzugangssysteme bei. Hinsichtlich der emissionsfreien Mobilität bringt Hella sein Portfolio in den Bereichen Batterie- und Lenkungselektronik, Sensorik sowie Aktuatorik ein, während Faurecia sich auf Wasserstoff-Lösungen und Speichersysteme konzentriert. Bei Fahrerassistenzsystemen und autonomem Fahren soll vor allem auf das Tochterunternehmen Faurecia Clarion Electronics zurückgegriffen werden.

Was bedeutet die Übernahme für Hella-Mitarbeiter?

Um das Potenzial beider Partner bestmöglich auszuschöpfen, soll Hella künftig eine hohe operative Verantwortung übernehmen und die Mehrsäulen-Strategie fortgesetzt werden. Konsequente Investitionen in Zukunftstechnologien und die Stärkung des etablierten Hella-Kooperationsnetzwerk – bestehend aus zahlreichen Gemeinschaftsunternehmen sowie strategischen Partnerschaften – runden den Zusammenschluss ab.

Für die Mitarbeiter von Hella soll all dies nicht zum Nachteil werden: Die Vereinbarung beinhalte weitreichende Zusagen an die Beschäftigten, betont der Zulieferer. „Wir haben langjährige Zusagen für die Standorte und Investitionen in die Zukunftsfelder sichergestellt“, so Jürgen Behrend, Leiter des Pools der Hella-Familiengesellschafter. Alle Betriebsvereinbarungen und Tarifverträge bleiben bestehen. Es soll zu keinen Änderungen der Betriebsverfassungsstruktur kommen und auch der Hauptsitz in Lippstadt werde ein zentraler Standort in der gemeinsamen Gruppe bleiben.

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