Achtgang-Automatgetriebe 8 HP von ZF

Dem 8HP werden jedoch Vorzüge nachgesagt, die weit über seine zwei zusätzlichen Gänge hinausgehen. Bild: ZF

ZF verspricht für das neue 8HP umfassende Weiterentwicklungen, die von geringeren Schleppmomenten über die höhere Spreizung bis hin zu einer verbesserten Drehschwingungstilgung reichen. Seinen Serienstart erlebte das neue 8HP Anfang Juli im BMW 520d, in der Variante 8HP50, die für Drehmomente bis 500 Nm ausgelegt ist. Für noch drehmomentstärkere Antriebe bis 750 Nm bietet ZF künftig das 8HP75. Schrittweise sollen nun alle weiteren Automobilhersteller, die ZF mit dem 8HP schon bisher in insgesamt mehr als 1.000 Fahrzeuganwendungen beliefert, das 8-Gang-Automatgetriebe der neuesten Generation einsetzen.

Das 8HP erweist sich als ein äußerst wichtiges Produkt für ZF. Laut dem IHS-Analysten Chris Prognose Guile hatte ZF zunächst mit rund 1,3 Millionen Einheiten pro Jahr kalkuliert. Der Erfolg des Produktes hat das Spitzenvolumen aber auf 3,5 Millionen Einheiten pro Jahr getrieben, die Lizenzproduktion von Fiat Chrysler Automobiles eingerechnet. Der Analyst sieht ZF in diesem Bereich auch in Zukunft auf einer Spitzenposition im Markt.

IHS berichtet von Tendenzen sowohl bei ZF wie auch bei BMW, die Anzahl von acht Gängen auch bei späteren Generationen der Getriebe beizubehalten. Andere Unternehmen rechneten bei Automatgetrieben bereits mit neun oder 10-Gängen.

Optimiert für Downsizing und Downspeeding

BMW 520d Touring

Premiere in der BMW 5er Reihe: Der 520d läuft als erstes Serienmodell mit der neuen 8HP-Getriebegeneration von ZF vom Band. Bild: BMW

ZF zufolge ist die neue Getriebegeneration für die Anforderungen moderner Motorentechnologie optimiert. Gerade die Absenkung der Drehzahlen im Zuge des “Downspeeding” erfordert Getriebe mit höherer Spreizung, weshalb ZF diese beim neuen 8HP durch optimierte Radsätze von 7,0 auf 7,8 gesteigert hat. „Alleine diese Maßnahme reduziert die Drehzahl über alle Gänge hinweg um durchschnittlich 50 Umdrehungen pro Minute und senkt den Spritverbrauch bereits um knapp ein Prozent“, erklärt Jürgen Greiner, Leiter der Entwicklung Pkw-Getriebe der ZF Friedrichshafen AG. Zusätzliche, in den Lamellenpaketen der Schaltelemente integrierte Federn gewährleisten laut ZF, dass die Reibschaltelemente nahezu vollständig geöffnet werden und dadurch weniger Schleppmoment verursachen.

Eine weitere neue Funktion minimiert die Kriechmomente: So wird beim Verzögern und bei stehendem Fahrzeug eine Kupplung nun vollständig geöffnet. „So muss man nicht mehr gegen den Antrieb ‚anbremsen‘“, erläutert Greiner. Ebenfalls positiv wirke sich aus, dass die Ölpumpe des ZF-Automatgetriebes mit einem von 5 auf bis zu 3,5 Bar reduzierten Systemdruck arbeitet – und folglich insgesamt weniger Energie benötigt.

Darüber hinaus galt es, dem veränderten Schwingungsverhalten der immer sparsameren, gleichzeitig aber kräftigeren Downsizing-Aggregate Rechnung zu tragen. In allen 8HP-Automatgetrieben werden fortschrittliche Torsionsdämpfer verbaut: Diese sollen die Vibrationen durch den Motor besonders effektiv eliminieren. Zum Downspeeding trägt der neuentwickelte Drehmomentwandler bei, weil sich die hydrodynamische Kraftübertragung noch schneller überbrücken lässt – ein Fahren mit geschlossener Wandlerkupplung sei dadurch früh, bei sehr niedriger Motordrehzahl möglich.

Optimierte Start-Stopp- und Segelfunktion

Das Abkoppeln des Getriebes in Verbindung mit zeitweiser Motorabschaltung, die sogenannte Segelfunktion, ist nun bis zu einer Geschwindigkeit von 160 km/h möglich. Auch die Start-Stopp-Funktion des 8HP wurde optimiert: Nachdem das Fahrzeug zum Stehen gekommen ist, schaltet sie den Motor ohne merkbare Verzögerung ab – anstatt wie bisher nach 1,5 Sekunden.

Die Dynamik kommt trotz des großen Kraftstoffsparpotenzials nicht zu kurz: Die neue elektronische Getriebesteuerung ermöglicht unter anderem verschachtelte Mehrfachrückschaltungen, wodurch das 8HP bei Bedarf noch spontaner und dynamischer reagiert.

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ZF/Andreas Karius