Hirschvogel, Plasmanitrieröfen

Chargieren der Plasmanitrieröfen mit Exzenterwellen. Bild: Hirschvogel

Angefangen hat alles ganz beschaulich. Vor 72 Jahren gründeten die drei Brüder Willy, Anton und Hans Hirschvogel im oberbayerischen Denklingen die Industrieschmiede "Hammerwerk Hirschvogel OHG". Das erste Umformaggregat ist ein gebrauchter Brettfallhammer, fünf Mitarbeiter erwirtschaften 1938 immerhin einen Umsatz von 26 000 Reichsmark.
Abgesehen von einer Zäsur nach Beendigung des zweiten Weltkriegs ging es mit dem Familien-Unternehmen stetig bergauf. Heute hat Hirschvogel 2 700 Mitarbeiter und beliefert das "Who-is-who" der Automobilindustrie.

Die Kernkompetenzen der Hirschvogel-Gruppe sind neben dem traditionellen Gesenkschmieden die Halbwarm- und Kaltumformung, das Aluminium-Schmieden und die Weiterverarbeitung der massivumgeformten Bauteile mittels spanender und anderer Bearbeitungsverfahren bis hin zum einbaufertigen Zustand.

Indikatoren machen Mut

Der konsolidierte Jahresumsatz lag 2007 bei 525 Millionen Euro. Die Jahresproduktion belief sich auf 210 000 Tonnen Umformteile. 2008 konnte das Niveau mit 503 Millionen Euro bei einem Ausstoß von 192 000 Teilen in etwa gehalten werden. Im folgenden Jahr erwischte dann der Krisenhammer die bayerischen Umformspezialisten: Der Umsatz ging um 22,47 Prozent auf 390 Millionen Euro zurück. Der Output reduzierte sich um 25,53 Prozent auf 143 000 Tonnen.

Dieses Jahr soll es wieder bergauf gehen und der Umsatz auf 470 Millionen Euro steigen. Die Indikatoren machen zu Beginn des Jahres Mut, dass dieses Ziel erreicht werden kann: "Im ersten Quartal verzeichneten wir starke Umsatzzuwächse gegenüber dem schlechten ersten Quartal 2009. Die Zuwachsraten lagen bei 80 Prozent", freut sich Konzernchef Dr. Manfred Hirschvogel. Er betrachtet den momentanen Produktions-Boom mit gemischten Gefühlen. Nach dem Einschnitt durch die Krise müssen die Umlaufbestände wieder aufgefüllt werden. Das heizt die Fertigung zusätzlich an. Im zweiten Halbjahr erwarten die Oberbayern eine Beruhigung. Einen neuerlichen Einbruch befürchtet der Zulieferer aufgrund des gestiegenen Exports der Premium-Marken nicht.

Positive Meldungen kommen auch aus China: Im Boom-Markt rechnet Hirschvogel 2010 mit einer Verdopplung der Umsätze. Deswegen wird das Werk in Pinghu (Shanghai) weiter ausgebaut. Mittlerweile wurden einige der handbetriebenen Anlagen aus Deutschland nach China verlagert. Fast schon diametral stellt sich das Bild in Russland dar. Hier sind keine weiteren Investitionen geplant.

Trotzdem soll der Gesamt-Umsatz bis 2012 auf 700 Millionen Euro steigen. Das wäre fast eine Verdreifachung innerhalb von nur zehn Jahren: 2002 waren es noch 250 Millionen Euro.

Portfolio anpassen

Damit die Expansion nicht unkontrolliert wuchert, rief man 2009 die ‚Hirschvogel Holding GmbH‘ als Mutter aller Unternehmen der "Hirschvogel Automotive Group" ins Leben. Hirschvogel expandiert weiter und produziert demnächst weltweit an neun Standorten.

In Zukunft will man die  Aluminium-Fertigung für Leichtbauteile weiter ausbauen. Diese Neuausrichtung ist eine weitere Konsequenz aus der Wirtschaftskrise: Der Dieselbereich, für den Hirschvogel Einspritzpumpenteile liefert, brach überproportional ein. Auch das Downsizing der Motoren hat ganz handfeste Auswirkungen. Einerseits werden aufgrund der geringeren Zylinderzahl weniger Pleuel benötigt. Andererseits brauchen diese Motoren dafür im verstärkten Maße Ausgleichswellen.

Dementsprechend will Hirschvogel sein Portfolio anpassen. "Wir transferieren unsere Stärken in der Fertigungstechnik auch in den Automobilbau", erklärt der Konzernlenker. Die Denklinger Forschungsabteilung tüftelt bereits an Rotorwellen für Elektromotoren. Weitere Innovationen sollen folgen.